Mariengarten

Mariengarten

M. Pia Buesge

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1. Das Motiv des Mariengartens in der christlichen Tradition
1.1. Die Kirche als „Pflanzung des Vaters“
1.2. Maria Typus der Kirche als Pflanzung des Vaters
2. Der Mariengarten in der Schönstattgeschichte
2.1. Entstehung
2.2. Wesen und Bedeutung

1. Das Motiv des Mariengartens in der christlichen Tradition

1.1. Die Kirche als „Pflanzung des Vaters“

Bereits die frühen Kirchenväter kennen das Bild von der „Pflanzung des Vaters“ als Bild für die Kirche. Ignatius von Antiochien verwendet die Metapher zum ersten Mal (Philad. 3,11 13; Trall. 11,1). Sie begegnet uns auch bei Klemens von Alexandrien, bei Cyprian, Origenes und Gregor von Nyssa, bei Augustinus und weiteren Kirchenvätern der ersten christlichen Jahrhunderte.

Alle Texte enthalten im Kern die gleiche Symbolik: Die Pflanzung, um die es geht, ist von Gott angelegt, sie bezeichnet ein Kollektiv und umfasst Pflanzen verschiedenster Art, die blühen und Früchte hervorbringen. Der Pflanzung des Vaters steht das schlechte Kraut gegenüber, das der Vater nicht gepflanzt hat.

Das Bild veranschaulicht die aus vielen Einzelwesen gebildete Kirche. Die Einpflanzung in diesen Lebensbereich geschieht durch die Taufe; durch sie werden die Einzelnen zu Gliedern der Kirche. In verschiedenen Abstufungen ist die Pflanzung ein Werk des Vaters, ein Werk des Herrn, ein Werk der Apostel. Mit dem schlechten Kraut, das der Vater nicht gepflanzt hat, sind vor allem die Häresien gemeint.

Die „Pflanzung des Vaters“ ist ein zutiefst biblisches Symbol. Die einzelnen Züge, mit denen die Kirchenväter dieses Bild ausgemalt und ausgedeutet haben, sind dem Alten Testament entnommen. Es ist vor allem der Paradiesesgarten Eden (vgl. Gen 2 3), in dessen Mitte Christus als Baum des Lebens gepflanzt ist und der von den Sakramenten als den Paradiesesströmen bewässert wird. Es ist sodann der Weinberg Jahwes (vgl. Jes 5,1 7), und es sind die an Wasserbächen oder Strömen gepflanzten Bäume (vgl. Ps 1,3; Ez 47,7 12; Jer 17,8), die Symbole für die einzelnen Christen sind.

Trito-Jesaja kennzeichnet die endzeitlich Gerechten, die Erlösten, als „aufblühende Pflanzung des Herrn“ (Jes 60,21), als „Pflanzung, durch die der Herr seine Herrlichkeit zeigt“ (Jes 61,3).

Das Neue Testament führt wenn auch nur an wenigen Stellen die Linie von der „Pflanzung des Vaters“ weiter. Jesus sagt z.B.: „Jede Pflanze, die nicht mein himmlischer Vater gepflanzt hat, wird ausgerissen werden“ (Mt 15,13). Paulus schreibt den Korinthern: „Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber ließ wachsen“ (1 Kor 3,6). In den Pastoralbriefen werden die Neugetauften als „Neophyten“ bezeichnet, was vom griechischen Wortsinn her „die soeben Gepflanzten“ meint (1 Tim 3,6).

1.2. Maria Typus der Kirche als Pflanzung des Vaters

Zur christologisch soteriologischen Grundbedeutung der „Pflanzung des Vaters“ kommt schon früh die mariologische hinzu. Die Eva-Maria- sowie die Eva-Kirche-Parallele bereitet den Boden vor, so dass Ambrosius von Mailand den Begriff von Maria als „typus Ecclesiae“ prägen kann. Damit ist die Voraussetzung gewonnen, um die Gottesmutter wie die Kirche und mit der Kirche als „Pflanzung des Vaters“, als Mariengarten zu betrachten. Die Bibelstellen, die man dafür ausschöpfen kann, sind zahlreich; vor allem kommt die Symbolik des Hohenliedes hinzu.

