CS68-1 CAUSA SECUNDA Text 68/1

CS68-1 CAUSA SECUNDA Text 68/1

Aus: Vorträge in Oberkirch (II) 1967

Es sind zwei Überlegungen, die ich gerne vorausschicken wollte.

Wenn wir von der Rettung der heilsgeschichtlichen Sendung des Abendlandes. sprechen, dann wird immer der marianische Charakter dieser Sendung hervorgehoben.

Zweitens ist aus den bisherigen Überlegungen klar hervorgegangen, daß zumal in unserer badischen Schönstattfamilie ein starker Zug zu dieser klar gefaßten und erfaßten Idee der abendländischen Sendung hingeht. – Es sind also zwei Momente, die einigermaßen beachtet und betrachtet werden sollen. Von größerer Bedeutung ist der erste Gedanke.

1. Ich knüpfe an das an, was Karl Barth von seinen neuerlichen Besuchen in Rom erzählt hat. Er war während des Konzils eingeladen, sich dort aufzuhalten und Beobachter zu spielen, wurde aber krank und hat nun seinen Besuch nachgeholt. Ich weiß nicht, ob Sie das schon gelesen haben. Die kleine Broschüre wird Ihnen sicher leicht zugänglich sein. Das Büchlein ist an sich sehr wohlwollend geschrieben.

Barth berichtet also über all das, was er in Rom erlebt, wo er angeklopft, welche Unterredungen er gehabt, welche Fragen er mitgebracht und welche Antworten er erhalten hat. Am Schluß heißt es: Ich bin wieder genauso als Protestant zurückgekommen, wie ich hingegangen bin.

Was mich in unserem Zusammenhang interessiert und Sie wahrscheinlich auch, das ist seine Stellungnahme zum Marianischen. Er hat mit namhaften Dogmatikern darüber gesprochen, hat sich nach allen Richtungen hin erkundigt, hat sich auch entsprechende Vorlesungen von den oder jenen Professor zuschicken lassen und faßt dann letzten Endes sein Urteil sinngemäß so zusammen: Das Marianische in der katholischen Kirche ist nach meiner Überzeugung nach wie vor eine Mißbildung. Wenn diese Mißbildung nicht entfernt wird, wird der Katholizismus immer mit einem Stich ins Krankhafte durch die Jahrhunderte gehen. Barth weiß natürlich nach rechts und nach links einige Zugeständnisse zu machen, das mindert aber nicht die Gesamtüberzeugung und den Gesamteindruck.

Als ich das gelesen habe und mir dann klar geworden bin, woher diese Auffassung konmt, eigentlich die Auffassung des gesamten Protestantismus über das Marianische – unter einem gewissen Gesichtspunkt will hier auch die Stellung des Protestantismus gegenüber dem Papst und dem Papsttum einregistriert werden, denn es bestehen Beziehungen zwischen hüben und drüben -, dann läßt sich wohl feststellen: Hier geht es letzten Endes um Zweitursachen.

Damit berühren wir einen Punkt von elementarster Bedeutung für uns, zumal für uns als Schönstätter, aber auch für die geistige Auseinandersetzung mit dem gesamten Protestantismus schlechthin. Die Dinge sind ja insgesamt durch die ökumenische Bewegung in ein viel helleres Licht gerückt worden, als das vorher der Fall war. Beide Kirchen suchen Annäherung aneinander. Es gibt zwei Berge, über die man nicht hinüberkommt: das Marianische und das Papale.

Bleiben wir beim Marianischen stehen.

Die erste Antwort: Wenigstens wir als Priester wissen, daß der Jesuit Przywara ein ganzes System aufgestellt hat, um den Katholizismus vor den Anfällen des Protestantismus einigermaßen zu retten. Er hat die Theorie von der analogia entis aufgestellt. Was heißt das: analogia entis? Es besteht eine Ähnlichkeit zwischen göttlicher und menschlicher Tätigkeit, eine Ähnlichkeit zwischen menschlichem und göttlichem Sein. Davon sind wir ausgegangen und sind auch weiterhin bereit, davon auszugehen. Wenn wir überlegen, woher heute das Durcheinander in der ganzen Zeit und Welt kommt, zumal im Raum der christlichen Bekenntnisse, entdecken wir, daß die Ursache in der gegensätzlichen Auffassung der Zweitursachen liegt.

