Schöpferische Resultante

Schöpferische Resultante

Hans-Werner Unkel

(Gesetz der schöpferischen Resultante)

Im >>praktischen Vorsehungsglauben macht der Mensch Erfahrungen, in denen er versucht, den Willen Gottes zu erkennen. Im Rückblick stellt er die Frage, inwiefern er eine gläubige Sicherheit haben darf, dass die Deutung seiner Erfahrungen und seine gefolgerte Lebens- und Glaubenspraxis tatsächlich dem Willen Gottes entspricht. Kann der Mensch, wenn er sich nach dem „Gesetz der >>geöffneten Tür“ auf Gottes Führung eingelassen hat, eine Gewissheit haben, dass Gott in den Ereignissen seines Lebens handelt?

Hierzu formuliert P. Kentenich das „Gesetz der schöpferischen Resultante“. Der Ausdruck stammt von Wilhelm Wundt und wurde von P. Kentenich über A. Schütz (Gott in der Geschichte, Salzburg-Leipzig 1936, 100) übernommen. Geht das Ergebnis eines psychologischen Vorganges über die ursprünglichen Komponenten hinaus, so schließt Wundt auf schöpferische Kräfte eines geistig-seelischen Prinzips. P. Kentenich wendet den Begriff auf den Bereich geschichtlicher Erfahrung (der Freiheit) an: Geht das positive Ergebnis von geschichtlichen Vorgängen über die Summe der einzelnen Ereignisse hinaus („positiver Überschuss“), schließt er auf die schöpferische Wirksamkeit göttlicher Kräfte. Die Kriterien, die ihn berechtigen, jeweils eine „schöpferische Resultante“ auszumachen, sind die Geringfügigkeit der menschlichen Werkzeuge und ihrer Bemühungen angesichts der Größe des zu erreichenden Zieles; die Größe der sich entgegenstellenden und zu bewältigenden Schwierigkeiten; und die Größe, die Dauer und der Umfang der Fruchtbarkeit im Bereich der Lebenswandlung und der Reifung im menschlichen Leben und im Glaubensleben.

Verschiedene biblische Aussagen können diesen Gedankengang illustrieren. So etwa das Bild in Mt 7,17-20: An den Früchten wird die Beschaffenheit eines Baumes erkennbar; der gute Baum bringt gute Früchte. Paulus führt in 1 Kor 2,4 den Erfolg seiner Arbeit auf Gott zurück: „Meine Botschaft und Verkündigung war nicht Überredung durch gewandte und kluge Worte, sondern war mit dem Erweis von Geist und Kraft verbunden.“

Seinen Sitz in der Schönstattgeschichte hat das „Gesetz der schöpferischen Resultante“ in der Frage, ob Schönstatt ein Werk menschlicher Organisation ist oder als ein „Gotteswerk“ angesehen werden kann. P. Kentenich suchte nach einem plausiblen Begründungsgang, der vor der eigenen, vom Glauben erleuchteten Vernunft redlich und vertretbar und anderen vermittelbar ist. Im „Gesetz der schöpferischen Resultante“ fand er diese Begründung: Die Geringfügigkeit der mitarbeitenden Menschen, die Größe der Ungewissheiten und erfahrenen Widerstände sowie die unübersehbare Fruchtbarkeit seiner Gründung lassen ihn an ein „Gotteswerk“ glauben. „Das ist die gläubige Überzeugung der Familie. Sie gründet sich auf das ‚Gesetz der geöffneten Tür‘ und der ’schöpferischen Resultante‘. Hat das erste Gesetz uns den Weg zur Entschleierung göttlicher Planung gewiesen, so überzeugt uns das zweite davon, dass wir richtig gegriffen haben, dass Schönstatt – so wie es historisch geworden ist und heute vor uns steht – weder ein teuflisches Trugbild noch eine Schöpfung menschlichen Ehrgeizes, sondern ein ausgesprochenes Gotteswerk ist.“ (LS 1952 I, 84 f.).

Diese exemplarische Anwendung des Gesetzes ist ein Modell für die Anwendung im Leben des einzelnen Menschen und der Gemeinschaften. P. Kentenich macht jedoch darauf aufmerksam, dass auch mit schöpferischen Kräften des Bösen zu rechnen ist, wie etwa die Erfahrung des Dritten Reiches ausweist.

Der im „Gesetz der schöpferischen Resultante“ vorgelegte Gedankengang dient nicht einer rückwärtsgerichteten, rechtfertigenden Intention, sondern beabsichtigt, hoffnungsvolle Zukunftsdynamik zu vermitteln und (intellektuell redlich) Motive zur wagemutigen und mitverantwortlichen Geschichtsgestaltung aus dem Glauben zur Verfügung zu stellen.

>Geschichte


Literatur:

  • H.W. Unkel, Leben aus dem Praktischen Vorsehungsglauben 2, Vallendar 1981, 155-192

Schönstatt-Lexikon:

Herausgeber: Internationales Josef-Kentenich-Institut für Forschung und Lehre e.V. (IKF)

Verlag: Patris-Verlag, Vallendar-Schönstatt – All rights by Patris-Verlag – www.patris-verlag.de

Online-Präsentation: Josef-Kentenich-Institut e.V. (JKI) – www.j-k-i.de

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