Seele

Seele

M. Erika Frömbgen

1. Herkunft und Verständnis
2. Leib, Seele, Geist
3. Seelenstimme
4. Gemeinschaftsseele
5. Geistbeseelt

Seele (lat. anima, griech. psyche) gilt heute in der Philosophie und Theologie wie auch in den Natur- und Humanwissenschaften als Problembegriff. Auf der Basis der jüdisch-biblischen wie auch der griechisch-philosophischen Traditionen hat der Seelenbegriff eine derartige Bedeutungsvielfalt in sich aufgenommen, dass er als wissenschaftlicher Verständigungsbegriff heute nur noch unter Vorbehalt verwendet wird.

1. Herkunft und Verständnis

Die kritische Diskussion richtet sich zunächst gegen den Leib-Seele-Dualismus, der im abendländischen Denken für lange Zeit die Vorstellung von einer zusammengesetzten Kontrasteinheit entwickelte. Dabei wurde dem Leib eine primär negative, der Seele die primär positive Qualität zugesprochen. Eine derartige Aufspaltung gefährdet nicht nur das Verständnis für Einheit und Ganzheit der Person, sondern gilt auch mit Blick auf die inzwischen gewonnenen psycho somatischen Erkenntnisse als überholt. Die von der theologischen und philosophischen Tradition emanzipierten Psychologien ordnen den Seelenbegriff der Alltagspsychologie zu oder haben ihn gänzlich aufgegeben. Andere definieren Seele als personalen Träger der originären Vielfalt des individuellen Erlebens und Verhaltens.

Die derzeit aktuelle theologisch anthropologische Diskussion hat in Abgrenzung und Ergänzung hierzu die ebenfalls in der Tradition bereits vorgegebene personale Trias von Leib Seele Geist wieder zur Sprache gebracht. Die Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“, ein zu dieser Frage bedeutsamer Konzilstext (1965), definiert den Menschen als „in Leib und Seele einer“. Die ergänzenden Anmerkungen zeigen, dass hier an der Bipolarität wie auch an der populär gewordenen Bedeutungsvielfalt des Seelenbegriffs festgehalten wird: „Der Mensch irrt aber nicht, wenn er seinen Vorrang vor den körperlichen Dingen bejaht und sich selbst nicht nur als Teil der Natur oder als anonymes Element in der menschlichen Gesellschaft betrachtet. Denn in seiner Innerlichkeit übersteigt er die Gesamtheit der Dinge. In diese Tiefe geht er zurück, wenn er in sein Herz einkehrt, wo Gott ihn erwartet, der die Herzen durchforscht und wo er selbst unter den Augen Gottes über sein Geschick entscheidet. Wenn er daher die Geistigkeit und Unsterblichkeit seiner Seele bejaht, wird er nicht zum Opfer einer trügerischen Einbildung, die sich von bloß psychischen oder gesellschaftlichen Voraussetzungen herleitet, sondern erreicht im Gegenteil die tiefe Wahrheit der Wirklichkeit“ (GS 14).

Der religiöse Sprachgebrauch von Seele, wie er vor allem in der jüdisch christlichen Gebets und Glaubenstradition verankert ist, und Wortverbindungen wie Seelsorge, Seeleneifer, Seelenheil u. a. grenzen sich inzwischen zunehmend von einem psychologisch orientierten Sprachgebrauch ab. Der Kontakt zu den asiatischen und afrikanischen Kulturen und den dortigen Reinkarnationslehren erweitert die Diskussion um den Seelenbegriff um eine neue Dimension.

