Praeambula fidei irrationabilia

Praeambula fidei irrationabilia

Otto Amberger

Den Begriff „praeambula fidei irrationabilia“ übernimmt Kentenich von Linus Bopp. Dieser unterscheidet affektive, aszetische und erfahrungsmäßige „Vor-Erlebnisse“ des Glaubens (praeambula fidei irrationabilia) und sieht sie als wichtige Ergänzung der rationalen „Vor-Erkenntnisse“ (praeambula fidei rationabilia) an. Wurde in der traditionellen Lehre über die „praeambula fidei“ (z.B. Existenz Gottes, Geistigkeit der Seele) vor allem die Bedeutung der Vorerkenntnisse für den Glauben hervorgehoben, so legt Kentenich den Akzent auf den Bereich des Psychologischen (irrationabilia), insofern hier schon durch das unbewusste Erlebnis geglückter menschlicher Liebe das Erlebnis Gottes als ganzheitliches personales Erlebnis grundgelegt wird. Dabei weist er einführend stets auf die Zeitsituation hin, dass nämlich nach seiner Meinung die Schwierigkeiten, die er für den Glauben in der modernen Zeit sieht, weniger im rationalen Bereich liegen, sondern vielmehr im Vor-Rationalen. Die „praeambula fidei rationabilia“ als Vorerkenntnisse möchte er in ihrer Bedeutung für den Glauben nicht missen, aber sie sind eben nicht hinreichend, um den Glaubensproblemen der Zeit des 20. Jahrhunderts zu begegnen.

In Ergänzung der rationalen Vorerkenntnisse spricht er daher von „Vorerlebnissen“ als „praeambula fidei irrationabilia“. Zu beachten ist, dass die „Vorerlebnisse“, wie Kentenich sie versteht, dem Glauben nicht nur vorangehen und ihn vorbereiten. Sie begleiten vielmehr den biographischen Glaubensweg als einen zeitlebens nicht abgeschlossenen Prozess der Glaubenserkenntnis in allen Etappen (Vgl. CN 1955, 603). Als solche sind sie daher nicht nur „Vorerlebnisse“, sondern auch „Mit- und Nacherlebnisse“ (RomV 1965 II, 317 f.). Die Intention Kentenichs ist es dabei, möglichst viele Brücken von den existentiellen Erfahrungen des Menschen zum Glauben zu schlagen, ohne die Schwierigkeiten, die mit diesem Unternehmen verbunden sind, zu übersehen (Vgl. KvG 1937, 470). Glückt diese Verknüpfung, so kann dem Menschen zu einer affektiven (Ehrfurcht, Scheu, Sinn für Reinheit), aszetischen (Grenzerlebnisse, Schuld) und erlebnismäßigen Disposition (Vater- und Muttererlebnisse, Begegnung mit Menschen als „Transparenten“ Gottes) verholfen werden, aus der heraus er mit dem durch das Glaubenslicht erleuchteten Verstand „ein herzhaftes Ja“ (DD 1963 XI, 81), also mit seiner ganzen Person, zu dem sich offenbarenden Gott sagen kann. Hierin eingeschlossen ist all das, was Gott dem einzelnen auf seinem biographischen Pilgerweg des Glaubens durch vorsehungsgläubiges Erkennen zeigt.


Literatur:

  • J. Kentenich, Liturgische Werktagsheiligkeit, gehalten im August 1938, verv. A 5, 93 und 112 S., 15
  • J. Kentenich, Vom Schönstattgeheimnis. Tagung vom 29.7. bis 3.8.1940, verv., A 4, 16 S., 9
  • J. Kentenich, Studie aus dem Jahr 1949. Brief vom 31. Mai 1949. ‚Antwort auf den Bericht‘, verv.W, A 5, 421 S., 374
  • J. Kentenich, Grundriß einer neuzeitlichen Pädagogik für den katholischen Erzieher. Vorträge der Pädagogischen Tagung 1950, Vallendar-Schönstatt 1971, 57 59
  • J. Kentenich, 1. Pädagogische Tagung Chile (6.-8.3.1951), verv., A 5, 229 S., 113 f.
  • J. Kentenich, Daß neue Menschen werden. Eine pädagogische Religionspsychologie. Vorträge der Pädagogische Tagung 1951. Bearbeitete Nachschrift, Vallendar-Schönstatt 1971, 264 S., 155 f.
  • J. Kentenich, Chroniknotizen (Beginn 20. September 1955), masch., A 4, 614 S., 603
  • J. Kentenich, Rom-Vorträge. Vorträge für die Leitungen der Schönstätter Verbände in Rom (17. November 1965 – 2. Februar 1966), verv., A 5, vier Bände, 237+321+283+308 S. 1965 II, 318 320
  • J. Kentenich, Exerzitien für das internationale Studentat in Münster (22.-25.8.1967), verv., A 5, 260 S., 59 63
  • J. Kentenich, Exerzitien für die pars motrix et centralis (27.11.-1.12.1967), verv., A 5, 213+234 S. II, 43 46.
  • O. Amberger, Glaubenserkenntnis, Vallendar-Schönstatt 1994, 182-194
  • H.W. Unkel, Leben aus dem praktischen Vorsehungsglauben II, Vallendar-Schönstatt 1980, 20 28
  • E. Zillekens, Der Glaube und was ihm vorausgeht, Regnum 6 (1971) 25-32
  • ders., Experimentelle Voraussetzungen des Glaubens, Regnum 7 (1972) 22-27
  • G. Muschalek, Art. Praeambula fidei, LThK▓ VIII, 653 657
  • L. Bopp, Christlicher Edelmut zur Ungeborgenheit. Buch der liturgischen Opfer und Gefahrweihe, Freiburg i.Br. 1937.

Schönstatt-Lexikon:

Herausgeber: Internationales Josef-Kentenich-Institut für Forschung und Lehre e.V. (IKF)

Verlag: Patris-Verlag, Vallendar-Schönstatt – All rights by Patris-Verlag – www.patris-verlag.de

Online-Präsentation: Josef-Kentenich-Institut e.V. (JKI) – www.j-k-i.de

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