Wachstumsgesetze

Wachstumsgesetze

Herta Schlosser

Pater Kentenich spricht im Zusammenhang mit dem Grundprinzip der organischen Verbindung von Natur und Gnade von Wachstumsgesetzen für die Entfaltung der menschlichen Person. Jeder Lebensprozess unterliegt allgemeinen Wachstumsgesetzen. „Normalerweise sind es ihrer drei. Es handelt sich für gewöhnlich um ein langsames Wachstum, um ein Wachstum von innen heraus und um ein Wachstum aus einer organischen Ganzheit in eine organische Ganzheit.“ (PhErz 1961, 56). Vor allem im Zusammenhang mit Erziehung als Reifungsprozess warnt er vor Ungeduld; nur langsames Wachsen ist keine „Frühblüte“, die schnell verblüht, ohne Früchte zu zeitigen. Gesunde Entwicklung muss sich von innen heraus vollziehen, es darf nichts „von außen angepappt“ sein. Zwar vollzieht sich Wachstum gleichzeitig, aber nicht gleichmäßig, das heißt, nicht alle Teile des Ganzen entfalten sich im gleichen Zeitabschnitt in demselben Ausmaße, aber von Ganzheit zu Ganzheit. Es geht um Integration auf einer je neuen Ebene in Kontinuität zum Gewachsenen und zum Anfang (Entelechie).

Pater Kentenich spricht auch vom „Gesetz des rhythmischen Wachstums“. Er meint damit etwa, dass „Aktivität und Passivität“, Vorwärtsstürmen und „bedächtige Gangart“, bewusste Entscheidung und Geschehenlassen in einem gewissen Rhythmus miteinander wechseln. Weil es sich um Lebensvorgänge in allen Bereichen menschlicher (seelischer) Entwicklung handelt, gelten die genannten Wachstumsgesetze auch für die Entwicklung von Glaube und Gottesliebe (übernatürliche Ordnung).

Neben den Gesetzen „der organischen und rhythmischen Entwicklung“, weist Pater Kentenich in diesem Zusammenhang auch auf „das Stadiengesetz“ (RGl 1957, 49; vgl. auch AmB 1948, 113; PhErz 1961, 56) hin. Unter Stadiengesetz versteht er den Vorgang, „dass plötzlich ein unerwarteter starker Einbruch ins Seelenleben zu konstatieren ist.“


Literatur:

  • J. Kentenich, Marianisch-priesterliche Lebensweisheit. Priester Exerzitien 1933/1934, verv.W, A 5 quer, 185 S., 18. 44
  • J. Kentenich, Marianische Erziehung. Pädagogische Tagung (22.-26. Mai 1934), Vallendar-Schönstatt 1971, 286 S., 119 ff.
  • J. Kentenich, Wachstum im höheren Gebetsleben. Priestertagung vom 20. bis 22.1. 1941 in Schönstatt, Vallendar 1977, 149 S. 1941, 58
  • J. Kentenich, Auf Dein Wort hin werfe ich die Netze aus. Amerikabericht (September 1948), in: Philosophie der Erziehung. Prinzipien zur Formung eines neuen Menschen- und Gemeinschaftstyps. Bearbeitet von Herta Schlosser, Vallendar 1991, 91-158, 113
  • J. Kentenich, What is my philosophy of education?, in: Philosophie der Erziehung. Prinzipien zur Formung eines neuen Menschen und Gemeinschaftstyps. Bearbeitet von Herta Schlosser, Vallendar 1991, 39-89, 56 f.
  • H. King, Gemeinschaft als Prozess nach Pater Kentenich, in: M. Gerwing / H. King, Gruppe und Gemeinschaft. Prozess und Gestalt, Vallendar-Schönstatt 1991, 78-113.

Schönstatt-Lexikon:

Herausgeber: Internationales Josef-Kentenich-Institut für Forschung und Lehre e.V. (IKF)

Verlag: Patris-Verlag, Vallendar-Schönstatt – All rights by Patris-Verlag – www.patris-verlag.de

Online-Präsentation: Josef-Kentenich-Institut e.V. (JKI) – www.j-k-i.de

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