Liturgie

Liturgie

Joachim Schmiedl

Liturgie ist nach P. Kentenich „das heilige, geheimnisvolle Tun des Gottmenschen Jesus Christus als Haupt seiner Kirche (und das heilige, geheimnisvolle Mittun seiner Braut, der Kirche), um den Vater zu verherrlichen und die Welt zu vergöttlichen“ (LitWH 1938, Disposition, 20). Im Mittelpunkt der Liturgie steht Jesus Christus als der eigentliche Liturge, dessen priesterliches Handeln in der Erneuerung des einmal vollzogenen Kreuzesopfers besteht. In der Liturgie handelt Christus im Namen und an Stelle der Kirche, die aber nicht passiv bleibt, sondern durch den Vollzug der liturgischen Feiern mithandelt. Ziel der Liturgie ist zum einen die Verherrlichung des himmlischen Vaters als Fortsetzung der Sendung des irdischen Jesus (Joh 17,4), zum anderen soteriologisch die „Vergöttlichung des Menschen und die Verklärung der Welt“ (LitWH 1938) im Sinne einer „consecratio mundi“.

Diese liturgietheologische Grundlegung, die 1938 wesentliche Elemente der Liturgiedefinition der Enzyklika „Mediator Dei“ (1947) vorwegnahm, hatte sich für Kentenich seit 1921 in der Auseinandersetzung mit der Liturgischen Bewegung herauskristallisiert. Theologiestudenten der Schönstatt-Bewegung setzten sich mit liturgischen Bestrebungen in den Priesterseminaren auseinander und suchten nach einer Erneuerung der Liturgie als zentralem spirituellen Element. Das Stundengebet wurde neu und positiv bewertet. Vorträge und Gruppenbesprechungen setzten sich mit der Bedeutung der Liturgie und der Feier der Eucharistie auseinander. Kentenich selbst äußerte sich in einer Reihe von Exerzitienkursen zur liturgischen Frage: 1927 hielt er „Liturgische Exerzitien“, 1928 „Liturgisch-mystisch-marianische Exerzitien“. Theologiestudenten machte er mit „Liturgischer Seelenhaltung“ vertraut (1929). 1938 verknüpfte er in den Exerzitien über die „Liturgische Werktagsheiligkeit“ grundsätzliche Aussagen mit praktischen Hilfen für das Alltagsleben aus dem Geist der Liturgie. In seinen Gebeten aus dem Konzentrationslager Dachau findet sich in der „Werkzeugsmesse“ eine betrachtende Erklärung der Eucharistie in Versform. Eine Bestätigung seiner pastoral-pädagogischen Auswertung der Liturgie sah Kentenich durch die Liturgiekonstitution „Sacrosanctum Concilium“, die er in Predigten und Vorträgen (AGl 15) aufschloss.

Neben einer grundlegenden theologischen Deutung der Liturgie kam es Kentenich vor allem auf die Umsetzung in das praktische religiöse Leben an. Die häufige, wenn möglich tägliche Teilnahme an der Eucharistiefeier war für ihn „Mittel-, Ausgangs-, Sammel- und Höhepunkt“ des ganzen Tages. Er empfahl, die liturgischen Texte durchzumeditieren und aus ihnen Kraft zu schöpfen. Auf diese Weise soll die Liturgie ein Grundpfeiler der >>Werktagsheiligkeit sein. Für Kentenich war es wichtig, nicht nur die Eucharistiefeier als Liturgie zu deuten, sondern jede religiöse Äußerung bis hin zur Volksfrömmigkeit.

An dieser Stelle ergaben sich Spannungen zu Einseitigkeiten der Liturgischen Bewegung. Gegen die Gefahr des Monophysitismus betonte Kentenich die menschliche Natur Jesu Christi auch in der Liturgie. Er verteidigte die Volksfrömmigkeit und besonders die Marienverehrung gegen eine mechanistische Denkweise (>>mechanistisches Denken), die er in der Liturgischen Bewegung als Gefahr sah.

Aktive Teilnahme an der Liturgie, wie sie das Zweite Vatikanische >>Konzil später forderte, erschöpfte sich für Kentenich nicht in der äußeren Beteiligung an der liturgischen Feier, sondern hatte eine doppelte innere Dimension: der Christ soll sich hineinziehen lassen „in das große Heilsgeschehen, das dort, auf dem Altar, gegenwärtig gesetzt wird“ (AGl 15, 53) und von da aus sein Leben gestalten.


Literatur:

  • J. Kentenich, Liturgische Exerzitien 1927, verschiedene Mitschriften
  • J. Kentenich, Marianische Erziehung. Pädagogische Tagung (22.-26. Mai 1934), Vallendar-Schönstatt 1971, 286 S., 32-126
  • J. Kentenich, Liturgische Werktagsheiligkeit, gehalten im August 1938, verv. A 5, 93 und 112 S.
  • J. Kentenich, Himmelwärts. Gebete für den Gebrauch in der Schönstattfamilie, Vallendar-Schönstatt 1973, 17-44
  • J. Kentenich, Aus dem Glauben leben. Predigten in Milwaukee, Vallendar-Schönstatt 1969 ff. 11-13. 15

Schönstatt-Lexikon:

Herausgeber: Internationales Josef-Kentenich-Institut für Forschung und Lehre e.V. (IKF)

Verlag: Patris-Verlag, Vallendar-Schönstatt – All rights by Patris-Verlag – www.patris-verlag.de

Online-Präsentation: Josef-Kentenich-Institut e.V. (JKI) – www.j-k-i.de

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen