Partner

Partner

Herbert King

1. Der neue Mensch
2. Autorität und Gehorsam
3. Anwendung auf das Gottesverhältnis

1. Der neue Mensch

„Partner“ ist ein häufiges Wort im Vokabular J. Kentenichs. Es gehört zu seiner Sicht des >>neuen Menschen. Dieser ist gekennzeichnet durch >>Freiheit, Selbständigkeit, Selbsttätigkeit und Eigenverantwortung. Das bedeutet nicht nur ein Ideal für den einzelnen, sondern auch eine Sicht des Mitmenschen, der als eigenständig, ebenbürtig und, bei aller Ungleichheit, gleichwertig gesehen wird. Es liegt in der Logik und inneren Dynamik dieses Ansatzes, dass den mitmenschlichen Beziehungen ein Zug hin zum ausdrücklich Gegenseitigen und Partnerschaftlichen eigen ist. Partnerschaft ist die Form gemeinsamer Verantwortung in Selbständigkeit und Eigeninitiative der einzelnen. Sie ist das innere Leitbild einer in Verantwortung und Liebe gebundenen Selbständigkeit und Autonomie. So ist Partnerschaft ein Synthesewort.

Von hier aus wird die zentrale Bedeutung verständlich, die Pater Kentenich dem >>Spannungsprinzip gibt. Besonders zum Tragen kommt die Gegenseitigkeit und Partnerschaft im ausdrücklichen Vertrag (>>Vertragsweihe). Kentenich hat den gegenseitigen Vertrag zur zentralen rechtlichen Bindung für die von ihm gegründeten >>Säkularinstitute gemacht. Ein tragendes soziologisch-rechtliches Element der zeitgenössischen Kultur wird dadurch in seiner Bedeutung anerkannt und durch die „Weihe“ gleichzeitig in den innersten Bereich der religiösen Hingabe aufgenommen. Und über seine rechtliche Bedeutung hinaus soll der Vertrag Symbol für eine Menschen- und Gemeinschaftsauffassung sein.

2. Autorität und Gehorsam

Der Ansatz bei der Eigenständigkeit des Individuums bringt eine neue Zuordnung derselben zur Abhängigkeit und Einbindung mit sich. Dies betrifft deutlich das Verhältnis von >>Autorität und >>Gehorsam sowie speziell den pädagogischen Bereich. Pater Kentenich geht in seinen Vorstellungen zwar weit auf ein partnerschaftliches Verhältnis zu, will aber doch ein Gefälle von Väterlichkeit bzw. Mütterlichkeit und >>Kindlichkeit, von Autorität und Gehorsam festgehalten wissen. Im Maß der Begriff Partnerschaft in den sechziger Jahren in der westlichen Kultur durchgehend wichtig wurde, sah sich Kentenich veranlasst, den Zusammenhang zwischen dem kindlichen und dem partnerschaftlichen Element noch einmal deutlicher herauszuarbeiten. Zum einen hatte er Sorge, dass Kindlichkeit und Väterlichkeit bzw. Mütterlichkeit zu kurz kommen – gerade an dieser Stelle hat er ein Leben lang viele wichtige Beobachtungen, vor allem psychologischer Art, sammeln und reflektieren können. Der neue Mensch ist eben auch der organisch-eingebundene kindliche Mensch.

Zum anderen hebt er hervor, dass in seiner Sicht das kindlich-väterliche bzw. kindlich-mütterliche Verhältnis sogar mehr an echter Gegenseitigkeit ausdrückt als Partnerschaftlichkeit. So kann er sagen: „Im Ausmaße als Brüderschaft, Schwesternschaft, Partnerschaft betont wird, müsste auch die Vaterschaft betont werden“ (PrExWü 1966, 118). Es ist allerdings eine neu verstandene Vaterschaft (und Mutterschaft): „Gesunde Vaterschaft schließt in sich alles, was man heute sagen will mit Partnerschaft“ (ebd., vergl. auch VP 1967 II, 38, RomV 1965 III, 46 f.).

