Krönung

Krönung

Yvonne Faatz

Unter Krönung versteht man die Anerkennung Marias als Königin. Diese Stellung gründet in ihrem Christusbezug und ihrer Aufgabe im Heilswirken Gottes unter den Menschen (>>Maria). Sie nimmt teil am Königtum Christi im Himmel und auf Erden. Unter denen, die die Krone des Lebens und der Herrlichkeit (vgl. Jak 1,12; 1 Petr 5,4; Offb 2,10) empfangen, ist Maria die erste. Deshalb wird sie von der frühen Kirche mit der apokalyptischen Frau, die eine Krone aus zwölf Sternen auf dem Haupt trägt (vgl. Offb 12,1), identifiziert.

In der christlichen Tradition wurde die heilsgeschichtliche Stellung Marias unter dem Symbol der Krone und dem Titel „Königin“ ausgedrückt. In einem Umfeld, in dem Kaiserinnen und Königinnen selbstverständlich waren, entwickelte sich im Mittelalter für Maria eine reiche ikonographische Bilderwelt, in der die Krone ihre Sorge und ihren Schutz, ihre Fürsprache für die Menschen und gleichzeitig ihre Erhebung aus den Menschen in die Nähe Gottes ausdrückten. Der Typus der Königin und das Symbol der Krone wirken in vielen Lebensvorgängen bis heute, namentlich in der Werbung.

P. Kentenich nahm diese kirchliche Praxis auf, erweiterte aber das bisherige Verständnis. Für ihn ist Krönung der Gottesmutter eine Konsequenz des Werkzeugsgedankens (>>Werkzeugsfrömmigkeit, >>Zweitursache): Maria als herausragendes Werkzeug Gottes wird durch die Krönung in ihrer Stellung im Heilsplan bestätigt und anerkannt. Dadurch kann sie die Menschen zu Jesus führen (>>Gnade). „Das Königtum der Gottesmutter ist das Mittel, das Königtum Christi anzuerkennen“ (KW 1946, 220). In diesem Sinn darf Krönung nicht als frommes Brauchtum verstanden werden, sondern als Artikulierung des Reich-Gottes-Gedankens.

In der Schönstatt-Bewegung steht die Krönung Marias im Zusammenhang der Erneuerung und Vertiefung des Liebesbündnisses. In der Herausforderung durch eine Notsituation (Verfolgung durch den Nationalsozialismus) fand am 10.12.1939 die erste Krönung des Gnadenbildes im Urheiligtum in Schönstatt statt. Durch einen kleinen, internationalen Kreis von Schönstättern wurde diese am 18.10.1944 im Konzentrationslager Dachau wiederholt. Von der gesamten Schönstatt-Bewegung wurden beide Krönungen im Oktober 1946 nachvollzogen. Der erfahrene Schutz und die erlebte geistig-geistliche Reifung der Bewegung motivierten P. Kentenich, „Königin“ dem Titel des Gnadenbildes hinzuzufügen: „Dreimal wunderbare Mutter und Königin“. Seitdem ist Krönung zu einem typischen und oft wiederholten Vorgang in der Schönstatt-Bewegung geworden.

Durch eine Krönung drücken Einzelne oder Gemeinschaften symbolisch aus, dass sie sich von Maria zur vollen Selbstentfaltung und zum Einsatz für das Reich Gottes führen lassen wollen. Zugleich wird anerkannt, dass sie als „exemplarische Frau“ von Gott erhöht wurde (vgl. Lk 1,52). Krönung wird so auch Ausdruck einer Wertschätzung der Frau allgemein und trägt ihrer vollen personalen Würde Rechnung. Die Gottesmutter zu krönen, bedeutet somit nicht nur eine Anerkennung der heilsgeschichtlichen Stellung Mariens; alle Frauen sind als Mitgestalterinnen einer christlichen Gesellschaftsordnung ernst genommen und aufgerufen.

Im pädagogischen Vollzug ist Krönung eine vertiefte Reflexion über das eigene Leben und seinen Gottesbezug. Durch sie können der einzelne wie die Gemeinschaft sensibler für das Wirken Gottes im persönlichen bzw. gemeinschaftlichen Leben werden, weil Maria ihre ureigenste Aufgabe wahrnimmt, die Menschen zu Gott zu führen.


Literatur:

  • J. Kentenich, Vertrauen auf die Gottesmutter. Krönung in der Kirche St. Ägidii in Münster (30. Mai 1946), in: Familie Gottes, Münster 1984, 33-48
  • J. Kentenich, Maria ist Königin. Krönung in Schönstatt durch die diözesane Schönstattfamilie (Münster) am 22. August 1946, in: Familie Gottes, Münster 1984, 48-60
  • J. Kentenich, Krönung Mariens Rettung der christlichen Gesellschaftsordnung (Krönungswoche 1946), Vallendar 1977
  • Vortr 20.10.1046
  • J. Kentenich, Ansprache zur Krönung des MTA-Bildes im Heiligtum in Maria Rast (2. Juli 1950), in: Gründerworte in Maria Rast, 45 60.
  • Zentrale Begriffe Schönstatts. Kleiner Lexikalischer Kommentar. Nach Schriften und Vorträgen Pater Josef Kentenichs bearbeitet von Herta Schlosser, Vallendar-Schönstatt 1977, 46-54
  • Oktoberwoche 1972
  • Oktoberwoche 1973.

Schönstatt-Lexikon:

Herausgeber: Internationales Josef-Kentenich-Institut für Forschung und Lehre e.V. (IKF)

Verlag: Patris-Verlag, Vallendar-Schönstatt – All rights by Patris-Verlag – www.patris-verlag.de

Online-Präsentation: Josef-Kentenich-Institut e.V. (JKI) – www.j-k-i.de

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