CS51 CAUSA SECUNDA Text 51

CS51 CAUSA SECUNDA Text 51

Aus: Vortrag 1963

Was wir von der Marienverehrung sagen, sagen können, das liegt immer auf dem Gebiete der Zweitursachen – Gottesmutter ist auch eine Zweitursache -, liegt immer auf dem Gebiete des innersten Zusammenhanges zwischen Erst-und Zweitursache.

Nun muß ich auf einen Punkt aufmerksam machen, der an sich nicht immer verständlich ist. Wenn ich so etwa denke an unsere Schwestern, wie deren Verhältnis zur lieben Gottesmutter ist, dann werden Sie sich sagen – auch wenn Sie das Volk beobachten: das ist eine eigenartige menschliche Fühlungnahme; da wird alles mit der Gottesmutter besprochen. Gefühl – nun lasse ich das weg: inwiefern dahinter der liebe Gott steht, daß der dabei nicht zu kurz kommt. Ich sehe nur, möchte hier in den Vordergrund nur stellen diese lebendige Fühlung, dieses schlichte Vertrauen in allem, das Dankeschönsagen bei jeder Kleinigkeit. Wissen Sie, um welches Problem es hier geht? Das ist an sich, ganz allgemein betrachtet, von der Theologie und Philosophie aus gesehen, das Grundverhältnis zwischen Erst- und Zweitursache in der gegenseitigen Wirksamkeit. Was dazu zu sagen ist, ist an sich wohl auch schwer auszudrücken. Es ist wieder ein Geheimnis. Auf der einen Seite ist Gott absolut in seinem Wollen. Wo liegt nun die Gefahr? Das ist nun eine gewisse Gefahr eines Passivismus. Das kann zumal bei uns Männern eine Gefahr sein, daß wir sagen: Nun ja, das ist recht, der liebe Gott soll machen, wie und was er will. Das kann richtig sein. Aber das müßte dann herauskommen aus einer richtigen Vorstellung.

Zum Beispiel, wenn wir daran denken, wie die Gottesmutter auf der Hochzeit zu Kana sich gegeben. Ja, das klingt fast schrecklich oberflächlich. Das kann man so deuten, ist aber falsch gedeutet. Also: Gottesmutter will aus einer Verlegenheit helfen. Das ist für das Volk, also für die Hochzeitsleute eine große Unannehmlichkeit. Ja, nun was? Da geht sie bloß hin und sagt: Sie haben keinen Wein mehr! Ich muß schon sagen: das ist meine Gebetsweise! Ich mache nicht viel Federlesens mit dem Herrgott – und selbst, wenn’s um meinen Kopf geht. Das kann sehr oberflächlich sein, kann aber auch aus einer derartigen schlichten Haltung herauswachsen, wie das offenbar bei der Gottesmutter der Fall ist. Ich hoffe, daß Sie auch so nach der Richtung streben, daß es nicht nur Oberflächlichkeit ist.

Was heißt das? Diese ganz tiefe Oberzeugung: Der liebe Gott, der will ja das Beste; der liebe Gott, der will bloß meine Abhängigkeit und mein grenzenloses Vertrauen. Ich könnte das natürlich auch anders machen. Bloß um wieder auf die Heilige Schrift zurückzugreifen – ich habe ein paarmal hinweisen dürfen auf die Ölbergsituation. Ja, vielleicht möchte man sagen, es wäre doch männlicher gewesen, wenn der Heiland es jetzt auch so gemacht hätte, nur danz schlicht gesagt hätte: Nun ja, kannst mich ja frei machen davon; aber wenn du willst – fiat voluntas tua. (Da) können Sie einmal sehen wie verschieden die Grundhaltungen sein können. Die ist sicher nicht schlecht, weil sie ja vom Heiland kommt. Was sehen wir also hier? Ein wirklich aufschreiendes Vertrauen und immer wieder Bitten und Betteln, ein Betteln und Bitten.

Und bei der Gottesmutter – hier, wo es sich um das Wunder handelt – etwas so souverän Selbstverständliches, aus der tiefen Überzeugung heraus, daß der Gottmensch das Wohl aller will und auch jetzt helfen will in der Situation, und das tiefe überzeugtsein, daß auf die Bitte hin sie alles getan hat, was sie beitragen darf, um mitzuwirken an dem Ereignisse. Jedenfalls, im einen wie im andern Fall, da liegt zugrunde, daß der Akt abhängig ist – also das Geschehnis – nicht nur vom Willen Gottes, von seinen Fügungen, von seinem Willen, sondern auch von der eigenen Mitwirkung abhängig ist.

Und hier liegt an sich ein Geheimnis: Göttliche Universalität und Souveränität und menschlicher Einfluß. Sicher, wir wissen, die Theologie weiß das sehr nett zu beantworten. Aber das nimmt uns doch nicht den Geheimnischarakter. Die Theologie antwortet uns darauf: Der liebe Gott hat das von Ewigkeit vorausgesehen in seinem Plane, daß ich bitten würde. Und mit Rücksicht darauf braucht er seine Pläne nicht zu ändern, (denn) es war ja alles hinein bezogen in den Plan. Das ist alles recht. Die Lösung ist natürlich zuzugeben. Und trotzdem bleibt ein großer Rest. Wie kann ich – ja nehme ich einmal an, ich bin schon im Himmel, in der Visio beata – wie kann ich denn nun, nachdem ich Gott total hingegeben bin, wie kann ich denn jetzt noch Einfluß ausüben? Denn meine Mitwirkung muß doch einen Einfluß ausüben, sonst wäre das ja letzten Endes nur eine Spielerei. Und ich meine, das ist es, was wir uns merken müssen: ob ich nun danke oder bitte – denn jedes Danke ist an sich eine versteckte Bitte -, ich mache mich abhängig. Wie das denn möglich ist? Noch einmal: Gottes souveränes Wollen, seine souveräne Durchsetzung von all dem, was er will – und auf der anderen Seite mein persönlicher Einfluß.

