Partikularexamen

Partikularexamen

Hans-Werner Unkel

Zum Wesen des Menschen gehört konstitutiv, dass er lebenslang in einem inneren Wachstums- und Reifungsprozess steht. Das Partikularexamen (PE) ist eine psychologisch orientierte Methode, diese Herausforderung der Selbstwerdung konsequent und gezielt anzugehen.

Typisch für die Auffassung P. Kentenichs vom Partikularexamen ist sein Ansatz bei den Seelenkräften und die Verbindung mit dem Persönlichen Ideal. Eine Umschreibung von 1936 drückt das so aus: „Das Partikularexamen ist eine erleuchtete und wirksame Veredlung unserer Hauptleidenschaft im Dienste des persönlichen Ideals“ (HerM 1936, 184). In dieser Perspektive ist die Arbeit mit dem Partikularexamen geeignet, dem Ich zum Wachstum zu verhelfen und falsche Idealvorstellungen des Über-Ichs, die den Prozess der Frei- und Selbstwerdung behindern, als solche zu entlarven und abzubauen. Ziel der pädagogischen Arbeit an der eigenen Selbstwerdung ist die im einzelnen Menschen angelegte originelle Gesamtgestalt mit den ihr ureigensten Antriebs- und Motivationskräften. Diese können die Persönlichkeit des Menschen aufbauen, sie können sich aber auch zerstörend auswirken.

Das Partikularexamen ist nicht primär eine Methode zur Bekämpfung von Fehlern, vielmehr ist es positiv auf die Einbeziehung und Veredlung dieser Triebe für individuelle menschliche Reifung, christliches Heiligkeitsstreben und Sendungserfüllung ausgerichtet. Es befreit also vom narzisstischen Kreisen um sich selbst und öffnet das Selbst auf liebende Du-Beziehungen und auf Bewältigung von Aufgaben hin. Das Partikularexamen richtet sich auf die bewusste, konkrete Gestaltung des Heute im Sinne einer ganzheitlich menschlich-religiösen Entfaltung aus. Theologisch ausgedrückt: die Selbsterziehung mit Hilfe des Partikularexamens ist eine Form bewusster, gläubiger Mitarbeit des Menschen mit der ihm angebotenen Erlösungsgnade (in ihrer heilenden und reifenden Funktion). Sie erfordert ein sensibles, erleuchtetes Eingehen auf die gnadenhaften Absichten des Heiligen Geistes, der befreiend Hindernisse überwindet, Einseitigkeiten zur Fülle ergänzt, Wunden heilt und Unentfaltetes zu Entfaltung und Reifung bringt.

In seiner Pädagogik legt P. Kentenich Wert darauf, diese Prozesse im Alltag zu sichern. Dies geschieht durch schriftliche Selbstkontrolle. Die praktische Handhabung des Partikularexamens und seine Wirkungen lassen sich modellhaft an der Biographie Josef >>Englings verfolgen. Theorie und Praxis des Partikularexamens nach P. Kentenich sind bei aller Ähnlichkeit nicht ohne weiteres identisch mit den ignatianischen Erforschungen (allgemeine und besondere Gewissenserforschung).

>Persönliches Ideal, >>Selbsterziehung


Literatur:

  • Die religiösen Übungen, Band 1, 1992, 85 123
  • Kastner, Ferdinand, Unter dem Schutze Mariens. Untersuchungen und Dokumente aus der Frühzeit Schönstatts 1912-1914, Limburg 1939 (1952), 324-332
  • J. Kentenich, Der erlöste Mensch. Priesterexerzitien 1935/1936, verv.S, A 4, 112 S., 102 f.
  • J. Kentenich, Desiderio desideravi. Milwaukee-Terziat (1962-1963), verv., A 5, elf Bände Bd VI, 186-208

Schönstatt-Lexikon:

Herausgeber: Internationales Josef-Kentenich-Institut für Forschung und Lehre e.V. (IKF)

Verlag: Patris-Verlag, Vallendar-Schönstatt – All rights by Patris-Verlag – www.patris-verlag.de

Online-Präsentation: Josef-Kentenich-Institut e.V. (JKI) – www.j-k-i.de

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