Hieronymus schreibt z.B. über Maria: „Im Hohen Lied wird von ihr gesungen: ‚Du bist ein verschlossener Garten, ein versiegelter Quell, deine Triebe sind ein Paradies‘ (Hl 4,12f). In Wahrheit ist sie ein Garten der Wonne, in dem alle Arten von Blumen gepflanzt sind und alle Gerüche der Tugenden. Und er ist so verschlossen, dass er nicht verletzt noch durch irgendwelche betrügerische Nachstellungen verdorben werden kann. Der Quell ist gesiegelt mit dem Siegel der ganzen Dreieinigkeit“ (zit. nach E. Monnerjahn, „In und mit Christus um den Vater kreisen“, S. 29f.).

Johannes von Damaskus redet Maria an: „Du bist das geistliche Eden, heiliger und göttlicher als das alte; denn in diesem wohnte der irdische Adam, in dir der Herr, der vom Himmel gekommen“ (zit. nach E. Monnerjahn, a.a.O., S. 30).

Besonderer Beliebtheit erfreut sich das Motiv von Maria als Paradiesesgarten im Mittelalter. In der Volksfrömmigkeit, in der Dichtung und bildenden Kunst nimmt es einen breiten Raum ein.

Bekannt ist der Bildtypus des „Hortus conclusus“ und der „Madonna im Rosenhag“. Auch das „Paradiesgärtlein“ eines unbekannten oberrheinischen Meisters sowie die Stuppacher Madonna von Matthias Grünewald gehören in diesen Zusammenhang hinein.

Die sicherlich berühmtesten Verse, die Maria als Garten Gottes beschreiben, stehen in Dantes Göttlicher Komödie. Nachdem der Dichter zum ersten Mal Christus in seiner Glorie sehen durfte, wendet er sich wieder seiner Begleiterin Beatrice zu. Diese aber sagt ihm: „Warum macht dich mein Gesicht so verliebt, dass du dich nicht dem schönen Garten zuwendest, der unter den Strahlen Christi sich mit Blumen schmückt? Dort ist die Rose, in der das Göttliche Wort Fleisch wurde, dort sind die Lilien, deren Duft einen guten Weg gewiesen hat“ (Paradies 23, 70).

Für Dante ist das himmlische Paradies ein vollendeter Mariengarten. Die Gemeinschaft der Heiligen zeigt sich ihm in der Gestalt einer großen Rose, die ihre Form von der einen Rose bekommen hat, „in der das Göttliche Wort Fleisch wurde“.

Ein weiterer bedeutender Zeuge für die Tradition des Mariengartens ist der hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort. Er schreibt z.B.: „Maria ist das Paradies Gottes, seine unaussprechliche Welt, das Paradies, in welches der Sohn Gottes eintrat, um darin Wunderwerke zu vollbringen…“ Im Blick auf den Menschen fährt er fort: „Glücklich, tausendmal glücklich die Seele hienieden, welcher der Heilige Geist das Geheimnis Mariä offenbart, damit sie es erkenne; welcher er diesen verschlossenen Garten erschließt, damit sie in denselben eintrete, diesen versiegelten Quell, damit sie daraus schöpfe und in langen Zügen die lebendigen Wasser der Gnade trinke!“ (Das Geheimnis Mariä, übersetzt von L. Gommenginger, 1928, Nr. 19f., S. 27 29).

Grignion ist überzeugt: Der Christ wächst am ehesten zur Vollgestalt Christi heran, wenn er in diesem Garten, der Maria ist, Wurzeln schlägt, wenn er gleichsam „Maria“ wird. In diesem Sinne rät er: „Wir müssen alles in Maria tun. Um diese Übung recht zu verstehen, muss man wissen, dass die allerseligste Jungfrau das wahre irdische Paradies des neuen Adam ist, dessen Vorbild das alte irdische Paradies nur war… In diesem irdischen Paradies steht wirklich der Baum des Lebens, der Jesus Christus, die Frucht des Lebens, getragen hat… An diesem Gottesort wachsen Bäume, die Gottes Hand gepflanzt und Gottes Salbung begossen hat, die Früchte göttlichen Wohlgefallens getragen haben und täglich tragen; in ihm sind Blumenbeete, leuchtend von den verschiedensten, schönsten Tugendblumen…“ (Die vollkommene Verehrung Mariens, übersetzt von M. v. Gebsattel, 1950, Nr. 261, S. 223 225).

Fassen wir die Tradition zum Motiv des Mariengartens zusammen, so wird deutlich: Es handelt sich dabei nicht um eine blumige Floskel, sondern um ein einprägsames und theologisch fundiertes Bild für die Hochform christlicher Existenz und Gemeinschaft, die von innen her marianisch geprägt, christologisch-soteriologisch ausgerichtet und letztlich patrozentrisch ist.