Analogia entis! „Lasset uns den Menschen machen nach unserem Bild und Gleichnis“, so lesen wir es auf den ersten Seiten der Heiligen Schrift. Und gleich danach der zweite Satz: „So schuf Gott den Menschen als sein Abbild.“ Und der dritte Satz wiederholt genau dasselbe Wort: „Und er schuf ihn nach seinem Bild und Gleichnis“ (Gen. 1,26-27). Verstehen Sie, was das heißt? Eine Ähnlichkeit in der Struktur des Menschen, in der Handlungsweise des Menschen, weil ja Gott das Urbild und der Mensch das Abbild ist. Eine Ähnlichkeit, wo es sich um das geistige Sein handelt. Eine Ähnlichkeit, wo es sich um das intellektuelle, geistige Handeln dreht. Eine Ähnlichkeit in doppelter, ja dreifacher Weise, insofern der Mensch in die Teilnahme an der göttlichen Natur emporgehoben ist. Selbstverständlich nur eine Ähnlichkeit! Wir wissen, daß Karl Barth auf dem Boden steht, mit dieser analogia entis sei nichts anzufangen. Gott ist auf der ganzen Linie der ganz, ganz andere. Das ist er zweifellos auch. Das ist aber nach Auffassung kein unüberwindliches Hindernis. Wir alle erleben ja praktisch den großen Unterschied. Und wir müssen uns sogar bemühen, tiefer, und tiefer in diese Welt einzudringen, denn wir haben ja in unserem praktischen Leben gemeiniglich so Unerhörtes erlebt, wo es sich um die Fügungen und Führungen Gottes handelt, daß wir halt immer und immer wieder gestehen müssen: Hätten w i r das Zepter der Welt in der Hand, wären so viele unerhörte Grausamkeiten unmenschlicher Art, wie wir sie quittieren müssen, unmöglich, ob es sich um Völker, Nationen oder Individuen handelt. Wahrhaftig, das übersteigt alle unsere Begriffe. Das ist nur einigermaßen verständlich unter dem Gesichtspunkte: Gott, der total andere.

Darf ich hier einen Augenblick stehenbleiben und noch ein Wort sagen über die analogia entis? Ähnlichkeit zwischen Gottes Sein und unserem Sein, Ähnlichkeit zwischen göttlichem und menschlichem Handeln! Auf der hier gezeichneten Basis ruht ja unsere Auffassung von den Vorerlebnissen, die wir auf der natürlichen Ebene haben müssen, damit wir in etwa all das verstehen, was auf der übernatürlichen Ebene und zuteil wird. Ich brauche nur ein paar Ausdrücke aneinanderzureihen, dann verstehen wir einander sofort. Nicht wahr, wie häufig haben wir zeigen, sagen, lehren, behaupten, erklären dürfen und müssen: Weil die meisten Menschen auf der natürlichen Ebene kein Kindes- oder Vatererlebnis hatten, ist es schier unmöglich oder doch sehr schwer möglich, ein solches Erlebnis auf der übernatürlichen Ebene zu haben. Analogia entis! Ich muß auf der natürlichen Ebene vorerleben, was auf der übernatürlichen Ebene Wirklichkeit wird. Ein Gleiches ist dann auch wohl auch zu sagen, wo es sich um das Muttererlebnis dreht. Wenn ich nicht einmal auf der natürlichen Ebene der Mutter gegenüber ein Kindeserlebnis hatte, fällt es später verhältnismäßig schwer, ein derartiges Kindeserlebnis der Gottesmutter gegenüber festzustellen.

Wir wollen also festhalten: Soweit die Verhältnisse das möglich machen, stehen wir auf dem Boden der analogia entis. Alte Philosophen haben das Wort geprägt: Was ich nicht in irgendeiner Weise sinnenhaft wahrgenommen habe, das ist schwer geistig zu vollziehen. Das gilt vor allem, wenn es sich – wie hier – um Vorerlebnisse für Zentralerlebnisse handelt. Wenn wir diese Vorerlebnisse vernachlässigen, wenn wir Gott nur als den total anderen sehen, dann bleiben wir ein verwildertes Menschengeschlecht, dann werden wir für den heutigen Menschen niemals eine klare Antwort finden auf seine Gottesnot. Sie müssen das immer vor Augen haben und halten: Die Gottesnot des heutigen Menschen ist erschreckend groß. Man spricht ja nicht ahne Grund von einer Los-von-Gott-Bewegung, so wie man sonst von einer Los von-Rom-Bewegung gesprochen hat. Und weshalb macht diese Bewegung so er~ schreckend viele und reiche Fortschritte? Eine bedeutsame Antwort besteht darin: Weil der Mensch, wie uns die Psychologen aus schier allen Lagern konstatieren, auf der natürlichen Ebene nicht genügend verwandte Erlebnisse zu buchen hat. Wenn wir uns nicht bemühen, den normalen Weg zu gehen, und nicht zugleich damit rechnen, daß es ungezählt viele Fälle gibt, in denen auch wir den lieben Gott in seiner fügenden und zulassenden Tätigkeit nicht verstehen, daß Gott also anders ist als wir, werden wir das heutige Leben nicht meistern können.

