Säkularinstitut der Schönstätter Marienschwestern

Säkularinstitut der Schönstätter Marienschwestern

M. Pia Buesge

Das Institut der Schönstätter Marienschwestern ist der erste von Pater Kentenich gegründete >>“Verband“ des Schönstattwerkes und das erste >>Säkularinstitut, das in Deutschland entstand. Es ist in allen Kontinenten der Erde verbreitet und hat seine Zentrale auf Berg Schönstatt bei Vallendar am Rhein.

1. Entstehungs und Gründungsgeschichte

Eine bewegte Gründungsgeschichte kennzeichnet das Institut. Kardinal von Galen sagte im Blick auf die Gründung der Schwesterngemeinschaft zu Pater Kentenich: „Sie haben schrecklich viel gewagt.“ Das Wagnis bestand darin, dass Pater Kentenich eine auf der ganzen Linie neuartige religiöse Gemeinschaft ins Leben rief, für die es damals in der kirchlichen Öffentlichkeit noch kaum Verständnis und zudem noch keinen Platz im Kirchenrecht gab.

1920 hatten sich die ersten Frauen der >>Apostolischen Bewegung von Schönstatt angeschlossen. Das rasche Wachstum der Frauenbewegung zeigte Pater Kentenich, dass Gott den Frauen in Schönstatt eine besondere Aufgabe zugedacht hatte. Es bestärkte ihn, die Frauenbewegung weiter auszubauen und aus ihr führende Mitarbeiterinnen für das Schönstattwerk zu gewinnen. 1924 äußerte er zum ersten Mal, das Werk brauche „berufsmäßige Bundesschwestern“, d.h. Frauen, die sich für eine hauptberufliche Mitarbeit im Schönstattwerk freimachen könnten. Am 1. Oktober 1926 gründete Pater Kentenich mit den ersten Frauen, die inzwischen nach Schönstatt gekommen waren, die Gemeinschaft der Schönstätter Marienschwestern. Ein weiterer Verband, das >>Säkularinstitut Frauen von Schönstatt, ging 1946 aus der gemeinsamen Wurzel des >>Schönstatt-Frauenbundes hervor.

So bescheiden die Anfänge waren, so schwierig die geistige und wirtschaftliche Situation nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland sich gestaltete, so gesegnet war die Entwicklung, die die Gründung der Schönstätter Marienschwestern innerhalb weniger Jahre nahm. Sie entfaltete eine überraschende Dynamik nach innen und nach außen. Ende 1933 entsandte Pater Kentenich die ersten Mitglieder nach Südafrika. Weitere Aussendungen in verschiedene Länder Südamerikas folgten. Zeitgleich entwickelte sich in Schönstatt der Zweig der Anbetungsschwestern, der 1962 als Provinz konstituiert wurde. Beide Entwicklungen – die Missions- und die Anbetungsbewegung – befruchteten sich gegenseitig. Ende der Dreißiger Jahre ging die Zahl der Mitglieder des Instituts bereits auf das erste Tausend zu.

Die außergewöhnliche Fruchtbarkeit der Gemeinschaft beruhte nicht zuletzt auf ihrer neuartigen Seins und Lebensform. Pater Kentenich zielte von Anfang an „auf einen neuartigen Typ im Rahmen des (damals so genannten) Vollkommenheitsstandes: auf den gelübdelosen, aber vollkommenen Menschen in der gelübdelosen, aber vollkommenen Gemeinschaft“ (J. Kentenich, Säkularität als Sein, Regnum 7 [1972] 68). Aus den Lebensvollzügen und Entwicklungsprozessen innerhalb der Gemeinschaft erkannte er den Willen Gottes in Bezug auf ihre Struktur. So entstanden z.B. die freien Gemeinschaften (Kurse), in denen sich auf originelle Weise Selbständigkeit, Eigentätigkeit und Mitverantwortung entfalten und Beheimatung erfahren wird.

Mit der zunehmenden nationalsozialistischen Kirchenverfolgung und dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges kam für die Gemeinschaft die erste große Belastungsprobe. Der Laiencharakter des Institutes ermöglichte es auch in dieser Zeit, trotz antikirchlicher Staatsgesetze jährlich neue Mitglieder aufzunehmen. Es bildete sich die Lebensform der Externen heraus, die Pater Kentenich als gottgewollt erkannt hatte und die fortan als ein Wesenselement der Gemeinschaft festgehalten wurde.

Nach Kriegsende konnten nicht nur die schon im Ausland wirkenden Gruppen verstärkt, sondern auch Mitglieder in neue Länder entsandt werden: nach den USA und nach Australien, auch in Länder des ehemaligen kommunistischen Ostblocks. In letzteren lebten viele von ihnen anonym.

1951 setzte eine Prüfung durch die kirchliche Autorität ein. Sie erstreckte sich über 14 Jahre. Während dieser Zeit wurde der Gründer von seinem Werk getrennt. Unbeschadet dieser Belastung erfuhr das Institut der Schönstätter Marienschwestern ein fortwährendes Wachstum nach innen und außen.

Pater Kentenich konnte 1965 nach seiner Heimkehr und Rehabilitierung noch einmal intensiv die Formung der Gemeinschaft in die Hand nehmen. Unter seiner Leitung fand 1967 ein Generalkapitel auf Berg Schönstatt statt. Dieses wurde zum krönenden Abschluss seines Lebens und Wirkens als Gründer und geistlicher Vater der Schönstätter Marienschwestern.