2. Leib, Seele, Geist

P. Kentenich erklärt die anthropologische Trias Leib, Seele, Geist aus der scholastischen Tradition als eine unitas multiplex, „eine vielgestaltige, vielschichtige Einheit“. Nach seinem Verständnis ist die Seele „das geistige Prinzip, sofern es den Leib beseelt“. Sofern die Seele „für die Wahrheit geöffnet (ist) und geistige Ideen verarbeitet“, spricht er von Geist. Die personale Einheit „wurzelt in einem Persönlichkeitskern“. Diese Vielheit in der Einheit will als Ganzheits , Struktur und Ordnungsgefüge verstanden sein, das sich nach immanenten Wachtums und Entfaltungsgesetzen organisch entwickelt (vgl. PT 1950, 173 ff.). Mit dieser Sichtweise steht P. Kentenich den Persönlichkeitskonzepten der deutschen Strukturpsychologen nahe (u. a. Lersch, Revers, Vetter, Wellek), die bemüht blieben, das „Problem des seelischen Seins“ (Wellek) aus der Philosophie in die Psychologie zu integrieren. Die Kennzeichnung der Personmitte oder des Persönlichkeitskerns als „Zweieinheit von Gewissen und Gemüt“ entspricht im wesentlichen der anthropologischen Sichtweise von P. Kentenich. Hier wird Gemüt als „seelischer Ort emotionaler Bindungen“ gekennzeichnet, das Gewissen als der Persönlichkeitsanteil, der in Freiheit und Verantwortung auf ideelle und normative Werte bezogen ist, Die religiöse Dimension des Gewissens bleibt in der Strukturpsychologie unerwähnt.

3. Seelenstimme

Indem P. Kentenich seinem psychologischen Grundsatz: „Lebendige Fühlung halten!“, und seinem pädagogischen Grundsatz: „Selbstlos fremder Eigenart dienen!“, entsprach, wurde für ihn die Seele zur >>“Erkenntnisquelle“. Die Bedeutungsfülle im Wortgebrauch (Herz, Innerlichkeit, Tiefe, personale Mitte, Zentrum der personalen und religiösen Beziehungen und Bindungen, Geistigkeit, Unsterblichkeit) wie auch die kritische Distanz zu einem ausschließlich psychologisch soziologischen Verständnis desselben, die der o.g. Konzilstext anspricht, kommen in seinem gesprochenen und geschriebenen Wort ebenfalls voll zur Sprache.

Aufgrund seines ganzheitlichen und organismischen Verständnisses nimmt der Terminus „Seele“ in seinen Schriften und Vorträgen gelegentlich ungeschieden sowohl die theologisch religiöse, die philosophisch anthropologische als auch die psychologische Bedeutungsfülle in sich auf, was bei einer topologischen Unterscheidung zu beachten ist. Der Ausdruck „Seele meiner Seele“ als Selbstaussage will auf den Inhalt und die Zielrichtung der eigenen Beweggründe aufmerksam machen.

4. Gemeinschaftsseele

Nach seinem Verständnis gibt es auch eine „Gemeinschaftsseele“, und zwar nicht nur „als die Summe ihrer Teile“, sondern mit einem über die Werdegeschichte der jeweiligen Gemeinsamkeit entwickelten originellen inneren Profil. Dieses kommt in je arteigenen Interessen, Bedürfnissen, Intentionen und Ansprüchen zum Ausdruck und will als solches vergleichbar dem Persönlichkeitsprofil – ernst genommen sein. Auf dieser Erfahrung basiert bei P. Kentenich die Lehre und Anwendung vom Gemeinschaftsideal (>>Persönliches Ideal) und der Freiraum, den er der je einzelnen Gliedgemeinschaft als Teil eines größeren Ganzen für ihr Eigenleben zugesteht.

5. Geistbeseelt

Im Sprachgebrauch Schönstatts findet sich zudem häufig das Wort „beseelt“ (auch in der Verbindung „geistbeseelt“, „religiös beseelt“) als Kennzeichnung einzelner Akte, Handlungen und Vorgänge sowie zur Unterscheidung von geistlos, seelenlos, herzlos, unpersönlich (apersonal). Beseelen bzw. selbst Seele sein und sich spirituell als Seele von etwas zu erweisen und zu bewähren, gilt nach P. Kentenich als wesentliche Selbstverwirklichung innerhalb der Schönstattbewegung.

>Mensch


Literatur:


Schönstatt-Lexikon:

Herausgeber: Internationales Josef-Kentenich-Institut für Forschung und Lehre e.V. (IKF)

Verlag: Patris-Verlag, Vallendar-Schönstatt – All rights by Patris-Verlag – www.patris-verlag.de

Online-Präsentation: Josef-Kentenich-Institut e.V. (JKI) – www.j-k-i.de

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