Wenn wir schon einmal einen Augenblick beim Gottesbegriff und Gotteserlebnis des heutigen Menschen stehenbleiben wollen, dann meinen wir sagen zu müssen: Es gibt eine berechtigte Los-von-Gott-Bewegung. Dort nämlich, wo unser Gottesbild ein verfälschtes ist. Wir finden wahrhaftig nicht selten auch in den eigenen Reihen ein verfälschtes Gottesbild, entweder ein verweichlichtes oder diktatorisch verzeichnetes Gottesbild. Ein verweichlichtes Gottesbild? Gott wird dann gesehen mit einer Großvaternatur, als ein Großväterchen, das darauf aus ist, auf alle Wünsche des Enkelkindes einzugehen. Großvaternatur, keine Vaternatur, die auch das Recht hat, die Zügel festzuhalten, die Recht und Pflicht hat, den Menschen zu formen und zu gestalten nach seinem Bilde. Und als Ideal für die Bildung des Menschen steht die Person des Gottmenschen da. Alles, was Gott tut, wo es sich um den Menschen handelt, hat nur das eine große Ziel: Jeder Mensch soll ein alter (anderer) Christus werden. Und so wie der Vater Christus behandelt hat, so behandelt er auch uns. Füglich, Gott ist der ganz, ganz andere.

Wenn Karl Barth, der der Hauptvertreter der Theorie von Gott als dem ganz andern ist, eine analogia entis nicht zugibt, dann ist es klar, daß er jegliche Zweitursache auf dem Weg zur Erstursache ablehnen muß. Deswegen ist jegliche Marienverehrung für ihn ein Greuel. Wir wissen ja, Lehre des gesamten Protestantismus ist die sogenannte Gottunmittelbarkeit. Wenn es sich also darum dreht, Gott unmittelbar in unser Gemüt, in unser Herz hineinzuziehen, sich unmittelbar Gott zu schenken, dem Ewigen, Unendlichen, wenn man also auf dem Boden der Gottunmittelbarkeit steht und darüber hinaus keine analogia entis anerkennt und anerkennen kann, dann muß man sachgerecht, naturgemäß jede Verehrung der Gottesmutter ablehnen. Ähnliches gilt auch von der Stellung zum Papst. Darüber hinaus – so hören wir das ja vielfach in protestantischen Kreisen von den Dächern pfeifen – geht es jetzt in der nachkonziliaren Zeit darum, daß die Religion sich auf Letztes zentriert.

Unter letzter Zentrierung der Religion versteht man die Hingabe an den Dreifaltigen Gott. Liegt nicht auch hier eine überaus große Gefahr? Sie werden verstehen, weshalb ich verhältnismäßig lange hier stehenbleibe. Ich will ein Merkwort formulieren: Religiöse Zentrierung, die gleichzeitig eine Isolierung befürwortet, ist morgen, übermorgen Nihilismus. Was will das besagen? Wenn ich nur Gott als das letzte Zentrum sehe und mich ihm hingeben will, wenn ich also Gott isoliere von der Kreatur, dann ist diese Zentrierung durch Isolierung immer in Gefahr, übermorgen Gottlosigkeit und Nihilismus zu werden. Dasselbe gilt ja nicht nur der Gottesmutter, sondern jeglicher Zweitursache gegenüber. Wo die Zweitursache nicht gesehen wird als Ausdruck der Erstursache, wo sie nicht gesehen wird als Mittel, um zur Erstursache zu kommen, und als Schutz für die Erstursache, müssen wir immer um die Echtheit und Rechtheit unserer Religiosität fürchten.

Ich darf in diesem Zusammenhang ein Wort wiederholen, das uns in etwa geläufig sein mag: Soli Deo! Gott allein! Sie wissen, wie das Wort im Munde des Protestantismus verstanden wird. Soli Deo – nur Gott allein gehört letzten Endes das Herz des religiösen Menschen. Die Gottesmutter, die Heiligen sind nicht Gott, füglich: Weg damit! Weiter: Wenn ich den Gottmenschen sehe, und zwar das menschliche Element im Gottmenschen – soli Deo! Deswegen weg mit der Inkarnation! Soli Deo! Allmählich steht der lebendige Gott isoliert vor mir. Gemessen an den historischen Erfahrungen wissen wir, wie das „soli Deo“ morgen, übermorgen sich wandelt in das Wort ‚Sonnengott“. Dann gibt es keinen übernatürlichen Gott mehr, dann gibt es keine übernatürliche Wirklichkeit mehr. Weil aber der Mensch irgendein letztes Gut erkennen und anerkennen will, bleibt er auf der natürlichen Ebene stehen.

