Prinzip

Prinzip

Lothar Penners

Das Denken J. Kentenichs enthält verhältnismäßig zahlreiche Momente, die in irgendeiner Weise auf die Erfassung übergreifender Geltung gerichtet sind: „Prinzipien, Gesetzmäßigkeiten, Grundsätze…“. Mit der Herausstellung solcherart grundsätzlicher Wahrheitsmomente zeigt sich sein Bemühen, der konkreten Lebensgestaltung hilfreiche Orientierungsmarken an die Hand zu geben.

1. Das Denken J. Kentenichs kennt unterschiedliche Typen von Prinzipien. Er ist selbst schöpferisch in der Artikulation grundsätzlicher Zusammenhänge; darüber weiß er offensichtlich bereits erarbeitete „Prinzipien“ philosophischer und theologischer Art reflexiv einzubringen und mit ihnen zu arbeiten, wenn aktuelle Fragestellungen dies erforderlich machen.

2. J. Kentenich entwickelt selbst eine Reihe von Prinzipien, die der Verwirklichung etwa seiner originellen Vision vom „neuen Menschen in der neuen Gemeinschaft“ dienen. Hierfür kann u. a. gedacht werden an die sozialen Gesetzmäßigkeiten des so genannten allgemeinen >>Baugesetzes, des >>Regierungs- und >>Organisationsprinzips. Diese Grundsätze entspringen zweifellos einer ausgesprochen christlichen Grundmentalität, können aber nicht einfach aus der kirchlichen Tradition abgeleitet werden, auch wenn sie diese wahren und fortführen wollen. Sie gewinnen ihre Plausibilität zunächst und vor allem aus der originellen Intuition und Vision des Gründers J. Kentenichs selbst. Man kann sie in gewisser Weise als Realisationsprinzipien seiner Uridee bezeichnen, welche dieser zu ihrer sozialen, pädagogischen oder spirituellen „Form“ verhelfen sollen. Er erwartet von den Lebensträgern seiner Gründung, dass sie sich um reflexive Klarheit der grundlegenden Wahrheiten seines Konzeptes bemühen.

3. Zu den Prinzipien, welche J. Kentenich aus der katholischen Tradition übernimmt und die für ihn herausragende Bedeutung haben, gehören die „axiomatischen“ Wahrheiten, welche etwa seiner „Erziehungsphilosophie“ zugrunde liegen:
– Ordo essendi est ordo agendi (Die Ordnung des Seins bestimmt die Ordnung des Handelns)
– Gratia praesupponit naturam (Die Gnade setzt die Natur voraus).
– Das Weltgrundgesetz der Liebe (Gott tut alles, durch und für Liebe).

Wenngleich diese Grundsätze von J. Kentenich vorgefunden wurden, zeigt sich bei ihm nicht nur eine schöpferische Anwendung, sondern nicht selten gerade auch eine differenziertere Wahrnehmung des in ihnen Gefassten als in der gängigen Tradition (vgl. etwa die anthropologische Differenzierung im >>“Sein“ des Menschen).

4. Über diese Art axiomatischer Wahrheiten, die er rezipiert, hinaus entwickelt J. Kentenich „Prinzipien“ für bestimmte Lebensvorgänge und Lebensbereiche, die er beobachtet und sprachlich fasst, nicht nur um selbst mit ihnen zu arbeiten, sondern um sie der allgemeinen Diskussion zugänglich zu machen. Hierfür kann etwa namentlich verwiesen werden auf das „Gesetz der organischen Übertragung und Weiterleitung“ und seinen Gesamtzusamenhang mit den übrigen >>Weltgesetzen.

5. Die Kategorie „Prinzip“ hat im Sprachgebrauch J. Kentenichs eine eher weite und darum analoge Bedeutung. Diese umfasst sowohl streng a priorisch geltende Handlungsnormen (wie im Grundsatz: ordo essendi est ordo agendi), beobachtete Gesetzmäßigkeiten, die grundsätzlich immer auch Ausnahmen kennen bis hin zu bloßen Handlungsmaximen („Grundsätze“), welche Orientierung bieten wollen, aber im Einzelfall oder wechselnden Verhältnissen eine sinngemäße Abwandlung erfordern.

6. Der Sinn prinzipienhafter Orientierung bei J. Kentenich ist es, abgesehen vom Wahrheitswert als solchem, anzuleiten zu eigenverantwortlichem Handeln und selbständiger Lebensgestaltung. Im Ganzen erstrebt er den Ausgleich zwischen reflexiv-vorsatzmäßiger und spontan-intuitiver Einstellung (etwa im sog. „Schicklichkeitsempfinden“) auf gegebene Lebenssituationen. Zur Grundsatzorientierung bei Kentenich gehört vor allen Dingen immer auch die Wahrung innerer Freiheit und der Sinn für die sinnvolle Ausnahme da, wo es sich nicht um im engeren Sinne bindende Normen handelt.


Literatur:

  • J. Kentenich, Vorgründungsurkunde vom 27.10.1912, in: Schönstatt Die Gründungsurkunden, Vallendar-Schönstatt 1967, 9-20
  • J. Kentenich, What is my philosophy of education?, in: Philosophie der Erziehung. Prinzipien zur Formung eines neuen Menschen und Gemeinschaftstyps. Bearbeitet von Herta Schlosser, Vallendar 1991, 39-89.
  • L. Penners, Eine Pädagogik des Katholischen, Vallendar-Schönstatt 1983.
  • W. Brugger, Art. Prinzip, in: Philosophisches Wörterbuch Freiburg 111964
  • Art. Prinzip, in: Historisches Wörterbuch der Philosophie 7, 1336 ff.

Schönstatt-Lexikon:

Herausgeber: Internationales Josef-Kentenich-Institut für Forschung und Lehre e.V. (IKF)

Verlag: Patris-Verlag, Vallendar-Schönstatt – All rights by Patris-Verlag – www.patris-verlag.de

Online-Präsentation: Josef-Kentenich-Institut e.V. (JKI) – www.j-k-i.de

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