Leiblichkeit

Leiblichkeit

Lothar Penners

Das Grundanliegen J. Kentenichs in Bezug auf die Leiblichkeit des Menschen als solche sowie den Zusammenhang von Leib, Seele und Geist ist vorwiegend ein pädagogischer. Das Zueinander der verschiedenen Momente artikuliert er beispielsweise in einem zentralen Text: „Der Mensch ist eine unitas multiplex, eine vielgestaltige, vielschichtige Einheit. Leib, Seele und Geist wurzeln in einem Persönlichkeitskern, in einem Träger. Sie entfalten sich nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten, zwar gleichzeitig, aber nicht gleichmäßig; und sie haben die Tendenz, nach Möglichkeit sich zu verselbständigen. Der Leib möchte seinen eigenen Weg gehen, ebenso der Geist und die Seele. Sie müssen aber aufeinander zugeordnet bleiben, dürfen sich nicht voneinander trennen. Der Sinn ihrer Entwicklung ist die Ausreifung zu einer organischen Ganzheit. Sie schließt ein Ordnungsgefüge in sich. Der Leib soll dem Geist, der Geist soll der Seele die Wege weisen, und alle drei sollen letzten Endes Gott untertan sein.“ (PT 1951, 70).

Es geht also um die Eigenbedeutung des Körperlichen in Wechselwirkung mit Fühlen („Seele“) und Denken/Wollen („Geist“) – aus der personalen Mitte des Menschen („Herz“, „Träger“). Für die Deutung der Leiblichkeit greift J. Kentenich zurück auf die christliche Anthropologie, näherhin die einschlägigen dogmatischen Wahrheiten und die thomistische Doktrin von der Geist-Seele als „substantieller Form“ des Leibes. Letztere lässt ihn sein Grundmodell für das Zueinander hierarchischer Ordnungen (>>Geist und Form): Ausdruck, Mittel und Schutz auch in etwa anwenden auf das Verhältnis von Geist-Seele und Körper: der Leib sei deren „Spiegel, Werkzeug und Weggenosse“.

J. Kentenich ist es wichtig, dass der Mensch sein Verhältnis zum Leib gestaltet (>>Selbsterziehung): in „ehrfürchtiger Liebe“ vor dem Kunstwerk des Schöpfers und „weiser Strenge“ gegenüber dem ungeordneten Schwergewicht des Materiellen und Triebhaften (>>Trieb). Er rät zum Ausgleich zwischen moderner, säkularistischer Leibvergötzung und eher gestriger, gnostischer Leibverachtung. – Innere Akzeptanz des Leiblichen und Geschlechtlichen ist Bestandteil seelischer Gesundheit (erleuchtetes Schamgefühl; >>Geschlechtlichkeit). Zur Gestaltung der leiblichen Sphäre gehören für J. Kentenich körperliche Übungen, Arbeit, Gymnastik, Sport, Kleidung und Wohnung, welche den beseelten Umgang mit dem Körper zum Ausdruck bringen sollen. Angesichts moderner Verweichlichung in der Behandlung des Körpers rät J. Kentenich zu Herbheit und Strenge, wohingegen er aszetische Übertreibungen anlehnt (>>Aszese).

Seine Gesamtsicht für das Zusammengehen von Gnade, Geist und Leib lässt sich wiedergeben mit seinem Programmwort von der „Durchgöttlichung, Durchgeistigung, Durchsittlichung und Durchseelung“ der verschiedenen „Schichten“ und Sphären im Menschen, dessen Modell wie in vielem immer wieder Maria, die auch in ihrer Leiblichkeit voll Erlöste und Verklärte: die eschatologische Ikone des vollendeten Menschen.


Literatur:

  • M. A. Nailis, Werktagsheiligkeit. Ein Beitrag zur religiösen Formung des Alltags, Limburg 1937 (1964) – Vallendar-Schönstatt 1974
  • J. Kentenich, Daß neue Menschen werden. Eine pädagogische Religionspsychologie. Vorträge der Pädagogische Tagung 1951. Bearbeitete Nachschrift, Vallendar-Schönstatt 1971, 264 S..
  • G. Siewerth, Der Mensch und sein Leib, Einsiedeln 1953.

Schönstatt-Lexikon:

Herausgeber: Internationales Josef-Kentenich-Institut für Forschung und Lehre e.V. (IKF)

Verlag: Patris-Verlag, Vallendar-Schönstatt – All rights by Patris-Verlag – www.patris-verlag.de

Online-Präsentation: Josef-Kentenich-Institut e.V. (JKI) – www.j-k-i.de

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