Internationale

Internationale

Wolfgang Müller

Die Kirche ist international, weltweit. Sie ist die ecclesia catholica. Der auferstandene Herr sendet die Seinen „zu allen Völkern“ (Mt 28,19). Sie werden „seine Zeugen sein … bis an die Grenzen der Erde“ (Apg 1,8). „Aus allen Stämmen und Sprachen, aus allen Nationen und Völkern“ hat Jesus mit seinem „Blut Menschen für Gott erworben“ (Offb 5,9). Schon in den ersten Jahrzehnten hat die Kirche die nationalen und ethnischen Grenzen Israels durchbrochen und sich, vor allem im 20. Jahrhundert, zur Welt-Kirche entwickelt.

Die Welt und die Kirche des 20. Jahrhunderts zeigen mehr als frühere Jahrhunderte die Sehnsucht nach Einheit. Erdteile und Völker verschiedenster Kulturen wachsen aufeinander zu, die Weltreligionen begegnen sich (vgl. 27. Oktober 1986 in Assisi) und suchen das gemeinsame Gespräch. Die christlichen Konfessionen sehnen sich weltweit nach der Einheit in der „versöhnten Verschiedenheit“ oder nach der – katholischen – „Einheit in der Vielfalt“. Die römische Kirche wird immer mehr enteuropäisiert. Die stark juristisch geformte Kirche wird sich ihres Communio-Charakters bewusst im Geheimnis des Corpus Christi mysticum und der Pilgergemeinschaft.

So ist Schönstatt als Glied dieser Kirche von seiner Gründungsstunde an (>>Gründungsurkunde vom 18.10.1914: „vielleicht noch darüber hinaus“) wesentlich auf Weltweite angelegt. In der intensiven Beschäftigung mit Vinzenz Pallotti tritt seit 1916 der >>Weltapostolatsverband in den Blick und wird als wichtige Zielsetzung für die Bewegung übernommen. Der Begriff der religiös-sittlichen Welterneuerung wird bereits 1917 geprägt.

1933 werden die ersten Marienschwestern nach Afrika ausgesandt, 1935 nach Lateinamerika. Die Begegnung P. Kentenichs in Dachau mit Gefangenen aus verschiedenen Völkern führte zur Bildung von zwei Priesterkreisen („Herzkreis“ und „Handkreis“) und schließlich am 18. Oktober 1914 (Dritte Gründungsurkunde) zur formellen Gründung der „Schönstätter Internationalen“ (vgl. auch das Gebet des internationalen Kreises, HW 1945, 142 f., und den von Pallotti übernommenen Begriff des vierfachen Infinitismus).

Der Begriff der Internationale ist bei P. Kentenich für seine Bewegung entwickelt worden durch die Auseinandersetzung mit der sozialistischen Internationale (London 1864) und der kommunistischen Internationale (Moskau 1919) und im Gegensatz dazu der christlichen Gewerkschaftsinternationale (Utrecht 1920). Die marxistische Sendungsergriffenheit sollte von der schönstättischen überwunden werden.

Nach 1945 wird immer deutlicher: Das >>Liebesbündnis soll von verschiedenen Nationen und Kulturen auf originelle Weise gelebt werden (Inkulturation) und bindet so die Nationen und Kulturen zur Einheit. „Ausdruck, Mittel und Schutz“ dieser Schönstätter Internationale sind die Filialheiligtümer in aller Welt, die je auf eigene Weise dem ganzen Werk Fruchtbarkeit schenken: In der ganzen Welt wirkt die Gottesmutter von den Schönstattheiligtümern aus, den neuen „Hauptstädten“ der Länder, als „Erzieherin der Völker“ (P. Kentenich). Dabei „soll der Klang (P. Kentenich gebraucht hier das Bild einer Glocke) rein werden, muss jede beigemischte Substanz arttreu sein, sorgfältig gepflegt werden und sich mit den wertvollen Eigenschaften der anderen … verbinden“ (AmBer 1948, 117). Gleichzeitig soll jede Nation und jeder Kulturraum einen unverzichtbaren Beitrag für das Ganze der internationalen Schönstattbewegung leisten. Darin sieht P. Kentenich ein Paradigma für die enteuropäisierte Kirche der Zukunft.

In der Antwort auf den Visitationsbericht vom 31. Mai 1949 formuliert P. Kentenich: „Beim neuen Weltbild handelt es sich auf weiteste Strecken um ein neues Geschlecht, das quer durch alle Völker und Nationen sich hindurch zieht, um eine Internationale. Es handelt sich vorläufig vornehmlich um seine seelische Umformung und um seine tiefe innerseelische Verbundenheit miteinander.“ (St 1949, 337). Und an anderer Stelle: „Unser Herz gehört allen Menschen, allen Nationen, wie sie auch immer heißen und welche Geschichte sie auch immer haben mögen. Mehr noch: Die ganze Welt muss der Herrschaft des Dreifaltigen Gottes unterworfen werden. Alles umfassen wir in gleicher Weise, das Große und das Kleine, und wir haben keine Ruhe, bis die ganze Welt in Christus dem Vater zu Füßen gelegt … ist“ (3GU 1944, 80). Das Sendungswort des Ignatius von Loyola „Ite, incendite mundum“ ist ein von P. Kentenich oft gebrauchtes Wort.

Die Verbände und Bünde sind seit ihrer Entfaltung international ausgerichtet. Die Schönstatt Bewegung ist mittlerweile in allen fünf Kontinenten vertreten. In Europa in: Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Österreich, Polen, Portugal, Russland, Schweden, Schweiz, Spanien, Slowakei, Tschechien, Ungarn, Weißrussland. In Lateinamerika in: Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Dominikanische Republik, Ecuador, Mexiko, Paraguay, Peru, Puerto Rico und Uruguay. In den USA in den Staaten Indiana, Massachusetts, Minnesota, New York, Texas und Wisconsin. In Afrika in: Burundi, Kenia, Nigeria, Südafrika, Tschad. In Asien in Indien und auf den Philippinen sowie in Australien.


Literatur:

  • J. Kentenich, Dritte Gründungsurkunde, gehalten am 24.9., 18.10. und 8.12. 1944 in Dachau, in: Schönstatt Die Gründungsurkunden, Vallendar-Schönstatt 1967, 65-87.
  • C. Cox, Schönstatt in Mexiko, Regnum 27 (1993) 79-84
  • E. Germann, Schönstatt in Schwarz-Afrika. Beginn einer Inkulturation, Regnum 21 (1987) 129-138
  • J. Niehaus, Schönstatt in den USA, Regnum 27 (1993) 38-41
  • E. Raidt, Internationalität – Geschenk und Herausforderung unseres Vaters, in: Festwoche 1985, 142-172
  • R. und I. Sickinger, Schönstatt in Österreich, Regnum 29 (1995), 37 44
  • N. Stadelmann, Ein Jubiläumsgeschenk: Die Landessendung der Schweizer Schönstattfamilie, Regnum 20 (1986) 138 ff.
  • E. Uriburu, Schönstatt in Lateinamerika, Regnum 2 (1967) 61-68
  • W. Wissing, Schönstatt in der Weltkirche, Regnum 12 (1977) 99-111.

Schönstatt-Lexikon:

Herausgeber: Internationales Josef-Kentenich-Institut für Forschung und Lehre e.V. (IKF)

Verlag: Patris-Verlag, Vallendar-Schönstatt – All rights by Patris-Verlag – www.patris-verlag.de

Online-Präsentation: Josef-Kentenich-Institut e.V. (JKI) – www.j-k-i.de

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