Liebe (Fortsetzung)

Liebe (Fortsetzung)

Herbert King

7. Formen der Liebe

Liebe kennt verschiedene Gestalten und Ausdrucksweisen. „Das ist ein vielgliedriger Liebestrieb oder – wenn Sie wollen – ein Wurzelstock, in dem verschiedene Wür-zelchen wurzeln. Das kann Kindesliebe sein, das kann mütterliche (und väterliche) Liebe, brüderliche, schwesterliche Liebe, bräutliche Liebe, eheliche Liebe sein“ (RomV 1965 III, 71). Pater Kentenich hat in seinem Werk die Gestalten der Mutter, des Vaters, des Kindes, der Tochter, des Sohnes, des Bruders, der Schwester, der Braut, des Bräutigams, des Ehepart-ners, des jungfräulichen Menschen beschrieben. Wichtig ist ihm jeweils die Herausarbeitung der Dynamik (>>Trieb) der entsprechenden Form der Liebe und die in dieser sich ausdrü-ckende Gestalt. Besonders umfassend ist er der Vater- und der Kindesliebe nachgegangen.

8. Wachstum der Liebe

Liebe weitet sich und bezieht immer mehr Personen, Themen, Ideen und Aufgaben in ihren Bereich mit ein. Solches „extensive“ Wachstum der Liebe soll sich or-ganisch vollziehen. Dabei ist vor allem die Einsicht wichtig, dass Liebe eine „Lebensübertra-gung“ kennt. Alles, was das Leben der geliebten Person ausmacht, ihre Bindungen, Themen, Aufgaben, werden einschlussweise mitgeliebt und können je nachdem in unterschiedlichster Weise in das direkte Bewusstsein des Liebenden treten. Liebe ist eine „verähnlichende Kraft“. Dennoch lebt eine „geweitete“ Liebe immer von der Konkretheit und Nähe.

9. Liebe ist eine „vereinigende Kraft“

Auch dies ist eine der wichtigen durchgehenden Aus-sagen Pater Kentenichs über die Liebe. Liebe ist gegenseitig. Sie ist ein „Liebesverhältnis“ (St 1949, 228), eine „vollkommene seelische Zweieinheit“, ein „seelisches Ineinander“. Die For-mulierung der Hochform des >>Liebesbündnisses: Inscriptio cordis in cor (Einschreibung des Herzen in das Herz) ist für Pater Kentenich gleichzeitig auch die „psychologische Definition“ der Liebe (vgl. LS 1952 II, 129).

10. Bindung

Ein zentraler Aspekt der kentenichschen Lehre über die Liebe umfasst den Begriff der „Bindung“ (>>Bindungsorganismus).

11. Liebespädagogik

Es geht Pater Kentenich um eine ausgesprochene Liebespädagogik. Das Weltgrundgesetz der Liebe soll zum „Erziehungsgrundgesetz“ werden (>>Pädagogik).

12. Liebesdenken

Beim Thema Liebe geht es nicht nur um die ethisch-aszetische Perspekti-ve. Es geht um eine Sicht der Wirklichkeit überhaupt, in der Liebe zum durchgehenden Denk-ansatz wird, zum Gesichtspunkt aller Bewertung, zur Weltanschauung. Pater Kentenich redet in solchem Zusammenhang von der Notwendigkeit, in Ergänzung zu den verschiedenen phi-losophischen Schulen, eine Liebesphilosophie, -anthropologie, -theologie, -psychologie und -soziologie zu entwickeln (vgl. KW 1946, 137-141). Ebenfalls eine Denkform, die der Liebe auch denkerisch gerecht wird. Hier können personalistische Richtungen (Martin Buber, Max Scheler, Gabriel Marcel) viel beitragen. Im theologischen Bereich ist auf Hans Urs von Baltha-sar hinzuweisen. Im Bereich der Spiritualität auf Therese von Lisieux. Für Pater Kentenich sind diese Richtungen bedeutend geworden. Letztlich ist mit der Liebe als denkerischem Grundansatz ein biblischer Ansatz aufgegriffen.

>Bindung, >>Bindungsorganismus, >>Gottesbild, >>Liebesbündnis, >>Liebespädagogik, >>Mensch, >>Weltgesetze.


Literatur:

  • J. Kentenich, Vollkommene Lebensfreude. Priesterexerzitien (7.-13. Oktober 1934), Vallendar-Schönstatt 1984, ab 244
  • J. Kentenich, Der heroische Mensch. Priesterexerzitien 1936/1937, verv.W, A 5, 302+5 S.
  • J. Kentenich, What is my philosophy of education?, in: Philosophie der Erziehung. Prinzipien zur Formung eines neuen Menschen und Gemeinschaftstyps. Bearbeitet von Herta Schlosser, Val-lendar 1991, 39-89
  • J. Kentenich, Das Lebensgeheimnis Schönstatts. I. Teil: Geist und Form (Brief an Joseph Schmitz, geschrieben in Santiago/Chile, ab dem 3. Mai 1952), Vallendar-Schönstatt 1971, 242 S.I
  • M. A. Nailis, Werktagsheiligkeit. Ein Beitrag zur religiösen Formung des Alltags, Limburg 1937 (1964) – Vallendar-Schönstatt 1974, III. Teil.

Schönstatt-Lexikon:

Herausgeber: Internationales Josef-Kentenich-Institut für Forschung und Lehre e.V. (IKF)

Verlag: Patris-Verlag, Vallendar-Schönstatt – All rights by Patris-Verlag – www.patris-verlag.de

Online-Präsentation: Josef-Kentenich-Institut e.V. (JKI) – www.j-k-i.de

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