Säkularinstitute

Säkularinstitute

Gertrud Pollak

Derzeit existieren weltweit ca. 140 Säkularinstitute für Laien und Priester mit etwa 50.000 Mitgliedern. Soziologisch gesehen sind diese unverheiratete Frauen und Männer, an denen in der Regel keine äußerlich erkennbaren Merkmale anzeigen, dass sie eine Lebensentscheidung für die >>evangelischen Räte getroffen haben. Ihre geistliche Lebensform führt diese Laien und Priester nicht weg aus ihrem Beruf und den alltäglichen Lebensbedingungen anderer Getaufter. Ihre leitende Idee und ihr Spezifikum einer „geweihten Welthaftigkeit“ sprengte vor ihrer kirchenrechtlichen Anerkennung 1947 durch die Konstitution >>Provida Mater die herkömmlichen Einteilungskriterien möglicher christlicher Lebensformen. Durch Jahrhunderte hindurch wurden ganzer Einsatz in der Welt und eine gleichzeitige Distanzierung von ihr durch die Verpflichtung auf die evangelischen Räte als unvereinbare Gegensätze bewertet. Dann unterstrich Papst Pius XII. in Provida Mater genau dies als ihr Spezifikum die evangelischen Räte in der Welt und mit den Mitteln der Welt, dh. unter den gewöhnlichen gesellschaftlichen Bedingungen eines jeden Christen, zu leben. Mitglieder von Säkularinstituten sind keine Religiosen, sondern Laien oder Priester, deren ganzes Leben welthaftes Gebet und >>Apostolat sein soll. 1948 präzisiert der Papst im Motu Proprio „Primo Feliciter“, dass die eigentliche Existenzberechtigung dieser neuen Lebensform im „Weltcharakter“ (character saecularis) liege.

J. Kentenich begrüßte diese neue rechtliche Möglichkeit, denn die von ihm im Schönstattwerk schon gegründeten >>Verbände der Marienschwestern, Frauen von Schönstatt, der Marienbrüder, der Schönstatt-Patres und der Diözesanpriester konnten auf dieser Rechtsgrundlage ihren Ort innerhalb der Kirche finden. Zwei Tage nach Veröffentlichung von Provida Mater, am 14. März 1947, dankte Kentenich Papst Pius XII. in einer Privataudienz für diesen Schritt und versprach, mitzuhelfen, dass die Säkularinstitute der Kirche einen ähnlich wertvollen Dienst erweisen, wie die herkömmlichen Orden und Kongregationen vor allem im Blick auf eine neue Gesellschaftsordnung.

Dieses innere Anliegen ist mit anderen spirituellen Strömungen gewachsen, die sich um die Stellung und Verantwortung des Laien mühten und christliches Engagement in einer säkularisierten Gesellschaft lebten (z.B. Katholische Aktion). Manche späteren Säkularinstitute wurden unter dieser Zielperspektive schon vor Provida Mater gegründet und dann nach 1947 in der neuen kanonistischen Kategorie anerkannt.

Die Wurzeln schönstättischer Säkularinstitute reichen zurück bis zum Apostolischen Bund, aus dem sich 1926 die Marienschwestern als erstes schönstättisches Säkularinstitut formierten. Aus der Gründungs und Entwicklungsgeschichte der Marienschwestern wird aber gerade auch deutlich, dass Kentenich eine eigene Sicht der Säkularinstitute entwickelt hatte, die sich in den Verbänden seines Werkes ausprägen sollte.

Der neue CIC von 1983 behandelt die Säkularinstitute in den Kanones 710 730 und definiert sie als „Institut des geweihten Lebens, in welchem in der Welt lebende Gläubige nach Vollkommenheit der Liebe streben und sich bemühen, zur Heiligung der Welt, vor allem von innen her, beizutragen.“ (CIC 710) In ihrer je eigenen Art versuchen sie vorzuleben, was Christsein unter den Bedingungen heutiger Gesellschaft und Kultur heißt. Papst Paul VI. beschrieb aus diesem Zusammenhang heraus die Säkularinstitute einmal mit einem Bild: „Versuchslaboratorien, in denen die Kirche die konkreten Möglichkeiten ihrer Beziehungen zur Welt testet.“ Durch die neue Sicht und Bedeutung des Laien und des Weltbezuges, den das Vatikanum II beschreibt, sowie durch das Aufkommen neuer Geistlicher Bewegungen verschieben sich derzeit die Konturen. Die Säkularinstitute sind herausgefordert, ihr Selbstverständnis nicht nur unter sich, sondern in Beziehung und Abgrenzung zu diesen neuen Entwicklungen zu klären.

>Verbände, >>Provida Mater


Literatur:

  • Die Beschränkung auf naturgesetzliche Bindungen als Wesensmerkmal der Schönstätter Säkularinstitute, Regnum 2 (1967) 12-16
  • Zur Weltlichkeit der Säkularinstitute, in: Regnum 4 (1969) 188-196
  • Säkularität als Sein, in: Regnum 7 (1973) 68-74
  • E. Braunbeck …, F.J. Errazuriz, Paul VI. und die Welthaftigkeit der Priester in den Säkularinstituten, Regnum 18 (1983), 134 141. 160 171
  • A. Menningen, Christ in welthafter Existenz, Vallendar Schönstatt 1969
  • G. Pollak, Der Aufbruch der Säkularinstitute und ihr theologischer Ort, Vallendar Schönstatt 1986
  • G. Pollak, Auf der Spur neuer Verbindlichkeit. Zur Bindungsform schönstättischer Säkularinstitute, Regnum 28 (1994), 99 107
  • H. Schlosser, Modellcharakter der Schönstätter Säkularinstitute, Regnum 12 (1977), 121 132
  • R. Weigand, Überlegungen zur Welthaftigkeit der Säkularinstitute, Regnum 2 (1967) 1-11
  • ders., Formen der Bindung in den Säkularinstituten, Regnum 22 (1988) 182-189

Schönstatt-Lexikon:

Herausgeber: Internationales Josef-Kentenich-Institut für Forschung und Lehre e.V. (IKF)

Verlag: Patris-Verlag, Vallendar-Schönstatt – All rights by Patris-Verlag – www.patris-verlag.de

Online-Präsentation: Josef-Kentenich-Institut e.V. (JKI) – www.j-k-i.de

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