Symbol

Symbol

Hubertus Brantzen

Ohne die Vermittlung von Zeichen und Symbolen ist Kommunikation zwischen den Menschen und Ausübung von Religion nicht denkbar. Nur über Symbole – auch die Sprache ist ein Zeichensystem – lassen sich gedankliche Inhalte, Werte, emotionale Bewegungen vermitteln. Nur durch Symbole kann auch eine Vermittlung zwischen Immanenz und Transzendenz, zwischen Welt und Gott, zwischen Zweit- und Erstursache, geschehen. Darum unterscheidet Pater Kentenich Eigenwert und Symbolwert aller Dinge, Personen, Orte, Ereignisse. Den Eigenwert oder auch Nutzwert erfährt der Mensch direkt im konkreten Umgang mit den Dingen. Der Eigenwert kann mit Hilfe rationaler Methoden der Wissenschaft erforscht und dienstbar gemacht werden. Zugleich besitzt alles eine Symboldimension, durch die alles in einem gläubigen Verständnis auf Tieferes und Hintergründigeres verweist.

So ist der Mensch selbst Zeichen und Symbol. Sein Leib besitzt ein bestimmtes Aussehen, gewisse Eigenschaften und Schaffenskraft. Zugleich ist der Leib Zeichen für das, was wir >>“Person“ nennen, für die Würde, die ihm als Geschöpf Gottes zukommt. Wie der Mensch haben alle Dinge eine Gestalt, sind aber letztlich als Abbilder des Urbildes Gott zu verstehen.

Symbole sind in diesem Sinne Ausdruck, Mittel und Schutz. Sie drücken eine tiefer liegende Wirklichkeit aus, sie sind ein Mittel, um diese Wirklichkeit darzustellen, und fungieren als Schutz, damit diese Wirklichkeit nicht verloren geht oder vergessen wird. So werden im >>Vorsehungsglauben alle geschaffenen Dinge zu „kleinen Propheten“, die etwas von der Botschaft und dem Willen Gottes aussagen. Orte, die zur Heimat werden, sind Hinweise auf die Letztheimat bei Gott. Besonders Menschen mit ihrem Anspruch, ihrer Not, ihren Anfragen sind lebendige Wünsche Gottes. Ereignisse und Entwicklungen in Gesellschaft, Kirche, Politik, Kultur werden als >>Zeitenstimmen und Aufruf und Auftrag Gottes verstanden.

Pater Kentenich sieht die Folgen eines fortschreitenden Säkularisierungsprozesses: die mechanistische Trennung von >>Erst- und >>Zweitursache und damit die Trennung von Eigen und Symbolwert. Darum mahnt er die Rückgewinnung des symbolhaften Denkens an. In seiner >>Pädagogik setzt er deshalb auch konsequent Zeichen und Symbole als pädagogische Mittel ein. Durch deren ganzheitliche Wirkweise, einem direktem Ansprechen kognitiver, emotionaler und pragmatischer Dimensionen, eignen sie sich besonders für die Erziehungsarbeit. Grundsymbol ist für Pater Kentenich das >>Heiligtum mit dem Bild der Gottesmutter (als ikonischem Zeichen). Diesem Grundsymbol werden beispielsweise im Rahmen der Identitätssuche Symbole für Werte und Ideale (>>Idealpädagogik) der einzelnen und Gemeinschaften hinzugefügt. Diese Symbole entstehen und werden bedeutungsvoll durch die Betrachtung und Deutung des eigenen Lebens, durch die Deutung der Zeitenstimmen und das Suchen nach Gottes Willen im praktischen Vorsehungsglauben. In Zeichen antwortet der Mensch seinerseits auf den Anruf Gottes. Gebet, Opfer (>>Beiträge zum Gnadenkapital), Gottesdienst sind Ausdruck der liebenden und dankbaren Hinwendung zu Gott.

Das >>Liebesbündnis mit Maria mit vielen Zeichen und Zeichenhandlungen ist in der schönstättischen Spiritualität das besondere Mittel, um Eigen- und Symbolwert der Welt zusammenzuhalten. Maria als „Symbol des Heiligen Geistes“, als „Repräsentantin Gottes“ und zugleich „Symbol des geschichtsverantwortlichen und zukunftsgestaltenden Menschen“, führt zu diesem >>organischen Denken hin.


Literatur:

  • M. A. Nailis, Werktagsheiligkeit. Ein Beitrag zur religiösen Formung des Alltags, Limburg 1937 (1964) – Vallendar-Schönstatt 1974, 122-130
  • J. Kentenich, Der Marianische Priester. Exerzitienkurs für Priester vom 20.-25. Juli 1941, verv., 118 S., 26-30
  • J. Kentenich, Oktoberwoche 1950, Vallendar-Schönstatt 1993, 424 S., 60
  • J. Kentenich, Daß neue Menschen werden. Eine pädagogische Religionspsychologie. Vorträge der Pädagogische Tagung 1951. Bearbeitete Nachschrift, Vallendar-Schönstatt 1971, 264 S., 72
  • J. Kentenich, Das Lebensgeheimnis Schönstatts. I. Teil: Geist und Form (Brief an Joseph Schmitz, geschrieben in Santiago/Chile, ab dem 3. Mai 1952), Vallendar-Schönstatt 1971, 242 S.I, 172 f.
  • J. Kentenich, Rom-Vorträge. Vorträge für die Leitungen der Schönstätter Verbände in Rom (17. November 1965 – 2. Februar 1966), verv., A 5, vier Bände, 237+321+283+308 S. 1965 IV, 261-266
  • J. Kentenich, Weihnachtstagung 1967. Vorträge vom 27. bis 30.12.1967 an die Delegierten des internationalen Schönstattwerkes, verv.O, A 5, 221 S., 187 f.

Schönstatt-Lexikon:

Herausgeber: Internationales Josef-Kentenich-Institut für Forschung und Lehre e.V. (IKF)

Verlag: Patris-Verlag, Vallendar-Schönstatt – All rights by Patris-Verlag – www.patris-verlag.de

Online-Präsentation: Josef-Kentenich-Institut e.V. (JKI) – www.j-k-i.de

Back