Pater Kentenich greift diese Tradition auf und führt sie weiter, wenn er als Leitbild für seine Gründung den „Mariengarten“ aufstellt und diesen definiert als „ein Garten von kleinen Marien, die Christus tragen, Christus gebären und in und mit Christus ständig um den Vater kreisen“ (OW 1950, 320 f.).

2. Der Mariengarten in der Schönstattgeschichte

2.1. Entstehung

Die Mariengarten-Strömung entstand innerhalb der Gemeinschaft der >>Schönstätter Marienschwestern, nachdem ihr Gründer und geistlicher Vater, Pater Josef Kentenich, 1941 in Koblenz inhaftiert worden war. Schwester Mariengard, die in derselben Stadt im St. Josef-Krankenhaus tätig war, schrieb zu Weihnachten 1941 ihre Bitte um die Befreiung des Gründers in der literarischen Form eines „Briefes an das Christkind“ nieder. Dieser Brief gelangte – von ihr nicht beabsichtigt – zu Pater Kentenich ins Gefängnis. Er fasste ihn, wie das in seinem Leben bei scheinbaren Kleinigkeiten oft der Fall war, als einen Fingerzeig der göttlichen Vorsehung auf. In Anpassung an die gewählte Form der Schreiberin antwortete er im Namen des „Christkinds“, ein schöpferisches Wortspiel gebrauchend:

„Meine liebe kleine Mariengard! Deinen Wunsch erfülle ich, wenn Dein Herz und das Herz der ganzen Familie ein blühender Mariengarten geworden ist. Also ist die Erfüllung Deiner Bitte, das ‚Wunder der Hl. Nacht‘, in Deine und der Schönstattkinder Hand gelegt. Beeilt Euch, damit es nicht zu spät wird…“

Bei den Schwestern der Koblenzer Filiale, zu denen Schwester Mariengard gehörte, setzte daraufhin ein intensives gemeinsames Streben aus dem Liebesbündnis ein. Entsprechend ihren Kursidealen wählten die Schwestern jeweils eine Blume, die sie im Mariengarten zum Blühen bringen wollten. Diesen spirituellen Einsatz schenkten sie der Gottesmutter als „Lösepreis“ für die Befreiung des Gründers. Pater Kentenich unterstützte die Mariengarten Strömung vom Gefängnis und später vom KZ Dachau aus durch viele Briefe, Gedichte und Gebete.

Nach der Befreiung des Gründers aus dem KZ Dachau weitete sich die Mariengarten-Strömung zunächst in die gesamte Schwesternfamilie und von 1950 ab auch in andere Gemeinschaften der Schönstatt-Bewegung aus. Da das urspüngliche Ziel erreicht war, erhielt der Mariengarten eine neue, überzeitliche Ausrichtung. Es ging von nun an um das Mittragen der dem Gründer von Gott aufgetragenen Sendung im Dienst des Erlösungswerkes Christi.

In der Oktoberwoche 1950 stellte Pater Kentenich den Mariengarten als ein Idealbild für die gesamte Schönstatt-Bewegung dar. Es war, wie er sagte, sein ausdrücklicher Wunsch, der Gottesmutter als Geschenk zur Dogmatisierung ihrer leiblichen Aufnahme in den Himmel, die ganze Schönstattfamilie als „einen blühenden Mariengarten“ zu Füßen zu legen (OW 1950, 376).

Noch kurz vor seinem Tod, in der Weihnachtstagung 1966, trug Pater Kentenich erneut die Idee des Mariengartens der ganzen Bewegung vor, weil er glaubte, auf diese gottgewollte symbolhafte Form des Liebesbündnisses für seine Gründung nicht verzichten zu dürfen. Sein Heimgang in der Dreifaltigkeitskirche auf Berg Schönstatt, umgeben von den Schwestern der Providentia-Provinz, zu der die Filiale Koblenz seit 1946 gehört, erwies sich als ein göttliches Siegel auf diese außergewöhnlich vitale und fruchtbar gewordene geistliche Strömung.

Aus Anlass des goldenen Jubiläums der Entstehung des Mariengartens fand 1992 erstmalig eine gemeinsame Tagung aller Frauengemeinschaften Schönstatts statt, die sich in den Mariengarten hatten „einpflanzen“ lassen. Die Solidarisierung mit dem Gründer und untereinander sowie der fruchtbare Lebensaustausch, der in diesen Tagen stattfand, ließen die Einheit stiftende Kraft des Mariengartens erfahrbar werden und zeigten, dass hier ein Modell geschenkt ist für die Kirche als marianisch geprägte „Pflanzung des Vaters“.

