Mariengarten (Fortsetzung)

Mariengarten (Fortsetzung)

M. Pia Buesge

2.3. Aktualität  

In seinem Exerzitienkurs „Der marianische Priester“ hat Pater Kentenich eines seiner großen Anliegen in Worte gefasst: dem modernen Menschen einen neuen Weg zu einem wieder mehr naturgemäßen Denken zu eröffnen, einem Denken, das symbolhaft, organisch, ganzheitlich und zentriert ist. Damals, 1941, legte er den Hauptakzent auf das symbolhafte Denken (>>Symbol). Heute, wo in weiten Kreisen eine neue Sensibilität für ganzheitlich-symbolhaftes Denken erwacht ist, haben die Anliegen und Aussagen Pater Kentenichs eine überraschende Aktualität.

Ein anschaubares Modell für das, was symbolhaftes Denken ist, finden wir im Mariengarten. Hier werden geistig geistliche Inhalte und Ziele in konkrete Symbole umgesetzt bzw. aus diesen herausgelesen. Im Mariengarten wird ernst gemacht mit der Wahrheit, dass alle geschaffenen Wirklichkeiten eine symbolhafte Bedeutung haben, dass sie inkarnierte Gottesgedanken und inkarnierte Gotteswünsche sind. Pater Kentenich drückt dies einmal so aus: „Jedes Ding ist ein Buchstabe, der mir etwas von Gott sagen will. Die Dinge insgesamt sind ein Buch von Gott“ (MPr 1941, 28). Im Mariengarten wird das Buch der Schöpfung ebenso das Buch der Heilsgeschichte aufgeschlagen und ständig benutzt.

Es geht Pater Kentenich darum, dass der moderne Mensch wieder symbolfähig wird, dass er in den sinnlich wahrnehmbaren Dingen ein „Bild für eine höhere, dahinter steckende Wirklichkeit“ erkennen lernt (MPr 1941, 27). Weil jede Wahrheit ein Geheimnis ist, ein Hell-Dunkel in sich birgt, bleibt trotz aller Helligkeit, die menschliches Erkenntnisvermögen ihr abgewinnt, immer noch viel Dunkel. Symbole enthalten mehr vom Geheimnischarakter einer Wahrheit und bringen mehr davon zum Ausdruck, als abstrakte Ideen es vermögen. Wenn man das Herz und darin den ganzen Menschen ansprechen will, kann das leichter über Symbole als über Ideen geschehen. Das hat Pater Kentenich als psychologisch orientierter Pädagoge gewusst, und auch aus diesem Grund hat er die Mariengarten-Strömung in seiner Gründung aufgegriffen und daran festgehalten.

Aber nicht nur diesem formalen Aspekt des Mariengartens, sondern vor allem dem inhaltlichen kommt besondere Bedeutung zu. Es fällt nicht schwer, im Mariengarten einen aktuellen Bezug zur >>Kirche von heute zu entdecken.

Pater Kentenich war einer von denen, die schon lange vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil für eine Erneuerung der Kirche zu wirken begannen. Er war überzeugt, dass diese nicht aus menschlicher Planung allein geschehen könne, sondern vor allem ein Werk Gottes sein müsse. Das hieß für ihn: Es muss eine marianische Kirche sein, eine Kirche, die sich in Maria und wie Maria für das Wirken Gottes aufschließt, eine Kirche, in der, wie im Mariengarten, die vertikale Dimension des Christus und Vaterbezugs und die horizontale der Verbundenheit und Mitverantwortung voll entfaltet sind.

Pater Kentenich wusste: „In und mit Christus um den Vater kreisen“ ist der eigentliche und tiefste Lebensvollzug der Kirche, aus der ihre eigene Erneuerung und die Erneuerung der Welt geschehen muss. Die Kirche darf nicht bei einer isolierten Christozentrik stehen bleiben, sondern muss sich vom Sohn in die Dynamik hin zum Vater hinein nehmen lassen und dadurch in das letzte Zentrum des christlichen Glaubens hinein vorstoßen. Angesichts der heutigen familiären und gesellschaftlichen Situation kommt dabei der Erfahrung irdischer Vaterschaft als Abbildung der jenseitigen eine besondere Relevanz zu.

Nicht minder aktuell ist die horizontale Dimension, d.h. die innerliche Verbundenheit zwischen den Gliedern und den Gliedgemeinschaften der Kirche, die sich in lebendiger Mitverantwortung und in freiwilliger Zusammenarbeit bekundet. Je mehr die Kirche Weltkirche wird und in den verschiedensten Kulturen Wurzeln schlägt, desto mehr muss ihre Einheit und ihr Zusammenhalt durch den Geist solidarischer Mitverantwortung und innerer Verbundenheit gesichert werden.

Für eine solche Vision von der Kirche am neuesten Zeitenufer stand bei Pater Kentenich der Mariengarten.


Literatur:

  • J. Kentenich, Oktoberwoche 1950, Vallendar-Schönstatt 1993, 424 S., 301-323.
  • E. Monnerjahn, „In und mit Christus um den Vater kreisen“. Vorträge zum originellen Mariengarten der Schönstattgeschichte, 1989.
  • J. Daniélou, Die Kirche: Pflanzung des Vaters. Zur Kirchenfrömmigkeit der frühen Christenheit, in: J. Daniélou / H. Vorgrimler, Sentire Ecclesiam, Freiburg 1961, S. 92 103
  • G. Nitz, Art. Hortus conclusus, in: Lexikon der Marienkunde III, 247 250.

Schönstatt-Lexikon:

Herausgeber: Internationales Josef-Kentenich-Institut für Forschung und Lehre e.V. (IKF)

Verlag: Patris-Verlag, Vallendar-Schönstatt – All rights by Patris-Verlag – www.patris-verlag.de

Online-Präsentation: Josef-Kentenich-Institut e.V. (JKI) – www.j-k-i.de

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