Schönstatt, Struktur

Schönstatt, Struktur

Heinrich M. Hug / Joachim Schmiedl

1. Schönstatt als Organismus
2. Charakterisierung der Struktur Schönstatts
2.1. Schönstatt als Familie
2.2. Schönstatt als Werk
2.3. Schönstatt als Bewegung
3. Die historische Entfaltung

Das Schönstatt-Werk ist ein plurales und föderatives Gebilde von in sich autonomen Gemeinschaften (>>Verbände, >>Bund, >>Liga), deren Einheitsmomente ein gemeinsamer Ursprung sowie eine gemeinsame >>Spiritualität und Zielsetzung sind. Sie arbeiten auf lokaler, diözesaner, nationaler und internationaler Ebene zusammen.

1. Schönstatt als Organismus

Im Schönstatt-Werk sind im Verlauf eines mehrere Jahrzehnte dauernden Lebensprozesses viele strukturelle Formen entstanden, die nach Art eines Organismus beschrieben werden können. Dabei ordnen sich fest gefügte Gemeinschaften (Verbände, Bünde) und bewegungsmäßiger Charakter (Liga) einander zu. Es gibt z. Zt. innerhalb Schönstatts sechs Verbände (>>Schönstätter Marienschwestern, >>Säkularinstitut Frauen von Schönstatt, >>Schönstatt-Institut Marienbrüder, >>Schönstatt-Institut Familien, >>Schönstatt-Institut Diözesanpriester und >>Schönstatt-Patres), sieben Bundesgemeinschaften (>>Schönstatt-Frauenbund, >>Schönstatt-Priesterbund, >>Schönstatt-Familienbund, >>Schönstatt-Männerbund, >>Schönstatt-Mütterbund, >>Schönstatt-Krankenbund, >>Schönstatt-Jungmännerbund) und Liga-Gliederungen, deren Anzahl jedoch nach den einzelnen Ländern variiert. Hinzu kommen die >>Volks- und Wallfahrtsbewegung zu den Schönstatt-Heiligtümern sowie eine Reihe von Initiativkreisen und Projekten, deren Mitarbeiter verschiedenen Schönstatt-Gemeinschaften angehören können (z.B. berufsbezogene Arbeitskreise).

Gemeinsam ist allen Teilen die >>Spiritualität Schönstatts. Dadurch ist die lebensmäßige Gemeinsamkeit gesichert. Einende Mitte der Bewegung sind die drei >>Kontaktstellen: die Bindung an >>Maria im >>Liebesbündnis, an P. Josef >>Kentenich als dem Gründer der Bewegung und an das >>Heiligtum.

Die organisatorisch-rechtlichen Unterschiede liegen

  • in der Verpflichtung zu einer Gemeinschaftsform: Verbände und Bünde sind in feste Gruppen und Kurse (>>freie Gemeinschaft) eingeteilt; teilweise leben die Mitglieder in Dach- und Tischgemeinschaft;
  • im Grad der strukturell festgelegten Verbindlichkeit: Diese wird bei den Verbänden über den evangelischen Rat des Gehorsams mittels einer Vertragsweihe und bei den Bünden über die Hochherzigkeit des einzelnen Mitglieds mittels der Bundesweihe gesichert. In den Liga-Gliederungen gibt es nur organisatorische Richtlinien.
  • im Zuständigkeitsbereich: Die Verbände sind international strukturiert, die Bünde territorial und die Liga-Gemeinschaften diözesan.
  • Dadurch wird der Vielfalt von Charismen und Berufungen Rechnung getragen. Es ergibt sich auf diese Weise eine je verschiedene Ausprägung von Föderativität, die für den Gesamtorganismus der Bewegung ein gesundes Regulativ darstellt.
  • Leitendes Prinzip für eine solche strukturelle Ordnung des Schönstatt-Werkes war für P. Kentenich: „Sinngemäße organisatorisch-juristisch starke Machteinschränkung oder Entmachtung, verbunden mit außergewöhnlich reicher lebensmäßiger Machtfülle“ (LS 1952 I, 24). Dieses >>“Baugesetz“ sah er in seiner Wirkweise gewährleistet, wenn gleichzeitig auf zwei andere Prinzipien geachtet würde:
  • Akzentuierung des Lebensmäßig-Spirituellen: „Bindung (nur, aber auch) soweit als nötig, Freiheit soweit als möglich, Geistpflege auf der ganzen Linie in vollendeter und gesicherter Weise“ (LS 1952 I, 30).
  • Akzentuierung der Freiheit und Initiativkraft: „Autoritär im Prinzip, demokratisch in der Anwendung“ (LS 1952 I, 31).

Der Primat des >>Lebens vor der Organisation, des Geistes vor der Form (>>Geist und Form), der >>Freiheit vor der >>Bindung gehört zu den grundlegenden Strukturen, die P. Kentenich dem Schönstatt-Werk gegeben hat. Das macht deutlich, dass es ihm um eine Struktur geht, welche eine große Dynamik und Vielfalt ermöglicht.

2. Charakterisierung der Struktur Schönstatts

Schönstatt kann nach drei gebräuchlichen Bezeichnungen in unterschiedlicher Weise charakterisiert werden.

2.1. Schönstatt als Familie

Aus dem Liebesbündnis mit Maria und in enger lebensmäßiger Verbundenheit untereinander und mit dem Gründer als einer charismatischen Vatergestalt erleben sich Menschen und Gemeinschaften in unterschiedlicher Intensität als einer gemeinsamen geistlichen Familie zugehörig. Gemeinsame Anliegen und >>Strömungen werden durch >>Geistpflege wach gehalten und vertieft. Solidarisches Handeln ist Resultat eines inneren Lebensvorgangs.