2.2. Wesen und Bedeutung

Idee und Verwirklichung des Mariengartens in der Schönstatt-Bewegung kennen zwei Dimensionen: eine vertikale und eine horizontale.

Die vertikale Dimension wird gebildet vom Christus und Vaterbezug. Im Mariengarten leben oder Mariengarten sein bedeutet zutiefst: „In und mit Christus um den Vater kreisen“. In der Mariengarten-Konzeption Schönstatts geht es um ein Leben aus der >>Christusgliedschaft und >>Gotteskindschaft nach dem Vorbild Marias, um den Auf und Ausbau des marianischen Vaterreiches in Christus Jesus.

Besonders typisch ist für den Mariengarten der Bezug zu Gott als Vater. „In und mit Christus um den Vater kreisen“ meint sowohl die kindlich-liebende Hingabe an die Person des Vaters wie auch die kindlich-heroische Ausrichtung auf den Willen des Vaters als Norm für das ganze Leben und Tun. Diese Ausrichtung auf den Vater schließt, wie im Leben Jesu und seiner Mutter, die Bereitschaft in sich, Kreuz und Leid anzunehmen und fruchtbar zu machen.

Zur horizontalen Dimension des Mariengartens gehört an erster Stelle der ausgeprägte Bezug zum Gründer, das Liebesbündnis mit ihm als dem geistlichen Vater und „überzeitlichen Haupt“ des Werkes. In der Symbolsprache des Gartens ist er der Gärtner, der im Auftrag des himmlischen Vaters und stellvertretend für ihn seine „Pflanzung“ betreuen darf. Als geschichtliches Ereignis wurde der Mariengarten zum Namen und Symbol für die vollkommene Solidarisierung mit dem Gründer in seiner heroischen Entscheidung für den Willen Gottes am 20. Januar 1942, der ihn in das KZ Dachau führte. In diesem Sinn bedeutet das „um den Vater kreisen“ auch: den Gründer auf seinem Opferweg nicht allein lassen, sich mit ihm und seinem Schicksal identifizieren, mit ihm und für ihn den Kreuzweg gehen zur Erfüllung seiner Sendung. Der Mariengarten stellt die geschichtlich gewordene Hochform der Vater- und Gründergebundenheit dar, die gottgewollte Schicksalsverwobenheit mit ihm und untereinander.

Diese fand einen ähnlichen Ausdruck im „Gefolgschaftsakt“ von Priestern der Schönstatt-Bewegung, der erstmalig am 20. Januar 1949 getätigt wurde. Später griffen auch sie, wie andere Schönstattgemeinschaften, die Idee des Mariengartens auf.

Aus dem gelebten Gründerbezug ergibt sich im Mariengarten auch der ausgeprägte „Geschwisterbezug“, das Liebesbündnis der Glieder und Gliedgemeinschaften der Schönstattfamilie untereinander. Im Kreisen um den gemeinsamen Vater und Gründer entstand und entsteht immer mehr die Solidarität derjenigen, die Gott in die Gefolgschaft dieses Gründers gerufen hat. In der Symbolik des Gartens bilden die einzelnen Kreise und Gemeinschaften jeweils Teile des Gartens, die in organischer Lebenseinheit miteinander verbunden sind.

In der Oktoberwoche 1950 (OW 1950, 316 f.) stellte Pater Kentenich den Mariengarten als ein originelles Liebesbündnis dar: als ein Bündnis zwischen Himmel und Erde, zwischen Gründer und Gründung, zwischen den Gliedern untereinander und zwischen Schönstatt und Vinzenz Pallotti. Mit dem letzteren ist vor allem gemeint, dass Schönstatt die Zielsetzung des Apostolischen Weltverbandes von Vinzenz Pallotti aufgegriffen hat. Der Mariengarten kann als ein Modell für diese Zielsetzung angesehen werden.

Fortsetzung http://www.j-k-i.de/liste2-f_action=show&f_entry_id=4886&f_back_action=.html


Schönstatt-Lexikon:

Herausgeber: Internationales Josef-Kentenich-Institut für Forschung und Lehre e.V. (IKF)

Verlag: Patris-Verlag, Vallendar-Schönstatt – All rights by Patris-Verlag – www.patris-verlag.de

Online-Präsentation: Josef-Kentenich-Institut e.V. (JKI) – www.j-k-i.de

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