Weshalb ich Ihnen das alles in Erinnerung bringe? Nicht nur, um eine Antwort zu geben auf die Auffassung von Karl Barth, sondern um Ihnen auf diesem Hintergrund klar zu zeigen, von welcher Bedeutung für den Christen, ja für das ganze Christentum, die Auseinandersetzung mit den Zweitursachen ist. Ich meine sogar sagen zu dürfen: Wo das Konzil sich mit dem Verhältnis zwischen Kirche und Welt, allgemeiner ausgedrückt: zwischen Erst- und Zweitursache, auseinandersetzt – in der dreizehnten Konstitution -, da gibt es selbst zu, daß es nur ein erster Versuch ist. Uns geht es darum, klar herauszuheben, wie die Kirche zu der heutigen Welt steht. Der Papst hat an verschiedenen Stellen betont, im letzten Jahrhundert habe die Welt sich so eigenständig entwickelt, die menschliche Kultur habe sich so absolut gelöst von der christlichen Kultur, daß es nun höchste Zeit sei, die Türen und Fenster zu öffnen und die Verbindung mit dieser Kultur wieder zu finden, teils, um sich dieser Kultur anzupassen, teils um Wege zu finden, daß auch diese Kultur vom Göttlichen beeinflußt wird. Was das besagt? Das ist das Drängen, das alte Gesetz auf die heutige Zeit anzuwenden: Gratia non destruit naturam; gratia supponit, elevat et perficit naturam. Fachleute in unserem Kreis heben hervor: Während der Katholizismus im letzten Jahrhundert der Gefahr erlegen ist, zumal unter dem Einfluß hierarchischer Bestrebungen, den D-Zug der modernen Kultur allein durch die Welt rasen zu lassen, ist er neuerdings darauf erpicht, diesem D-Zug nachzujagen und sich hemmungslos allen modernen Bestrebungen auszuliefern.

Ich darf wiederholen: Das Problem, das hier berührt wird, lautet letztlich: Das Grundverhältnis zwischen Erst- und Zweitursache. Ich darf Ihnen gestehen: Viele Wagnisse in der Geschichte unserer Familie, zumal das gefährlichste, das mit dem 31. Mai 1949 zusammenhängt, gehen von folgender Überlegung aus: Nach meiner Oberzeugung hat die Gottesmutter von Schönstatt aus die große Aufgabe und Sendung, das neue Menschenbild für die kommende Zeit zu formen und zu gestalten und sich als die große Erzieherin für die Kirche am neuesten Zeitenufer zu erweisen. Ja, sie hat diese große Sendung. Sie hat ihr Fiat sprechen müssen, wo es sich um den Anfang der Erlösung drehte. Und wenn wir heute eine neue Etappe in der Erlösungsgeschichte erleben, werden sich die alten Gesetzmäßigkeiten wiederholen, dann wird auch die Gottesmutter ihr Fiat wiederholen müssen.. Wenn sie es nicht wiederholt, wird wohl auch das andere Wort nicht mehr Wirklichkeit: Verbum caro factum est! Sie muß also das Fiat sagen. Und wir haben unsere Aufgabe durchweg darin erblickt, den Kriegs-, den Kampfes- und Siegeswagen der Gottesmutter mitten hineinzuziehen in die modernen geistigen Kämpfe, zumal in die Auseinandersetzungen mit dem Kollektivismus oder Bolschewismus.