Eine letzte Verantwortung für die Einheit nehmen die >>Präsidien wahr, die den Familiencharakter Schönstatts in der Zentrierung um eine spirituelle Mitte fördern und für einen Lebensaustausch zwischen den einzelnen Gliedern der großen Familie sorgen sollen. Sie sind dabei auf die Mitarbeit der Leitungen (>>Bewegungsleitung) und >>Zentralen angewiesen.

2.2. Schönstatt als Werk

Der organisatorische Zusammenschluss aller Gemeinschaften und Institutionen, die sich dem spirituellen Gründungsimpuls Schönstatts verpflichtet wissen und unter Wahrung ihrer juristischen Eigenständigkeit in föderativer Zusammenarbeit an der Verwirklichung der gemeinsamen Zielsetzung arbeiten, wird als Schönstatt-Werk bezeichnet. Es meint Schönstatt als organisatorisches Ganzes. P. Kentenich sah die rechtlich nur lose fundierte, aber spirituell umso tiefer verankerte Verbindung selbständiger Körperschaften als Modell für ein >>Kirchenbild der Zukunft und als eine Verwirklichung der Idee Vinzenz >>Pallottis vom >>Weltapostolatsverband.

Die Verantwortung liegt bei den Präsidien, die den institutionellen Charakter Schönstatts zu garantieren haben und gegenüber der kirchlichen Hierarchie das Werk repräsentieren sollen.

2.3. Schönstatt als Bewegung

Zum Selbstverständnis Schönstatts gehört, dass es sich als Bewegung versteht. Deshalb spielen Ideen und geistig-geistliche Strömungen, die Leben wecken und weiter tragen, eine zentrale Rolle. Das zeigt sich auch in der pädagogischen Wirkweise (>>Bewegungspädagogik). Schönstatt möchte seine Mitglieder und weiteste Kreise für christliches Engagement in Familie, Beruf, Gesellschaft und Kirche befähigen.

In Abhängigkeit von den Präsidien tragen die Zentralen durch erzieherische und inspiratorische Tätigkeit sowie durch Veranstaltungen und Projekte Sorge für das Wachhalten und Wachsen der dynamischen Dimension Schönstatts.

3. Die historische Entfaltung

In den verschiedenen Stadien der Entwicklung Schönstatts waren die genannten strukturellen Akzente in unterschiedlicher Weise vorhanden.

3.1. Im Sinne eines Anliegens, das allerdings im Laufe der Jahrzehnte eine schrittweise Entfaltung erfuhr, waren die Akzente von Familie, Werk und Bewegung in der Konzeption des Gründers immer wirksam. Die Gründung Schönstatts vereinte bereits seit 1914 organisatorische Elemente mit spiritueller und personaler Beheimatung und missionarisch-apostolischer Zielsetzung.

3.2. Bis 1935 stand die bewegungsmäßige Ausbreitung Schönstatts im Vordergrund, ergänzt durch die Gründung einzelner Gemeinschaften und die Ausformung eines spezifischen Gemeinschaftslebens. Getragen wurde das Ganze durch ein von Anfang an gepflegtes Klima familienhafter Verbundenheit.

3.3. Veranlasst durch die nationalsozialistische Kirchenverfolgung musste der organisatorische Charakter ab 1935 zurücktreten zugunsten einer Konzentrierung auf den Familiencharakter (>>Meilensteine, >>Mariengarten), einer stärkeren Vertiefung und reflexiven Klärung der spirituellen Grundlagen der Bewegung.

3.4. Das Anliegen P. Kentenichs, im juristisch-organisatorischen Gefüge der Kirche für seine Gründung den richtigen Platz zu finden, ließ ab 1945 den Werkcharakter stark in den Vordergrund treten. Es entstanden in der Auseinandersetzung um Schönstatt grundlegende Reflexionen über strukturelle Aspekte des Werks und 1953 auch das „Generalstatut“ für das Schönstatt-Werk.

3.5. In der Zeit nach dem Tod des Gründers lässt sich, zumindest in Deutschland, wieder eine Umorientierung in Richtung Bewegung konstatieren, die einhergeht mit der Erarbeitung grundsätzlicher Strukturfragen des Werks.

> Schönstatt, Geschichte >> Schönstatt, Ort


Literatur:

  • J. Kentenich, Texte zum Verständnis der Apostolischen Liga. Herausgegeben von Pater Heinrich M. Hug, Schönstatt 1982
  • J. Kentenich, Texte zum Verständnis Schönstatts. Herausgegeben von Günther M. Boll, Vallendar-Schönstatt 1974
  • Generalstatut des Schönstattwerkes (1984), Landesstatut des Schönstattwerkes in Deutschland (1983)
  • A. Menningen, Grundlehren und Beispiele zur Verfassung des Schönstattwerkes, Schönstatt 1977
  • E. Monnerjahn, Reflexionen über die Struktur des Schönstattwerkes, Regnum 10 (1975) 147-157

Schönstatt-Lexikon:

Herausgeber: Internationales Josef-Kentenich-Institut für Forschung und Lehre e.V. (IKF)

Verlag: Patris-Verlag, Vallendar-Schönstatt – All rights by Patris-Verlag – www.patris-verlag.de

Online-Präsentation: Josef-Kentenich-Institut e.V. (JKI) – www.j-k-i.de

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