Nachruf auf Professor Pater Dr. Joachim Schmiedl

Das Josef-Kentenich-Institut trauert um sein langjähriges Mitglied Prof. P. Dr. Joachim Schmiedl.

Als Teil des internationalen Teams für Kentenich-Forschung (IKF) war Joachim Schmiedl maßgeblich an der Erarbeitung und redaktionellen Gesamtbetreuung des Schönstatt-Lexikons beteiligt, das in erster Auflage 1996 erschien. Aus der Arbeit des IKF gingen im Lauf der Jahre zahlreiche weitere Publikationen und Projekte hervor, an denen er mitwirkte. In der Kentenich-Akademie des JKI, die jüngere Menschen mit zentralen Themenfeldern Schönstatts vertraut machen wollte, weckten seine herausragende Sachkompetenz und sein unbefangener Umgang mit den Quellen Freude an der wissenschaftlichen Auseinandersetzung. Stellvertretend für viele Tagungen, Kolloquien und Symposien, die Joachim Schmiedl konzipierte und leitete, sei der internationale Kongress „Föderativ-dezentral-synodal – 100 Jahre Apostolischer Bund von Schönstatt“ (2019) in Erinnerung gerufen, der Forscherinnen und Forscher aus Europa und Südamerika zusammenbrachte.

Als einem Historiker von Rang ging es Joachim Schmiedl stets um eine vorurteilslose Auseinandersetzung mit der ganzen Wahrheit. Dem Ideal des römischen Geschichtsschreibers Tacitus verpflichtet, arbeitete er „sine ira et studio“ – ohne Zorn und ohne Parteilichkeit wollte er seinen wissenschaftlichen Gegenstand erforschen, in den Kontext stellen und stets auch „die andere Seite“ gebührend zu Wort kommen lassen. Eingriffe in die Wissenschaftsfreiheit, Bevormundungs- oder Beeinflussungsversuche, ganz gleich von welcher Seite, lehnte er entschieden ab.

Hinter dieser Fassade wissenschaftlicher Nüchternheit den existentiellen Glutkern zu entdecken, der Joachim Schmiedl zu rastloser Tätigkeit antrieb, ist freilich nur bei genauerer Betrachtung möglich. Die Themen seiner Veröffentlichungen geben einen Hinweis: Als durchgängiges Ostinato zieht sich die Beschäftigung mit dem Zweiten Vatikanischen „Reformkonzil“ und dem Aggiornamento der Kirche durch ungezählte Publikationen. Fortgeführt wird diese Thematik durch Überlegungen zu Synodalität und Dialog. Die Potentiale von Orden und geistlichen Gemeinschaften werden ebenso in den Blick genommen wie die Frage priesterlicher Existenz im 20. und 21. Jahrhundert. Der Blick des Historikers geht – wenn er seiner Zeit wirklich etwas zu sagen hat – nur scheinbar nach rückwärts, in eine Vergangenheit, die nicht mehr ist. Joachim Schmiedls Perspektive, der Fluchtpunkt seiner geschichtlichen Forschungen, war stets das Heute und das Morgen. Was können wir aus der Geschichte für die Gegenwart und Zukunft lernen? Welche Sinnpotentiale tragen sich auch unter der Oberfläche historischer Diskontinuitäten und Gestaltwandlungen durch? Was lernen wir aus der Geschichte über Identität trotz Disruption? Diese abstrakten Fragestellungen bündeln sich in einer sehr konkreten Thematik: Wie können wir heute, im säkularen Zeitalter, religiös, spirituell, priesterlich leben, ohne „von gestern“ zu sein? Diese Perspektiven und Sichtweisen werden wir und viele andere besonders vermissen.

Joachim Schmiedl hat sich mit seinen herausragenden Begabungen jederzeit gerne in die Diskussionen des Josef-Kentenich-Instituts eingebracht. Wir haben ihm viel zu verdanken – als Wissenschaftler, als Schönstätter, als Weggefährte und als Freund.

Im Namen des Vorstandes

Prof. Dr. Joachim Söder

 

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