Sehr bald ist dann die Erkenntnis gewachsen: Es ist unmöglich, die Gottesmutter auf das Schlachtfeld der geistigen Auseinandersetzung zu bringen, weil im germanischen Raum die Gottesmutter nicht genügend anerkannt wird. Die weitere Kalkulation: Wenn nicht alles täuscht, liegt der Grund nicht etwa in dogmatischen Schwierigkeiten, jedenfalls nicht allein und nicht primär, sondern darin, daß germanische Denkweise ausgeprägt mechanistisch eingestellt ist. Das heißt, sie bringt es nicht fertig, in der Erstursache die Zweit- und in der Zweitursache die Erstursache zu erkennen. Sie reißt Erst- und Zweitursache auseinander: mechanistisches Denken in ratio objecti. Mechanistisches Denken in ratio subjecti: es werden auseinandergerissen Kopf, Herz und Wille. Deswegen, wenn Schönstatt seine Sendung erfüllen will, zumal im germanischen Raum, dann müssen wir es wagen, gegen diesen Bazillus anzukämpfen. Dann müssen wir im deutschen Raum das mechanistische Denken, dem die Verbindung zwischen Erst- und Zweitursache unmöglich ist, überwinden. Das war an sich auch der Grund, das gewaltige Wagnis vom 31. Mai 1949 auf uns zu nehmen. Ob wir verstehen, um was es hier ging? Es ging um die Anerkennung der Gottesmutter im deutschen Raum, und zwar aus der Überzeugung, daß sonst das mechanistische Denken nicht überwunden wird. Wenn die organische Verbindung zwischen Erst- und Zweitursache nicht gesehen wird, ist es unmöglich, daß die Gottesmutter im germanischen Raum erkannt und anerkannt wird. Das Ganze war also Ausdruck einer außerordentlich starken marianischen Sendung. Aus Liebe zur Gottesmutter, um ihre Stellung zu sichern und zu retten und ihre Sendung auch für den deutschen Raum anzuerkennen, deswegen diese gewaltige Auseinandersetzung!

Ob Sie verstehen, weshalb ich das alles vorausschicke? Es geht ja darum festzuhalten, daß die Gottesmutter auch bei der Rettung des Abendlandes eine Rolle spielt. Welche Rolle ist das? Es ist die Rolle einer einzigartigen Zweitursache. Was von Zweitursachen schlechthin gilt, das gilt per eminentiam von der Gottesmutter. Welchen Einfluß hat sie auf die Erstursache? Sie hat – wie wir gerne sagen – Sitz und Stimme im Rat des Dreifaltigen Gottes. Der Gottesmutter das Herz hingeben heißt nicht, das Herz dem Heiland oder dem Dreifaltigen Gott entziehen. Nein, nein! Das ist ja immer die ausgeprägte Lehre, die wir festgehalten, die wir auch in Zukunft immer vor Augen haben müssen: Wenn ich mich Zweitursachen in organischer Weise ausliefere, dann ist das Ausdruck der Hingabe an die Erstursache, dann ist das ein Mittel, ein vorzügliches Mittel, zur Erstursache zu gelangen, und eine ständige Sicherung für die Hingabe an die Erstursache.

Damit haben wir unter besagtem Gesichtspunkt einen Abriß der modernen Theologie in Anwendung auf all die großen Fragen, die heute Kirche und Welt erschüttern. Und daran müssen wir festhalten. Wir müssen uns allerdings bewußt werden, daß wir damit in Gegensatz geraten zu ungezählt vielen Strömungen protestantischer Art, aber auch zu Strömungen im Raum der Kirche selber.

Verstehen Sie nun, was das heißt, wenn wir sagen: Rettung der heilsgeschichtlichen Sendung des Abendlandes? Sie will zum großen Teil auf das Konto der lieben Gottesmutter zurückgeführt werden. Diejenigen, die gestern und heute morgen hier waren, haben ja noch im Gedächtnis, wie immer wieder diese Tätigkeit der Gottesmutter hervorgehoben worden ist, schon im Zusammenhang mit der historischen Entwicklung. Wir haben uns das ja heute morgen noch einmal zeigen lassen, als wir die drei Daten hörten: 1683 wurde die Mariensäule in Konstanz errichtet. Im Hintergrund stand die Türkengefahr. Die Gottesmutter sollte das Abendland retten vor der Türkengefahr. Wenn wir weiter überlegen: 1914 – der Weltkrieg beginnt. Die Gottesmutter zeigt sich erneut wirksam von unserem Heiligtume aus. 1917 – beginnende Auseinandersetzung mit dem Bolschewismus. Was will die Gottesmutter also? Sie will den bolschewistischen Menschen überwinden. Wodurch? In der Hauptsache dadurch, daß wir uns ihr hingeben und uns von ihr erziehen lassen zu einem neuen Menschen. Sie will die Kirche in das neue und neueste Zeitalter hineinführen. Dann hörten wir das Jahr 1961. Als in Berlin die Mauer errichtet wurde, entstand hier im Badener Land der Plan, ein Heiligtum zu errichten, und zwar im Sinne der Mariensäule von Konstanz. Wir sehen also immer wieder einen Zusammenhang zwischen Schönstatt und der heilsgeschichtlichen Sendung der Gottesmutter für die Rettung des Abendlandes. – Erster Gedanke. Mich dünkt, wenn wir diese Zusammenhänge einigermaßen klar haben, verstehen wir nachher besser, wie die Gottesmutter diese Aufgabe zu lösen hat. -(S.45-59)

vervielfältigt/Offset 131 Seiten A5, als: Victoria Patris II, S.45-59 **

 

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