Metaphysik

Metaphysik

Herta Schlosser

Nach dem Verständnis einer „philosophia perennis“ geht es der Metaphysik um den Gesamtbereich des Seienden, um die Strukturen der Wirklichkeit, und zwar unter der allgemeinsten Rücksicht des >>Seins selbst. Das heißt, die Metaphysik sieht das Seiende (Dinge und Lebewesen) in Transparenz auf Sein, in dem es verwurzelt ist und das deshalb in allem Seienden aufleuchtet.

Pater Kentenich steht in dieser Tradition und versucht, seine aus Lebensbeobachtungen und Vergleichen gewonnenen Erkenntnisse (>>Methode) auf letzte Prinzipien zurückzuführen. „Der religiöse Metaphysiker hat sich allezeit bemüht, die natürliche und übernatürliche Ordnung auf letzte Prinzipien zu untersuchen und das Resultat zur unentwegten Lebensnorm zu machen. Dabei war es selbstverständlich, dass er die modernen Erfahrungswissenschaften ihre originellen eigengesetzlichen Wege gehen ließ. Das hinderte ihn jedoch niemals, an ihre Resultate die Sonde des Metaphysikers anzulegen.“ (NM, 295). Hier kommt klar zum Ausdruck, dass sich Pater Kentenich als religiöser Metaphysiker versteht, der aber die Resultate der Einzelwissenschaften integriert. Integration, so zeigt sich, setzt in irgendeiner Weise eine Ganzheit voraus. Die „Auflösung der Wissenschaft in Detailgebiete“ (AmB 1948, 131) drängt ganz spontan zu ganzheitlichen Zielgestalten.

Pater Kentenich versteht demnach Metaphysik im Prozess der Wahrheitsfindung nicht losgelöst von den Ergebnissen der Einzelwissenschaften und im Sinne des >>organischen Denkens auch nicht getrennt vom >>Leben in der je geschichtlichen und kulturellen Situation. Überzeitliche Wahrheiten finden der jeweiligen Kultur und geschichtlichen Situation entsprechend eine zeitbedingte Ausprägung. „Der metaphysisch gewonnene Standpunkt muss unentwegt festgehalten und überall als Norm benutzt werden. Deswegen braucht die Anwendung nicht stur und starr zu sein. Sie darf und soll beweglich bleiben, sie darf und soll Verhältnissen und eingewurzelten Gebräuchen maßvoll Rechnung tragen.“ (AutFr 1961, 232). In diesem Sinne ist das Prinzip zu verstehen: „ordo essendi est agendi“, die Seinsordnung bestimmt die Handlungs- und Lebensordnung. Anders ausgedrückt: „operatio sequitur esse“, das Handeln folgt dem Sein.

>Methode, >>Sein


Literatur:

  • J. Kentenich, Auf Dein Wort hin werfe ich die Netze aus. Amerikabericht (September 1948), in: Philosophie der Erziehung. Prinzipien zur Formung eines neuen Menschen- und Gemeinschaftstyps. Bearbeitet von Herta Schlosser, Vallendar 1991, 91-158
  • J. Kentenich, What is my philosophy of education?, in: Philosophie der Erziehung. Prinzipien zur Formung eines neuen Menschen und Gemeinschaftstyps. Bearbeitet von Herta Schlosser, Vallendar 1991, 39-89
  • J. Kentenich, Autorität und Freiheit in schöpferischer Spannung (September 1961). Bearbeitet von Herta Schlosser, Vallendar 1993, 7-142
  • Glossen 1962, in: NM, 295.
  • D. Göbel, Das Abenteuer des Denkens. Abendländische Geistesgeschichte von Thales bis Heidegger, Wiesbaden 1989.

Schönstatt-Lexikon:

Herausgeber: Internationales Josef-Kentenich-Institut für Forschung und Lehre e.V. (IKF)

Verlag: Patris-Verlag, Vallendar-Schönstatt – All rights by Patris-Verlag – www.patris-verlag.de

Online-Präsentation: Josef-Kentenich-Institut e.V. (JKI) – www.j-k-i.de

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