3. Anwendung auf das Gottesverhältnis

(>>Liebesbündnis, >>Bundesspiritualität). Wenn J. Kentenich den Begriff Partner im Zusammenhang mit dem Liebesbündnis mit Gott bzw. der Gottesmutter Maria verwendet, spielen dabei zum einen psychologische Einsichten und seine Sicht des neuen Menschen eine wichtige Rolle. J. Kentenich ist allen Aussagen gegenüber sehr sensibilisiert, die im Menschen seinen Hang zu Minderwertigkeitsgefühlen verstärken oder religiös rechtfertigen könnten (>>Demut). „Wir sind in unserem Verhältnis zu Gott zu so großen Minderwertigkeitsgefühlen erzogen“ (UMS 1945, 125). Deshalb sein Bemühen, dass der Mensch Gott gegenüber ein deutliches Ichbewusstsein entwickelt und dieses nicht vorschnell oder dauernd durch Bedenken der Geschöpflichkeit und Sündhaftigkeit zu sehr verunsichert oder gar verunmöglicht wird. Das Liebesbündnis soll einem fehlenden oder verwundeten Selbstbewusstsein gegenüber heilend und befreiend wirken.

„Ich erlebe mich auch als ein Partner, ein eigenständiger Partner, origineller Partner… Gilt natürlich auch für die übernatürliche Ebene, weil sich die natürliche und die übernatürliche Ebene ja gegenseitig ergänzen. Was das wiederum besagt: die Rechtfertigung, originelle Rechtfertigung meines Seins Gott gegenüber“ (Vortr 25.7.1966, 244). Und doch ist für J. Kentenich sehr klar, dass jede Verwendung menschlicher Vorstellungen auf Gott analog zu verstehen ist. Das gilt allerdings auch von der Kindlichkeit, die zunächst der adäquatere Ausdruck des gott-menschlichen Verhältnisses zu sein scheint.

Aus seiner Sicht des Menschen heraus entdeckt J. Kentenich aber auch, dass ein solches Denken noch einmal neu Licht auf die Offenbarung in Jesus Christus wirft. Diese sagt uns, dass Gott ganz anders ist, als der Mensch sich ihn denkt, ganz anders auch und gerade im Sinne der Nähe, nicht nur der Ferne. Gott ist menschlicher, als wir Menschen ihn uns denken dürfen. Hier kommt der Glaube zu Hilfe. Gott ist Mensch geworden und ist es bleibend geblieben. Im Bund geht Gott auf den Menschen zu, weit über das hinaus, was wir erwarten können, wenn wir auf unsere menschlichen Vorstellungen und Denkbewegungen allein angewiesen sind. Gott bietet dem Menschen eine spezielle Freundschaft an. Damit diese auch vonseiten des Menschen möglich ist, „erhöht“ er diesen durch die >>Gnade (>>Gotteskindschaft). Die Kirchenväter (und Pater Kentenich) reden gelegentlich sogar von „Vergöttlichung“ des Menschen. Diesen durch die Gnade zur Gottesfreundschaft befähigten Menschen sieht P. Kentenich besonders in Maria verwirklicht (vgl. seine Interpretation des Verkündigungsereignisses Lk 1,26-38).

Insgesamt dürfen wir sagen, dass J. Kentenich weit davon entfernt ist, im Menschen einen Konkurrenten Gottes zu sehen. Die Ehre Gottes ist erst dann seine eigentliche Ehre, wenn auch der Mensch geehrt ist. Dies durchzieht und prägt seine ganze Spiritualität.


Schönstatt-Lexikon:

Herausgeber: Internationales Josef-Kentenich-Institut für Forschung und Lehre e.V. (IKF)

Verlag: Patris-Verlag, Vallendar-Schönstatt – All rights by Patris-Verlag – www.patris-verlag.de

Online-Präsentation: Josef-Kentenich-Institut e.V. (JKI) – www.j-k-i.de

Back

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen