Zukunftsvision

Zukunftsvision

Herta Schlosser

Pater Kentenich äußert sich zu diesem Begriff vor allem 1948 im Kontext des Zusammenbruches des Dritten Reiches und des Ost West Konfliktes. Sein waches, universell ausgerichtetes Denken und seine charismatische Griffsicherheit lassen ihn gezielt Zukunftsperspektiven aufzeigen. Gegen Ende seines Lebens kommt er auf diese Zeitdeutung zurück und ordnet sie geschichtlich ein. Er erinnert daran, dass er schon zum Jahreswechsel 1941/42 aus dem Gefängnis Koblenz schrieb: „Am Horizont zeigen sich – langsam erkennbar – die großen Strukturlinien einer neuen Weltordnung; eine alte Welt ist am Verbrennen.“ (vgl. OW 1967, 180). Mit Vision meint Pater Kentenich die christliche Zukunftsvision, die darin besteht, „das gestaltlose kommende Chaos zu einem neuen, christlichen Kosmos zu formen“ (Br 20.5.1948, zit. in: Grußw 7.9.1968, 14). Denn die Entwicklung geht „in rasendem Tempo einer Einheitszivilisation und -kultur entgegen. Ein ganz neues Welt und Menschenbild ist am Werden.“ (Br 20.5.1948, 286). Im Blick auf die Auseinandersetzung zwischen Ost und West hebt Pater Kentenich hervor, dass der Kollektivismus ebenfalls aus einer großen Zukunftsvision lebt. „Er sieht, fördert und fordert eine neue soziologische Schichtung von Welt und Menschheit.“ (ebd.).

Vision kann nur durch Vision überwunden werden. Pater Kentenich liest das Magnificat der Gottesmutter als eine Zukunftsvision, die er in der Apokalypse „in glänzenden Bildern“ zu Ende geführt findet. Die christliche Zukunftsvision ist eine universelle Vision, „die Zeit und Ewigkeit, Diesseits und Jenseits, wirtschaftliche, gesellschaftliche, politische, sittliche und religiöse Nöte aller Menschen, auch der Enterbten, der Millionen-Massen umfasst“ (Br 20.5.1948, 288).

In Bezug auf Schönstatt spricht Pater Kentenich von einer in Gebet und Reflexion erworbenen Vision, einer originellen konkreten Prägung der christlichen Zukunftsvision. Schönstatt sucht „das Verhältnis von Persönlichkeit und Gemeinschaft, Persönlichkeit und Wirtschaft, Persönlichkeit und Technik, Persönlichkeit und sozialem Aufstieg aus den Urprinzipien des Christentums“ (ebd.) im Liebesbündnis mit der >>Dreimal wunderbaren Mutter neu zu lösen. Er weist hin auf >>“Himmelwärts“, das die Grundzüge dieser universellen, erworbenen und sieghaften Zukunftsvision ausdrückt.

>Gott, >>Mensch, Menschenbild, >>Geschichte, Geschichtsauffassung, >>Kirche, Kirchenbild, >>Gesellschaftsordnung.


Literatur:

  • J. Kentenich, Brief zum 20. Mai 1948, Auszüge in: Schlosser, Herta, Der neue Mensch – die neue Gesellschaftsordnung. Mit Originaltexten von Pater Josef Kentenich im zweiten Teil, Vallendar-Schönstatt 1971 (Schlosser, Herta, Der neue Mensch – die neue Gesellschaftsordnung. Mit Originaltexten von Pater Josef Kentenich im zweiten Teil, Vallendar-Schönstatt 1971, 285-289)
  • J. Kentenich, Oktoberbrief 1949 an die Schönstattfamilie, Vallendar 1970, 196 S., 15 ff.
  • J. Kentenich, Das Lebensgeheimnis Schönstatts. I. Teil: Geist und Form (Brief an Joseph Schmitz, geschrieben in Santiago/Chile, ab dem 3. Mai 1952), Vallendar-Schönstatt 1971, 242 S., 35-44
  • J. Kentenich, Oktoberwoche 1967. Vorträge vom 14. bis 18.10.1967 an die Delegierten der internationalen Schönstattfamilie, verv.O, A 5, 223 S., 140. 179-194
  • J. Kentenich, Mit Maria hoffnungsfreudig und siegesgewiß in die neueste Zeit. Grußwort an die in Essen zum 82. Deutschen Katholikentag versammelte Schönstattfamilie (7.9.1968), Vallendar-Schönstatt o.J., 44 S., 12 27.

Schönstatt-Lexikon:

Herausgeber: Internationales Josef-Kentenich-Institut für Forschung und Lehre e.V. (IKF)

Verlag: Patris-Verlag, Vallendar-Schönstatt – All rights by Patris-Verlag – www.patris-verlag.de

Online-Präsentation: Josef-Kentenich-Institut e.V. (JKI) – www.j-k-i.de

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