Gründungsurkunden

Gründungsurkunden

Joachim Schmiedl

In der Schönstatt-Bewegung verwendeter Ausdruck für Dokumente, die markante Punkte in der geschichtlichen Entfaltung der Gründung P. Kentenichs bezeichnen (>>Meilensteine).

1. Die Vorgründungsurkunde vom 27. Oktober 1912 war die Antrittsansprache Kentenichs als Spiritual des Studienheims Schönstatt. Darin breitete er vor den Schülern sein pädagogisches Programm aus und ermunterte sie zur Persönlichkeitsbildung „unter dem Schutze Mariens“.

2. Die erste Gründungsurkunde vom 18. Oktober 1914 war die Einleitung zum ersten Vortrag des Spirituals J. Kentenich nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs für die Marianische Kongregation des Studienheims Schönstatts. Sie wurde in der alten Friedhofskapelle gehalten, die den Studenten kurz vorher als Versammlungsort überlassen worden war. Darauf Bezug nehmend, ermunterte Kentenich die Studenten zu einem intensiven Leben aus dem Glauben bis zur Heiligkeit. Dann könne das Heiligtum zu einem Wallfahrts- und Gnadenort werden. Diese „apostolische Tat“ sah P. Kentenich als Voraussetzung für eine seiner Ansicht nach im göttlichen Plan stehende gegenseitige Bündnisbeziehung zu Maria an (>>Liebesbündnis).

3. 25 Jahre danach entstand die zweite Gründungsurkunde, ein Brief P. Kentenichs aus der Schweiz zum 18. Oktober 1939. Nach einem dankbaren Rückblick auf die Geschichte der Bewegung, bei dem auch die innerkirchlichen Anfragen erwähnt werden, regt er die Vertiefung des Liebesbündnisses in der Form der >>Blankovollmacht an. Für die Zukunft fordert er, das Sendungs- und Werkzeugsbewusstsein (>>Apostolat, >>Werkzeugsfrömmigkeit) zu pflegen, am ausgeprägt marianischen Charakter festzuhalten und die „Beiträge zum >>Gnadenkapital“ stärker zu betonen.

4. Die dritte Gründungsurkunde besteht aus drei Vorträgen, die im KZ Dachau gehalten wurden. Am 24. September 1944 sprach P. Kentenich zur Marienweihe einer internationalen Priestergruppe über die Haltungen Gemeinschaftsgeist, Gründergeist, Führergeist und Werkzeugsgeist. Dieser Vortrag gilt als Gründung der Schönstatt->>Internationale. Am 18. Oktober 1944 ging Kentenich auf die Verbindungen zwischen Schönstatt und den Pallottinern ein. Der Vortrag vom 8. Dezember 1944 deutete in Anlehnung an Vinzenz >>Pallotti die Sendung der Bewegung als universell und ganzheitlich und ermunterte zu einer neuen Vertiefung des Liebesbündnisses im Sinne der >>Inscriptio.


Literatur:

  • J. Kentenich, Vorgründungsurkunde vom 27.10.1912, in: Schönstatt Die Gründungsurkunden, Vallendar-Schönstatt 1967, 9-20
  • J. Kentenich, Erste Gründungsurkunde vom 18.10.1914, in: Schönstatt Die Gründungsurkunden, Vallendar-Schönstatt 1967, 21-27
  • J. Kentenich, Worte zur Stunde. Zweite Gründungsurkunde (geschrieben zum 18. Oktober 1939), in: Schönstatt Die Gründungsurkunden, Vallendar-Schönstatt 1967, 29-63
  • J. Kentenich, Dritte Gründungsurkunde, gehalten am 24.9., 18.10. und 8.12. 1944 in Dachau, in: Schönstatt Die Gründungsurkunden, Vallendar-Schönstatt 1967, 65-87
  • „Der Schatz in Schönstatts Friedensau“. Quellen und Quellgrund des Gründungsaktes vom 18.10.1914, Regnum 19 (1984) 172-178.
  • C. Fröhlich, Auf einer Totenstadt eine Stadt des Lebens, Regnum 3 (1968) 133-138
  • E. Monnerjahn, Ein Leben für die Kirche, Vallendar 1975, 61 76. 183 187. 221 ff.
  • ders., Häftling Nr. 29392, Vallendar 1972, 295 305.

 


Schönstatt-Lexikon:

Herausgeber: Internationales Josef-Kentenich-Institut für Forschung und Lehre e.V. (IKF)

Verlag: Patris-Verlag, Vallendar-Schönstatt – All rights by Patris-Verlag – www.patris-verlag.de

Online-Präsentation: Josef-Kentenich-Institut e.V. (JKI) – www.j-k-i.de

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