Sehen Sie, (das) ist auch bei der Gottesmutter so. Wenn die Einfluß ausüben will auf den lieben Gott, dann muß sie, wie die Theologen uns sagen, entweder durch Worte oder durch ihr ganzes Sein bitten. Durch ihr ganzes Sein

– die volle Abhängigkeit. Mein ganzes Wesen – sich abhängig fühlen von Gott. Ich muß also nicht nur bitten durch Worte, ich kann auch durch mein Sein, durch meine Grundeinstellung bitten. Sie müssen das also festhalten, daß unsere Mitwirkung auch im Liebesbündnis eine aktive ist, einen Einfluß ausübt.

Ja, wie sollen wir das denn nun im einzelnen deuten?

(Die) Gottesmutter gehört also in ihrem Wirken oder ihre Wirksamkeit gehört letzten Endes zur Gattung der Wirksamkeit der Zweitursachen. Offenbar gibt der liebe Gott Menschen, bestimmten Menschen, stärkeren oder geringeren Einfluß auf ihn. Und wenn wir nun die Gottesmutter so sehen, wie die Heilige Schrift, wie auch die Tradition sie uns malt und zeigt und zeichnet, muß die Gottesmutter einen starken, überaus starken Einfluß haben auf den Heiland. Das will ja auch das Wort sagen, die Formulierung: Die amtliche Dauerhelferin und Dauergefährtin, -genossin beim ganzen Erlösungswerke. Also Dauergefährtin und Dauerhelferin beim ganzen Erlösungswerke. Nicht etwa, (daß sie) nur da, wo sie selber für sich den Willen Gottes erfüllt, hineinwirkt in den Willen Gottes, daß (da) auch eine persönliche starke Mitwirkung notwendig ist; nein, auch dorten, wo es sich um unser eigenes Heil handelt, wo die Gottesmutter uns helfen will, uns erziehen will, da hängt es auch von ihr ab, von ihrem Willen hängt es ab.

Für mich ist die Lösung natürlich immer sehr leicht und sinnvoll, wenn ich mir sage: Das liegt so in der Ordnung. Gott hat diese Ordnung so geschaffen, daß die Gottesmutter auch ihr Ja sagen muß. Das ist aber ein freiwilliger Akt von ihr! Darum tun wir ja auch wieder gut daran, das Verhältnis zur Gottesmutter so möglichst schlicht und kindlich zu formen und zu gestalten, nicht nur durch Pflege des Bittgebetes – kann aber sehr wohl und souverän sein, ohne Angst -, sondern auch durch Pflege des Dankgebetes.

Wenn wir noch einmal die vier Prinzipien, die vier Gesetze, auf uns wirken lassen wollen, die wir schon ein paarmal namhaft gemacht, dann wissen wir, es handelt sich hier bei der Wirksamkeit der Zweitursachen zunächst um das Weltregierungsgesetz. Weltregierungsgesetz – Sie haben gehört, was es vom philosophischen und psychologischen Standpunkte aus zu besagen hat. Ich mag das nicht wiederholen. Ich möchte nur das, was wir miteinander überlegt haben, erledigt haben und besprochen haben, von einer anderen Seite zeigen. (Das) ist aber im wesentlichen dasselbe. Habe das übrigens schon ein paarmal in dieser Woche getan: von der Psychologie der Liebe aus gesehen. Deus operatur per causas secundas liberas. Psychologisch betrachtet, das Gesetz der organischen Übertragung und Weiter- und Tieferleitung.

Sehen Sie, wenn ich das noch einmal fassen will, was hier gemeint, was hier gesagt ist, wo es sich um die Marienverehrung, also um die Gottesmutter als Zweitursache handelt, wollen wir uns an das Wort erinnern: Die Psychologie der Liebe oder die Philosophie der Liebe. Psychologie der Liebe, was ist das? Ein seelisches ständiges Ineinander. Und wenn das ein Ineinander ist, ein ständiges Ineinander oder wenn wir den anderen Ausdruck philosophischer Art wieder mehr gebrauchen wollen: daß die Liebe eine vereinigende und verähnlichende Kraft ist, dann ist das sehr leicht verständlich, wie eine Kin- desliebe der Gottesmutter gegenüber uns mit einer psychologischen Notwendigkeit auch früher oder später schenkt die marianische Haltung, ihre seelische Haltung dem Unendlichen gegenüber, allen Dingen gegenüber, auch seelische Haltung den Betrübten, den Sündern gegenüber. (Das) müßte naturgemäß so sein: Wenn Liebe eine vereinigende und verähnlichende Kraft ist, dann werden wir die Haltung der Gottesmutter uns aneignen im Maße, wie wir sie kindlich lieben gelernt haben und kindlich lieben.

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