CS31 CAUSA SECUNDA Text 31

CS31 CAUSA SECUNDA Text 31

Aus. Vortrag „Werfet die Netze aus“ 1945

Wir haben ja die Tage eingeleitet mit dem Ringen und Streben um eine tiefe Sendungsergriffenheit. Wir möchten von der Sendung ergriffen werden. „Ach was“, wird man sagen, „das ist nur ein rein menschliches Getue!“ Doch wir wissen: Hingabe an Menschen, und wenn sie wer weiß wie genial, wenn sie wer weiß wie groß wären – das ist alles nichts für den heutigen Menschen. Und je älter wir werden, um so mehr räumen wir auf mit dem Menschenkult. Wenn hinter den Menschen der lebendige Gott steht, der uns ruft, der den Auftrag gibt: „Ich sende dich!“, der uns den Auftrag gibt, die Netze auszuwerfen, dann mögen wir uns ein wenig freuen an dem schönen Netz, an dem edlen Menschentum, das der liebe Gott zusammenführt hat, aber mit Sieghaftigkeit und Mut und Opferfreude hinauszugehen und das Netz freudig auszuwerfen, das wagt wohl niemand von uns. Darf ich also annehmen, daß der Herr uns den Auftrag gibt?

2. Wir wissen, die Quelle, aus der wir trinken, ist der schlichte Vorsehungsglaube, der hineinleuchten möchte in die Geschichte unserer Familie. Gott im Weltgeschehen immer wieder neu zu sehen und zu sichten. Wenn wir Tag für Tag in dieser Richtung ein neu ausgebildetes Organ bekommen, haben wir auch die Fähigkeit, unsere Familiengeschichte bis ins einzelnste vorsehungsgläubig zu deuten. Und dann klingen die Glocken mit wundersam tiefem Geläute in die Seele: „Jawohl, gottgesandt sind wir! Die Familie ist von Gott gesandt. Der Herr ist es, der uns auffordert, auf die hohe See hinauszufahren und die Netze auszuwerfen!“ …

Unser Betrachtungsbuch ist das Buch des eigenen Lebens und das Buch des Weltgeschehens. Hintergallen Dingen wollen wir, wie auf einem Berggipfel, wie auf der Spitze eines Domes stehend, den Dreifaltigen Gott sehen. Meine Aufgabe soll darin bestehen, die Vorsehung Gottes nachzuprüfen im Weltgeschehen, damit wir ein ausgeprägtes, ausgebildetes Organ bekommen, um Gott auch zu wittern in der Geschichte unserer Familie .

So wollen wir Deutungskünstler, Nachahmer, Beobachter der Weisheitswege Gottes in unserem kleinen Leben, im Weltgeschehen werden, damit wir fähig werden, Gottes Finger besser zu deuten im Geschehen der Familie. Dann aber werden wir freudig hingehen und triumphierend sagen können: „Der Herr ist es, der uns hinaussendet auf die hohe See, und nicht wir!“ Gewiss, der Herrgott braucht Menschen als seine Werkzeuge. Aber wir müssen hinter den Zweitursachen immer mit Innigkeit, Wärme und Glauben Gott als Erstursache sehen.

abgedruckt in: Kirche im Aufbruch ans Neue Ufer, zusammengestellt von P. August Ziegler und Fr. Georg Roos, Manuskriptdruck, S.94f *

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