2. Originalität und Sendung der Gemeinschaft

Wie die anderen Säkularinstitute Schönstatts sieht das Institut der Schönstätter Marienschwestern seine Säkularität nicht primär in äußeren Lebensformen begründet, sondern im Sein verankert. Auf der Basis einer naturrechtlichen Bindung an die Gemeinschaft, mit der eine Weihe an Gott verbunden ist und durch die der laikale Weltbezug gewährleistet ist, kennt und verwirklicht das Institut eine große Bandbreite unterschiedlicher Lebensformen: von aktiver Tätigkeit im Apostolat bis hin zum betend-beschaulichen Leben der Anbetungsschwestern und Einsiedlerinnen; vom Leben in ständiger Dach- und Tischgemeinschaft (als Interne) bis hin zum Leben und Wirken auf Einzelposten (als Externe). Das äußere Erscheinungsbild – mit oder ohne einheitliches Kleid – wechselt je nach den Möglichkeiten im Apostolat. Diese Spannbreite der Lebensformen gibt dem Institut eine Dynamik und Flexibilität und ermöglicht ein vielfältiges Wirken als Sauerteig inmitten der Welt. Sie lässt die Gemeinschaft als ein „Bindeglied zwischen Welt- und Ordensleuten“ (J. Kentenich) erscheinen. In ihr ist aufgefangen, was sich in der Tradition der Kirche bewährt hat, aber das Bewährte wurde mit neuen Elementen verbunden.

Da das Institut ausgesprochenen Familiencharakter hat – an der Spitze stehen geistliche Eltern und da die Mitglieder zeitweise oder immer in Dach- und Tischgemeinschaft leben, werden nicht nur eigenständige, sondern auch gemeinschaftsfähige Persönlichkeiten herangebildet. Das Anliegen des Gründers, der Kirche einen neuen Gemeinschaftstyp zu schenken, sucht das Institut modellhaft zu verwirklichen.

Alle Mitglieder des Institutes wissen sich von Gott und der Gottesmutter gerufen, mit den anderen Verbänden und mit den Bünden „Seele“ des Schönstattwerkes zu sein. Von Anfang an arbeiteten Schwestern an der Zentrale des Schönstattwerkes verantwortlich mit. Diese Mitarbeit wurde vom Gründer im Laufe der Zeit organisatorisch weiter entfaltet. 1966 wurde die so genannte „Dynamische Provinz“ errichtet, deren Mitglieder hauptberuflich den Gliedgemeinschaften des Schönstattwerkes dienen. Auch in den „statischen“ oder territorialen Provinzen arbeiten Schönstätter Marienschwestern, haupt- oder nebenberuflich, in der Bewegung mit.

Pater Kentenich hat zeitlebens dem Verband der Schönstätter Marienschwestern eine entscheidende Bedeutung innerhalb des Schönstattwerkes zuerkannt. Er sagte 1961: „dass das Institut als Erstling am weitesten entwickelt ist und dass es von vorne herein bewusst dafür benutzt wurde, um einen Ideal- oder Modellfall zu schaffen, der sich in Anpassung an Verhältnisse und Geschlecht mutatis mutandis auf die anderen Gliederungen übertragen lässt“ (AutFr 1961, 110 f.). Er schenkte dem Institut soviel Kraft, Zeit und Aufmerksamkeit, weil er in ihm „wie in einem Spiegel nach dem Gesetze der ausgezeichneten Fälle das ganze Werk in seinen verschiedenen Abstufungen symbolisiert“ sah (AutFr 1961, 111).

3. Kirchenrechtlicher Stand

Am 20. Mai 1948 wurde das Säkularinstitut der Schönstätter Marienschwestern durch Erzbischof Bornewasser von Trier diözesanrechtlich errichtet und am 18. Oktober desselben Jahres durch ein Prodecretum laudis zum Institut päpstlichen Rechtes erhoben. 1976 wurde ihm das Decretum laudis erteilt. Seine Satzungen, zunächst ad experimentum gebilligt, wurden 1994 von der „Kongregation für die Institute des Gottgeweihten Lebens und die Gesellschaften des Apostolischen Lebens“ approbiert.

4. Mitgliederstand und internationale Verbreitung

Am 1. Januar 1996 betrug die Zahl der Mitglieder des Instituts 2745. Diese stammen aus 36 Nationen. Schönstätter Marienschwestern sind in 14 europäischen und in 15 überseeischen Ländern tätig.


Literatur:

  • A. Menningen, 50 Jahre Schönstätter Marienschwestern – Zeugnis des Gründers. Festvortrag zum Goldenen Jubiläum des Säkularinstitutes der Schönstätter Marienschwestern am 1. Juli 1976, Regnum 11 (1976) 147-153
  • G. Rocca, Art. Sorelle di Maria, di Schönstatt, Dizionario degli Istituti di Perfezione VIII, Rom 1988, 1906 1907
  • Säkularinstitut Schönstätter Marienschwestern (Hrsg.), Im Schatten des Heiligtums. Säkularinstitut Schönstätter Marienschwestern 1926-1976, Vallendar-Schönstatt 1976.

Schönstatt-Lexikon:

Herausgeber: Internationales Josef-Kentenich-Institut für Forschung und Lehre e.V. (IKF)

Verlag: Patris-Verlag, Vallendar-Schönstatt – All rights by Patris-Verlag – www.patris-verlag.de

Online-Präsentation: Josef-Kentenich-Institut e.V. (JKI) – www.j-k-i.de

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