Heiligkeit

Heiligkeit

Herbert King

Von Anfang an spielt das Heiligkeitsideal in Schönstatt eine zentrale Rolle. Die Erste Gründungsurkunde ist programmatisch mit diesem Ideal überschrieben. Die kleine Friedhofskapelle in Schönstatt soll zur „Wiege der Heiligkeit“ werden. Seitdem ist die Geschichte der Schönstattfamilie zu einer „Geschichte des Heiligkeitslebens und -strebens“ geworden (Vortr 16.11.1966). Und „jeder Christ ist berufen zu wahrer, zu wirklicher Heiligkeit“ (Vortr 16.11.1966, 11). Eine solche schließt zwar „kanonisierbare Heiligkeit“ nicht aus, meint diese aber nicht in erster Linie. Das Zweite Vatikanische Konzil hat ähnliche Akzente gesetzt (LG, Kap. 5). Sie wurden durchaus als neuartig empfunden. Damit ist die Aufforderung Jesu neu ins Zentrum des kirchlichen Denkens gekommen, vollkommen zu sein wie der Vater im Himmel vollkommen ist.

Von Anfang an ist Pater Kentenich aber auch bemüht, das Heiligenbild zu klären, ein altes und vielfach missverständliches Wort neu zu füllen. „Der neue Mensch (…) ist schlechthin der originelle Heilige der heutigen Zeit“ (Vortr 22.1.1967, 65). Das Leitbild des neuen Menschen prägt seine dreidimensionale Spiritualität: „Werktagsheiligkeit, Werkzeugsheiligkeit, Bündnisheiligkeit“ (vgl. Anspr 3.9.1967, 11).

Der Begriff Heiligkeit gehört grundsätzlich zu allen Gebieten der schönstättischen Spiritualität. Er meint einfach die Höchstform ihrer Verwirklichung. Dennoch seien einige Akzente noch eigens herausgestellt. Es sind vor allem solche, die wichtig sind für die Korrektur bzw. Ergänzung der überkommenen Vorstellungen von Heiligkeit.

Heiligkeit soll sich im Alltag, in der Alltäglichkeit abspielen. Die Würde des gewöhnlichen Lebens ist der Ort der Heiligkeit. Dies steht an erster Stelle. Deshalb kommt in der Schönstattspiritualität das Wort Heiligkeit vor allem in der Wortverbindung >>Werktagsheiligkeit vor. Nicht das Außergewöhnliche steht im Vordergrund. Es ist eine welthafte (säkulare) Heiligkeit. Damit ist ein deutlicher ergänzender Akzent gesetzt gegenüber der in der Tradition vorherrschenden Ordensspiritualität. Es handelt sich um eine Heiligkeit, die Gott im Zeitgeschehen und in den Zeitenströmungen begegnet.

Typisch für das kentenichsche Heiligenideal ist ferner die biblisch-paulinische Auffassung der „neuen Schöpfung in Christus“, des Menschen, der durch seine Zugehörigkeit zu Christus „heilig“ ist, weswegen sich die ersten Christen „die Heiligen“ nennen. Alles ethisch-aszetische Bemühen ist Ausfaltung dieser „ontischen“ Heiligkeit.

Betont ist ferner die Entfaltung ganzheitlichen Menschseins und Mitmenschseins (christlicher Humanismus). Es soll keine blutleere Heiligkeit sein, sondern eine solche, die gerade auch die Vitalität des Menschen bewertet und entfaltet. Es ist ein erzieherisch wirksames Heiligenideal. Das ganze Leben wird als Erziehungsschule aufgefasst.

Zum Menschsein und damit zur Heiligkeit gehören auch die Schwächen. „Wir alle sind begrenzte Menschen. Und ich meine, das wäre überhaupt viel schöner, wenn wir auch in solchen Situationen die Schwächen sehen. Dann glauben wir an das Licht auch. Sonst glauben wir auf die Dauer gar nicht. Es ist ja die alte Art, wie man Heiligenleben geschrieben hat. Es schien, als wenn die von Kindheit an bloß mit Wundern das Leben gemeistert hätte. Und seit langem, macht man solche Beschreibungen nicht mehr. Menschsein heißt halt immer schwach sein.“ (DD 1963 II, 226). Heiligkeit bedeutet auf dem Weg sein.

Gegenüber der Tradition hebt Pater Kentenich besonders den ehelichen Weg der Heiligkeit hervor. „Die Heiligkeit der Eheleute ist im wesentlichen gleich geartet und gleichgeschaltet der Heiligkeit des jungfräulichen Menschen, ist im wesentlichen dasselbe. Deswegen eine ganz starke Umorientierung des Heiligkeitsbegriffs im Zusammenhange mit dem Geschlechtlichen“ (StudEx 1967, 195. 206).

Es handelt sich ferner um eine Sendungsheiligkeit. Wichtig für die Heiligkeit ist nicht nur, wie jemand die christlichen Tugenden gelebt hat, sondern, wie er seiner Sendung und Aufgabe gerecht wird.

Es ist eine Heiligkeit, die im >>Leid Gott finden kann und fähig ist, dieses als seine Liebe zu erfahren.

Heiligkeit ist letztlich einfach „Gleichförmigkeit mit dem göttlichen Willen“ (Vortr 1.6.1966, 47). Sie ist Wachstum auf den verschiedenen Stufen des Liebesbündnisses.

Für den Heiligen, wie Pater Kentenich ihn sieht, verweist alles auf Gott und spiegelt ihn wider. An erster Stelle tut dies der Heilige selbst. Der Heilige ist ein Mensch, „von dem eine göttliche Atmosphäre ausgeht (…), ein göttliches Aroma, eine übernatürliche Atmosphäre (…), eine Inkarnation des Göttlichen und des Übernatürlichen“ (Vortr 2.7.1966, 165 f.).

>>Werktagsheiligkeit.


Schönstatt-Lexikon:

Herausgeber: Internationales Josef-Kentenich-Institut für Forschung und Lehre e.V. (IKF)

Verlag: Patris-Verlag, Vallendar-Schönstatt – All rights by Patris-Verlag – www.patris-verlag.de

Online-Präsentation: Josef-Kentenich-Institut e.V. (JKI) – www.j-k-i.de

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