Gnade

Gnade

Otto Amberger

In seinem Gnadenverständnis will Pater Kentenich die ganze in der Heiligen Schrift, der Tradition und der kirchlichen Lehrverkündigung dargelegte Auffassung von der Gnade lebendig werden lassen. In der theologischen Darstellung des Gnadenverständnisses ist er deutlich von Scheeben inspiriert mit dessen ganzheitlicher Sicht der „Mysterien des Christentums“. Die Gnade ist eine heilende und helfende Kraft. Darüber hinaus und ihrem eigentlichen Wesen nach ist sie Öffnung des inneren Bereichs Gottes für den Menschen und Einwohnen des dreifaltigen Gottes im Menschen und Abbildung der drei göttlichen Personen in ihm. Diese Abbildung ist Folge der Einwohnung wie gleichzeitig ihre Ermöglichung und Grundlegung. Gnade ist Teilnahme des Menschen am innertrinitarischen Leben Gottes, ein Teilhaftigwerden an der göttlichen Natur, wie es der Zweite Petrusbrief (2 Petr 1,4) bezeichnet.

Zum einen ist dadurch der Aspekt der Selbsterschließung Gottes und der personale Aspekt der Gnade sehr hervorgehoben, zum anderen der Aspekt der Neuschöpfung, der „Seinserhöhung“ des Menschen durch die „heilig machende Gnade“, wie es der von Pater Kentenich zitierte römische Katechismus sagt: „Die Gnade ist… nicht bloß Vergebung der Sünden, nicht bloß eine äußerliche Gunst Gottes gegen uns, sondern eine göttliche, der Seele anhaftende Beschaffenheit und wie ein Glanz und ein Licht, das alle Makel unserer Seele vertilgt und die Seelen selber schöner und glänzender macht.“ (zit. in: MME 1954, 360).

Der eigentliche Ansatz für jede Gnadenlehre ist nach Pater Kentenich in den Themen >>Christusgliedschaft, >>Gotteskindschaft, Einwohnung des >>Heiligen Geistes und Gottesbund (>>Liebesbündnis) zu sehen. Im Gegensatz zu der zu seiner Zeit geläufigen Schultheologie lehnt Pater Kentenich ein Verständnis ab, wonach die Ungeschuldetheit der Gnade so stark betont wird, dass die Gnade den Bedürfnissen der menschlichen Natur letztlich völlig äußerlich bleibt (Extrinsezismus). Doch gleichzeitig ist es ihm ein großes Anliegen, hervorzuheben, dass der Mensch aus sich niemals die Gnade erstreben kann. Gott gibt diese so, dass der Mensch sie als ihm zugehörig erfahren darf. In der besten Tradition der Gnadenlehre ist der Ort, wo die heute weit verbreitete Suche nach mystischer Erfahrung eine genuin christliche Antwort finden kann. >>Gnadenkapital >>Natur und Gnade.


Literatur:

  • J. Kentenich, Maria – Mutter und Erzieherin. Eine angewandte Mariologie (Fastenpredigten 1954), Vallendar-Schönstatt 1973, 456 S., 338 395. 419 437

Schönstatt-Lexikon:

Herausgeber: Internationales Josef-Kentenich-Institut für Forschung und Lehre e.V. (IKF)

Verlag: Patris-Verlag, Vallendar-Schönstatt – All rights by Patris-Verlag – www.patris-verlag.de

Online-Präsentation: Josef-Kentenich-Institut e.V. (JKI) – www.j-k-i.de

Back