Geistliche Begleitung

Geistliche Begleitung

Peter Locher

Der Vorgang der Geistlichen Begleitung
Die Bedeutung der Geistlichen Begleitung
1. Geistliche Begleitung heute
2. Anforderungen an den Geistlichen Begleiter

Lesen Sie ergänzend zu diesem Artikel die preisgekrönte Diplomarbeit von Frank Riedel: Als ganzer Mensch wachsen

Geistliche Begleitung meint das freie Angebot, den persönlichen seelisch-geistlichen Weg eines anderen mitzugehen, um ihm zu helfen, das Leben selbständig aus dem Glauben zu deuten und darin seine menschlich-religiöse Identität und Sendung zu finden. Pater Kentenich nimmt den bis in die 70er Jahre üblichen Begriff „Seelenführung“ auf und füllt ihn mit dem, was heute unter Geistlicher Begleitung verstanden wird. Um dem Anliegen der Geistlichen Begleitung in der Schönstatt-Bewegung und der Seelsorge in zeitgemäßer Form zu dienen, hielt er in den 20er Jahren „Seelenführerkurse“. Elemente der Geistlichen Begleitung sind auch gegeben durch regelmäßige Beichte oder durch die Mitgliedschaft in einer religiösen Gemeinschaft.

Der Vorgang der Geistlichen Begleitung ist abhängig von dem spirituellen Lebensaustausch zwischen Begleiter und Begleitetem. Die Wahl des geistlichen Begleiters und die Dauer der Geistlichen Begleitung beruht auf freier Vereinbarung hinsichtlich der Formen und Inhalte. Notwendig erscheint Pater Kentenich die Einzelbegleitung an lebensgeschichtlichen Wendpunkten und in besonderen psychischen und spirituellen Entwicklungssituationen (>>Mystik).

Die Bedeutung der Geistlichen Begleitung liegt darin, die Wahrheiten und Anforderungen der Offenbarung mit der konkreten Lebenssituation adäquat zu verbinden und persönliche Erlebnisse und Erfahrungen im Lichte der Offenbarung und des Wirkens der Gnade (Unterscheidung der Geister) zu deuten. Für diesen Prozess der Geistlichen Begleitung ist es Pater Kentenich wichtig, im >>Heiligen Geist den eigentlichen „Seelenführer“ zu sehen (>>Zweitursachen).

1. Geistliche Begleitung heute

Der Weg der Geistlichen Begleitung, aus dem Glauben eine menschlich-religiöse Identität und Sendung zu finden, hat im Laufe dieses Jahrhunderts aufgrund der Veränderungen in Kultur und Gesellschaft (>>pluralistische Gesellschaft; weltanschaulich unterschiedliche Lebensstile; säkularisierte öffentliche Atmosphäre) und der damit gegebenen verschiedenen Ausgangslage des Menschen starke Akzentverschiebungen erfahren. Während die Geistliche Begleitung sich in früheren Jahrhunderten überwiegend auf besondere aszetische Formen und Anstrengungen beschränken konnte, um die Natur für die Gnade zu disponieren, muss sie heute vor allem zwei Dinge beachten:

1.1. Dem Menschen muss ausdrücklicher und sorgfältiger zu Selbstfindung und Selbstwerdung geholfen werden. Auf dem Hintergrund vielfältiger Ichschwäche und immer bewussterer Ichsuche (>>Freiheit) setzt jedes seelische und religiöse Wachstum entsprechende Ichstärkung voraus. Dabei wird jede Selbstwerdung immer abhängig sein von einem gesunden Beziehungsnetz (>>Bindungsorganismus).

1.2. Der Prozess der Selbstwerdung wird heute zunehmend behindert durch seelische Konflikte und Störungen. Geistliche Begleitung muss viel sorgfältiger darauf achten und viel längere Zeit darauf verwenden, Hindernisse für gesundes seelisches Wachstum und für das Wirken der Gnade zu beseitigen. Diese Tatsache macht die Unterscheidung zwischen Geistlicher Begleitung und Therapie in der Praxis immer schwieriger. Zwar weist Geistliche Begleitung deutlich über jede therapeutische Hilfe hinaus, indem sie Lebensdeutung aus dem Glauben vermittelt und auch dann Antwort und Hilfe anbietet, wenn die Natur nicht gesund ist und eventuell auch nicht gesund werden kann. Dennoch wird heute kompetente Geistliche Begleitung um der Hilfesuchenden willen zunehmend durch therapeutische Prozesse ergänzt werden müssen. Diese Tatsache fordert den geistlichen Begleiter zur selbstkritischen Beobachtung und zur Erarbeitung von Kriterien heraus, wann und bei welchem Grad seelischer Erkrankung die Hilfe eines Therapeuten in die Geistliche Begleitung miteinbezogen wird.

1.3. Besondere Aktualität innerhalb der Geistlichen Begleitung kommt dem Bemühen zu, bei Berücksichtigung von individueller Seelenstärke, persönlicher Biographie, origineller Eigenart und Begabung Zugänge zu einem persönlichen Gottesbild, zu einem originellen Ethos (>>Persönliches Ideal) und zu einem schöpferischen Verständnis der eigenen Rolle im Heilsplan Gottes (>>Vorsehungsglaube) zu verhelfen.

2. Anforderungen an den Geistlichen Begleiter

Entsprechend groß sind Erwartungen und Anforderung an einen geistlichen Begleiter; sei es einer, der einen entsprechenden Auftrag hat, ein „Spiritual“, oder einer, der durch persönliche Lebensführung und außergewöhnlich weise Hilfestellung sich einen entsprechenden Ruf erworben hat, ein „Guru“, „Starze“, mancher Heiliger. In jedem Fall handelt es sich um Männer und Frauen, die im geistlichen Leben erfahren sind, die tiefe Einsicht in die menschliche Natur besitzen, die, weil vom Heiligen Geist geleitet, mit Ehrfurcht und Klugheit (Teresa von Avila: Lieber ein kluger als ein heiliger Seelenführer) „selbstlos fremdem Leben dienen“ (J. Kentenich).


Literatur:

  • Seelenführerkurse 1924 1929.
  • K. H. Mengedodt (Hrsg.), Wegbegleitung, Vallendar-Schönstatt 1987
  • B. Albrecht, Geistliche Führung und Vaterschaft, Regnum 22 (1988) 156-168
  • P. Locher, Grundkurs „Geistliche Begleitung“, Regnum 24 (1990) 136-140.

Schönstatt-Lexikon:

Herausgeber: Internationales Josef-Kentenich-Institut für Forschung und Lehre e.V. (IKF)

Verlag: Patris-Verlag, Vallendar-Schönstatt – All rights by Patris-Verlag – www.patris-verlag.de

Online-Präsentation: Josef-Kentenich-Institut e.V. (JKI) – www.j-k-i.de

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