Person

Person

Herta Schlosser

Der philosophisch-theologische Personbegriff ist traditionell geprägt durch die Definition des Boethius – persona est naturae rationalis individua substantia -, frei übersetzt: Eine in sich stehende, individuelle, geistige Wirklichkeit. Jenes konkrete Individuum, das die geistigen Fähigkeiten Erkennen und Wollen besitzt und diese auf sich selbst richtet, ist Person. Selbstvollzug der Person geschieht durch ich sagendes Selbstbewusstsein und durch freie Selbstverfügung (Selbstbestimmung). Die abendländische Philosophie hatte mehr das Moment des Selbstandes herausgearbeitet. Im Personalismus, einem Phänomen der jüngsten Philosophiegeschichte, wird das Moment der Beziehung (Ich Du Relation) stärker thematisiert.

Pater Kentenich bezieht in sein Verständnis von Person beide Ansätze ein (vgl. PhErz 1961, 45). Der Mensch ist als Ebenbild Gottes das Wesen, „das kraft innerer Anlage Ich und Du sagen kann und will und muß“ (MME 1954, 339). Der Mensch ist „einsam und insofern für sich“, einmalig in seinem >>Sein, in seiner Aufgabe und in seiner Berufung. Daraus folgt „Geschlossensein in sich“, eine unauslotbare Tiefe und daher ein Rest von Nicht-Mitteilbarkeit. Der Mensch als Person ist das Wesen, das „selbständig und selbstmächtig, das innerlich frei und verantwortungsbewusst auf sich selbst gestellt ist und sein muß“ (MME 1954, 339 f.).

Zum Wesen der menschlichen Person gehört aber gleichzeitig und gleicherweise „das Geöffnetsein für ein persönliches Du“. Das Ich kann nur so Pater Kentenich durch passives Aufgenommensein durch das Du und aktives Aufnehmen des Du „innerlich reif und vollkommen, tragfähig und schöpferisch“ werden. Personsein bedeutet demnach sowohl „Selbstbewahrung und Selbstentfaltung“ „persona est ad se“ als auch Hinbezogensein auf ein personales Du, auf Gemeinsamkeit „persona est ad alium“ (MME 1954, 339 f.). Das Verständnis des Menschen als Person ist bei Pater Kentenich Zielpunkt seiner vielfältigen anthropologischen Perspektiven. Die Person hat ihren Sinn in sich selbst und ist daher nie auf Funktionen zu reduzieren. Besonders betont Pater Kentenich den Prozesscharakter des Menschseins: Die Person soll ausreifen zur originellen Persönlichkeit (>>Persönliches Ideal).


Literatur:

  • J. Kentenich, Maria – Mutter und Erzieherin. Eine angewandte Mariologie (Fastenpredigten 1954), Vallendar-Schönstatt 1973, 456 S., 338-418
  • J. Kentenich, What is my philosophy of education?, in: Philosophie der Erziehung. Prinzipien zur Formung eines neuen Menschen und Gemeinschaftstyps. Bearbeitet von Herta Schlosser, Vallendar 1991, 39-89.
  • H. Schlosser, Marxistisch-leninistische Theorie der Persönlichkeit. Tendenzen und Probleme, Bonn 1988, 201-240
  • dies., Personalismus und Marxismus. Ich-Du-Relation und Vergegenständlichung in ihrer Bedeutung für die Person, in: dies., Zeitgeist – Geist der Zeit. 30 Jahre Marxismusforschung. Problemzugänge – Problemerhellung. Antworten aus der Spiritualität Schönstatts, Vallendar 1995, 248-262.
  • K. Wojtyla, Person und Tat, Freiburg 1981.

Schönstatt-Lexikon:

Herausgeber: Internationales Josef-Kentenich-Institut für Forschung und Lehre e.V. (IKF)

Verlag: Patris-Verlag, Vallendar-Schönstatt – All rights by Patris-Verlag – www.patris-verlag.de

Online-Präsentation: Josef-Kentenich-Institut e.V. (JKI) – www.j-k-i.de

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