Wurzellosigkeit

Wurzellosigkeit

Martin Faatz

Der Begriff Wurzellosigkeit findet in der Schönstatt-Bewegung Verwendung, um die Vereinsamung, Orientierungslosigkeit und das Gefühl der Haltlosigkeit von Menschen auszudrücken. Die Ursache dieser Wurzellosigkeit wird in fehlender >>Heimat gesehen: Im Fehlen von Bindungen an Orte, Personen, Werten und letztlich der Beziehung zu Gott (>>Bindungsorganismus).

P. Josef Kentenich hat den Begriff Wurzellosigkeit vor dem Zweiten Weltkrieg geprägt, um die Folgen des Zerfalls überkommener Sozialstrukturen im Zuge der Industrialisierung sowie der aufklärerischen Loslösung von Wertordnungen und von Gott zu umschreiben. Je weniger der entwurzelte Mensch die Beziehung zu anderen Personen und zu Gott pflegt, desto weniger erfährt er sich angenommen und geborgen. Er fühlt sich haltlos. Je stärker er sich in der >>pluralistischen Gesellschaft von ideellen Größen gelöst hat, desto weniger verfügt er über Bezüge, von denen aus er Identität gewinnen könnte. Für sein Handeln findet er kaum Kriterien. So ist der entwurzelte Mensch ständig in Gefahr, sich einfach der Masse anzupassen. Typisierend spricht Pater Kentenich auch vom „kollektivistischen Menschen“ (>>Mensch, Menschenbild).

Die Überwindung der Wurzellosigkeit streben die Gemeinschaften der Schönstatt-Bewegung durch die bewusste Pflege lokaler, personaler und ideller >>Bindungen an, also durch die Förderung der Beziehung des Einzelnen zu Orten, Personen und Wertesystemen, welche Heimat geben, Kriterien für das Handeln vermitteln und auf die Geborgenheit bei Gott verweisen.

Der Begriff Wurzellosigkeit wird oft synonym mit den Begriffen „Heimatlosigkeit“, „Haltlosigkeit“ oder „Nestentbundenheit“ gebraucht.

>Bindung, >>Bindungsorganismus, >>Heimat


Literatur:

  • J. Kentenich, Zur sozialen Frage. Industriepädagogische Tagung. Bearbeitet von Herta Schlosser, Vallendar 1990, S. 21-317, 226 239. 295 317
  • J. Kentenich, ‚Hier ist wohl sein‘. Vortrag für Wallfahrer am 18. Mai 1950 in Friedrichroda, Vallendar-Schönstatt 1991, 41 S., 21 f.
  • J. Kentenich, Grundriß einer neuzeitlichen Pädagogik für den katholischen Erzieher. Vorträge der Pädagogischen Tagung 1950, Vallendar-Schönstatt 1971, 43. 158. 185
  • J. Kentenich, Daß neue Menschen werden. Eine pädagogische Religionspsychologie. Vorträge der Pädagogische Tagung 1951. Bearbeitete Nachschrift, Vallendar-Schönstatt 1971, 264 S..

Schönstatt-Lexikon:

Herausgeber: Internationales Josef-Kentenich-Institut für Forschung und Lehre e.V. (IKF)

Verlag: Patris-Verlag, Vallendar-Schönstatt – All rights by Patris-Verlag – www.patris-verlag.de

Online-Präsentation: Josef-Kentenich-Institut e.V. (JKI) – www.j-k-i.de

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