CS28 CAUSA SECUNDA Text 28

CS28 CAUSA SECUNDA Text 28

Aus: Tagung über die Inscriptio 1941

Der marianische Charakter unserer Familie entspricht dem Weltregierungs-, dem Weltordnungs-, dem Weltvervollkommnungs- und dem Weltanpassungsgesetz. Ich möchte auch hier bitten: Wem diese Gedanken nicht geläufig sind, der möge sich doch nur ja in den „Worten zur Stunde“ nachlesen, denn auf die Dauer können wir nicht auf dem Boden unserer Marienverehrung stehenbleiben, wenn wir die großen Zusammenhänge nicht sehen mit dem ganzen Reich des ewigen Gottes, ja mit den Plänen Gottes.

Worauf macht uns das Weltregierungsgesetz aufmerksam? Gott wirkt durch Zweitursachen. Da müssen Sie sich erinnern an das, was die Familie jahrelang erarbeitet, auch in der praktischen Tätigkeit herausgestellt hat: das Gesetz der organischen Übertragung und Weiterleitung. Prüfen Sie einmal nach die doppelte Gesetzmäßigkeit der Marienverehrung. Gott könnte allein die Welt regieren, er tut es aber nicht, er läßt Wesen an der Weltregierung teilnehmen. Das ist in klassischer Weise in Anwendung gebracht in der Gottesmutter. Was hat Gott ihr denn übertragen? Ein großes Stück seiner Macht, seiner Weisheit und seiner Liebe. Das große Weltregierungsgesetz: Gott überträgt, auch ich darf übertragen. Wenn Gott seine Eigenschaften in wundersamer Weise überträgt auf die Gottesmutter, dann habe ich die Pflicht, dieser Praxis zu folgen und auf die Gottesmutter zu übertragen, was Gott gehört. Ich übertrage der Gottesmutter meine Kindesliebe, Ehrfurcht, Gehorsam. Deswegen Marienliebe, Marieninnigkeit, das entspricht dem Weltregierungsgesetz.

Das zweite Gesetz ist das Weltordnungsgesetz. Worauf macht es uns aufmerksam? Daß der lebendige Gott seine Herrlichkeiten in der Welt anschaulich gemacht hat. Worauf macht es uns aufmerksam? Da steht das unendliche Meer der Herrlichkeiten Gottes vor uns, das er tropfenweise in die Welt gleichsam hineingewoben hat. Was ist also die Welt? Der Schemel seiner Herrlichkeit, letzten Endes weiter nichts als eine anschauliche Darstellung der unendlichen Herrlichkeit des ewigen Gottes. Weltordnungsgesetz: Gott ist ein Gott der Ordnung, er hat seine Ordnung in diese Herrlichkeit hineingetragen. Wir denken an das Mineralreich, das Pflanzenreich, das Tierreich, an den Menschen, an das Geisterreich. Aufsteigend ist eine Stufe vollkommener als die andere. Es entspricht dem großen Weltordnungsgesetz, daß an der Spitze der gesamten Schöpfung, da, wo es sich um ein rein geschöpfliches Wesen handelt, die Gottesmutter als die Gebenedeite unter den Weibern steht. Wollen Sie sich noch einmal sagen lassen: „Das Werk, das nur vom Werkmeister selbst überragt wird.“ Propter hanc! So entspricht es dem Weltordnungsgesetz. Die ganze Welt mit all ihrer Herrlichkeit findet letzten Endes eine Spitzenleistung in der Gottesmutter. Alle geschöpflichen Wesen haben nicht bloß ein Stück Ähnlichkeit mit dem unendlichen Gott, sondern auch mit der Gottesmutter. Und alles Große und Schöne in der Welt möchte ich erst straffen auf diese Spitzenleistung, und von dieser Spitzenleistung steige ich empor zur Unendlichkeit Gottes. Dann erst steht der unendliche Gott in seiner ganzen Herrlichkeit und unendlichen Größe vor mir kleinen Menschen. Wir wollen also tiefer hineinwachsen in die Wurzel des Baumes.

Das Weltvervollkommnungsgesetz. Es ist etwas eigenartig Großes und Schönes, was der lebendige Gottalles an Anlagen in meine Natur hineingeschaffen hat. Wenn Gott eine Anlage in mich hineingelegt hat, weiß er sie auch zur Entfaltung zu bringen. Weltvervollkommnungsgesetz. Für die Anlagen in unserer Natur müssen wir vom lebendigen Gott Gelegenheit bekommen, sie zur Entfaltung zu bringen in der natürlichen und übernatürlichen Ordnung. Natürliche und übernatürliche Ordnung sind ja in überaus feiner Weise aufeinander zugeordnet. Wenn der ganze Mensch in die übernatürliche Ordnung emporgehoben ist, verstehen wir, daß der unendliche Gott auf unseren Kindlichkeitstrieb auch eine Antwort gegeben hat dadurch, daß er uns nicht nur in der natürlichen, sondern in der übernatürlichen Ordnung Vater und Mutter gegeben hat. Ich darf Ihnen später den Gedankengang in umgekehrter Ordnung einmal zeigen, wie eigentlich die natürliche Ordnung nach der übernatürlichen geschaffen ist, und nicht umgekehrt. Historisch ist es wohl wahr, daß die natürliche Ordnung als das Primäre zu betrachten ist. In der Idee Gottes aber steht am Anfang die übernatürliche Mutter und der übernatürliche Vater. Gott hat bei der Erschaffung der Welt zuerst die übernatürliche Ordnung im Auge gehabt und nach dieser die natürliche geschaffen. Das große Weltvervollkommnungsgesetz will uns anregen, das Fundament mehr zu lieben und zu vertiefen, will, daß wir uns der Gottesmutter in tiefgründiger Weise hingeben.

Und endlich das vierte Gesetz: Weltanpassungsgesetz. Gott, der große Pädagoge, hat den Menschen sinnenhaft geschaffen.

Deshalb hat er nicht bloß abstrakte geistige Gedankengänge mir vermittelt, deswegen will er nicht bloß abstrakte Forderungen an mich stellen. Alle großen Gedankengänge und Forderungen jeder Art haben eine sinnhafte Veranschaulichung gefunden in der Gottesmutter. Wir sind nicht zufrieden mit abstrakten Ideen und Formulierungen, wir suchen eine Veranschaulichung dafür an einem lebendigen Wesen. Und dieser Forderung der menschlichen Natur hat der liebe Gott Rechnung getragen in der Art, wie er die Gottesmutter geschaffen hat, In den „Worten zur Stunde“ finden Sie das ausgeführt. („Weil unsere Natur nicht nur rein geistig, sondern auch sinnenhaft geschaffen ist, äußert sich ihr Ewigkeitshunger in einer starken Sehnsucht nach Transparenten Gottes“.) Wir kennen das Wort: „Das ewig Weibliche zieht an“, das Ewige im Weibe zieht empor. Und das ist in klassischer Reinkultur bei der Gottesmutter vorhanden. Ich erinnere an ein Wort des heiligen Bernhard, das hinweist auf die Sinnenhaftigkeit unserer Natur: Der Mann ist gefallen durch die Frau, deswegen muß auch der Mann wieder empor geführt werden durch die Frau. Ich darf noch einmal bitten, diese Gedankengänge still besinnlich durchzudenken. Wenn wir in diesen Zentralgedanken nicht beheimatet sind, können wir später nicht darauf aufbauen.

maschinenschriftlich, 62 Seiten A4, S.50-52 *

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