Trieb

Trieb

Lothar Penners

1. Die Wortbedeutung „Trieb, triebmäßig“ im Sprachgebrauch J. Kentenichs ist relativ umfassend; sie umfasst sowohl das sinnenhafte Streben im engeren Sinne wie die Wertausrichtung des Menschen im Geistig-Seelischen bis hinein ins Religiöse („Gottestrieb“). Im Unterschied zu „Neigung“ oder „Leidenschaft“ als eher individuellen oder aktuellen Formen des Strebevermögens meint das Triebmäßige eher die mit dem Menschsein notwendig gegebenen Antriebe zur Gütererlangung und Wertverwirklichung.

2. Triebwahrnehmung und Trieberziehung ist für J. Kentenich ein wesentlicher Teil der Charakterbildung. Dies gilt insbesondere für das Triebleben im engeren Sinne oder das sinnenhafte Strebevermögen. Wie durchweg, geht es ihm auch in diesem Bereich um die arteigene Bedeutung und Erfassung der „naturhaften“ Anteile in der menschlichen Person, oder das „Naturreich“ der Seele, wie dessen Verbindung zum Geistigen und Religiösen (vgl. die Trias naturhaft-natürlich-übernatürlich).

3. In der anthropologischen Orientierung hält sich J. Kentenich, wie vielfältig ersichtlich, zunächst weitgehend an die scholastische Grundoption: eine grundsätzlich positive Sicht von „Leidenschaften“ und „Trieben“ auf Grund der Schöpfungsordnung, auch wenn diese durch die Sünde (Erbsünde) ihre Integrität eingebüßt hat. Mit der Scholastik geht er aus von zwei Grundtrieben: dem Hingabetrieb und Geltungs- oder Selbstbehauptungstrieb („Sinnlichkeit“ bzw. „Stolz“).

4. In der Selbsterziehung leitet Kentenich an, dass es vor allen Dingen darum geht, dass die „Hauptleidenschaften“ – die genannten Grundtriebe – in ihren je verschiedenen Anteilen erkannt und auf das >>Persönliche Ideal ausgerichtet werden. Er sieht in ihnen „Grundzüge“ des Charakters, deren Tiefendynamik für die Idealfärbung und Idealverwirklichung wesentlich sind (>>Idealpädagogik).

5. Im Rahmen dieser, die scholastische Tradition wahrenden und weiterführenden Sicht setzt J. Kentenich Akzente, die diese teilweise modifiziert, abgesehen vom grundsätzlich herrschenden Problembewusstsein, das sich auch in diesen Fragen der Herausforderung durch die Tiefenpsychologie bewusst ist (>>Psychologie; >>Tiefenpsychologie). Die Sicht etwa der >>Geschlechtlichkeit und damit des Geschlechtstriebs ist bei J. Kentenich stärker mit der personalen Ganzheit verbunden als dies in der Tradition der Fall war, den Topos von der „personalen Geschlechtlichkeit“ aufgreifend. Insgesamt betont er die – mögliche – Integration der anthropologischen Teilkomponenten über die Personmitte („Herz“; „Gemüt“) stärker als dies in einer philosophischen Psychologie scholastischer Prägung der Fall war. Trieberziehung ist für J. Kentenich zentral verbunden mit der Stärkung der Personmitte. Seine Kennzeichnung von Gemüt als „Gleichklang von höherem und niederem Strebevermögen“ ist für ihn zentral.

6. Eine volle Integration der emotionalen und triebhaften Komponenten in der menschlichen Person ist für J. Kentenich deswegen eben nicht eine Frage der geistigen Steuerung allein, sondern nur da gegeben, wo eine stärkere religiöse Dynamik das Seelenleben erfasst, letztlich nur auf Grund der Gaben des >>Heiligen Geistes. Der Transzendenzbezug des Menschen ist für diesen wesentlich, gerade auch hinsichtlich der Frage der psychischen Integration.


Schönstatt-Lexikon:

Herausgeber: Internationales Josef-Kentenich-Institut für Forschung und Lehre e.V. (IKF)

Verlag: Patris-Verlag, Vallendar-Schönstatt – All rights by Patris-Verlag – www.patris-verlag.de

Online-Präsentation: Josef-Kentenich-Institut e.V. (JKI) – www.j-k-i.de

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