Gruppe

Gruppe

Inge Birk

1. Verständnis von Gruppe
2. Gruppe in der Schönstatt-Bewegung

1. Verständnis von Gruppe

P.R. Hofstätter bezeichnet die Gruppe als „die große Kulturerfindung der Menschheit“ (Hofstätter, 20). Diese grundlegende Form menschlichen Zusammenlebens rückte Ende des 19. Jahrhunderts durch den Wandel von traditionsgeleiteten, geschlossenen Gesellschaften zur offenen, pluralistischen Industriegesellschaft in den Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses (Soziologie, Psychologie). Generell versteht man heute unter Gruppe (= Kleingruppe) eine überschaubare Anzahl von Personen, die bereit sind, miteinander zu kommunizieren, die ein ausgeprägtes Wir-Gefühl besitzen, gemeinsame Ziele und Interessen verfolgen und dazu entsprechende Norm- und Wertvorstellungen entwickeln. Grundlegend für das Gruppenleben ist eine warme, persönliche Atmosphäre, getragen von gegenseitiger Wertschätzung, von der Fähigkeit, sich in den Anderen einzufühlen (Empathie) und die Bereitschaft, Mitverantwortung zu übernehmen. Das Gruppenleben hängt we-sentlich von der Einhaltung der Gruppennormen, der Akzeptanz des Führungsstils, d.h. von der Integration des einzelnen Mitglieds ab. Die moderne Gruppenforschung hebt hervor, dass eine Gruppe immer mehr ist als die Summe ihrer Mitglieder, d.h. jede Gruppe entwickelt ein gewisses Maß an Eigendynamik, die allen ihren Aktivitäten innewohnt und vom Gruppenmit-glied Offenheit und Mitverantwortung fordert.

2. Gruppe in der Schönstatt-Bewegung

Vom Anfang der Schönstatt-Bewegung an gibt es Gruppenarbeit. Für P. Kentenich stellt die Gruppe ein wichtiges Struktur- und Organisations-prinzip innerhalb des Schönstattwerkes und seiner Gliederungen dar. Dabei gelten für den Aufbau, die Organisation und die Arbeitsweise von Schönstatt-Gruppen ähnliche Bedingungen und Regeln wie sie die Gruppenforschung vorgelegt hat. Vom Anfang seiner Gründung an hat P. Kentenich sich mit den Bedingungen und lebensmäßigen Ausprägungen der Grup-pe beschäftigt und die verschiedenen Ansätze der Gruppenarbeit konstruktiv begleitet (vgl. JPT 1931, PT 1950). Terminologisch lassen sich in seinem Werk die Begriffe Gruppe und Gemeinschaft nicht eindeutig voneinander abgrenzen. Für ihn ist die Gruppe in der Regel die kleinere, überschaubare Einheit und eine wichtige Zelle der Persönlichkeits- und Gemeinschaftsbildung. In ihr entfaltet und konkretisiert sich das Gemeinschaftsleben der einzelnen Gliederungen. Sie fördert das Hineinwachsen ihrer Mitglieder in die Geisteswelt Schönstatts, gibt ihnen Hilfestellung bei Entwicklung ihrer individuellen Fähigkeiten und Möglichkeiten, versucht im gemeinsamen Gespräch persönliche und gemeinsame Probleme und Schwierigkeiten zu lösen und befähigt sie, Mitverantwortung für die Ziele und Aufgaben der Gruppe zu übernehmen. P. Kentenich spricht deshalb vom In-, Mit- und Füreinander als charakteristisch für die schönstättischen Gruppen. Zugleich sieht er in der Gruppe einen konkreten Ort der Einübung und Erfahrung, wo der Einzelne im Wechselspiel von ideellen und personellen Be-ziehungen Selbst- und Mitverantwortung lernen soll.

Im Schönstattwerk finden sich eine Reihe verschiedener Gruppentypen und -formen (pflichtmäßige und lebensmäßig gewachsene Gruppe; >>Freie Gemeinschaft). Charakteristisch für alle ist die Gestaltung ihres Gruppenlebens aus dem Spannungsprinzip, dem Solidaritätsprinzip und dem Prinzip der Ganzheitlichkeit. Grundsätzlich besteht ihre Aufgabe in der Ausfal-tung personeller, ideeller und lokaler Bindungen und in der Befähigung ihrer Mitglieder, den apostolischen Auftrag Schönstatts zu erfüllen. Dies geschieht aus der Gebundenheit an die schönstättische Geisteswelt, im gemeinsamen Streben nach einer religiös fundierten Lebens-gestaltung und in einer lebensmäßigen Ausrichtung des Gruppenlebens und der Gruppenarbeit. Diese Einbettung der Gruppe in ein natürlich-übernatürliches Bezugs- und Beziehungssystem nennt P. Kentenich auch >>Bindungsorganismus. Insgesamt dient jede Gruppe mit ihrem originell geprägten Gruppenleben der Verwirklichung des Ideals vom „neuen Menschen in der neuen Gemeinschaft“.


Literatur:

  • J. Kentenich, Ethos und Ideal in der Erziehung. Vorträge der Jugendpädagogischen Tagung (28.-31. Mai 1931), Vallendar 1972, 379 S.
  • J. Kentenich, Grundriß einer neuzeitlichen Pädagogik für den katholischen Erzieher. Vorträge der Pä-dagogischen Tagung 1950, Vallendar-Schönstatt 1971, LS I 1952
  • J. Kentenich, What is my philosophy of education?, in: Philosophie der Erziehung. Prinzipien zur For-mung eines neuen Menschen und Gemeinschaftstyps. Bearbeitet von Herta Schlosser, Vallendar 1991, 39-89.
  • H. Brantzen, Gruppen und Zellen – die christliche Gesellschaft wächst von unten, OW 1990, 141-158
  • M. Gerwing / H. King, Gruppe und Gemeinschaft. Prozess und Gestalt, Vallendar-Schönstatt 1991, darin u. a.: I. Birk, Theorien und Modelle der sozialen Gruppe. Forschungsbeiträge aus Soziologie und Pädagogik, 12-26.
  • P.R. Hofstätter, Gruppendynamik. Die Kritik der Massenpsychologie, Starnberg 1977
  • G.C. Nomans, Theorie der sozialen Gruppe, Köln Opladen 41969
  • Th.M. Mills, Soziologie der Gruppe, München 1969.

Schönstatt-Lexikon:

Herausgeber: Internationales Josef-Kentenich-Institut für Forschung und Lehre e.V. (IKF)

Verlag: Patris-Verlag, Vallendar-Schönstatt – All rights by Patris-Verlag – www.patris-verlag.de

Online-Präsentation: Josef-Kentenich-Institut e.V. (JKI) – www.j-k-i.de

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