EK2004-43 – Der Bischof – Vater der Diözese

EK2004-43 – Der Bischof – Vater der Diözese

Aus: Josef Kentenich, Predigt in Münster, Haus Mariengrund, 26.12.1965.

Wir wissen das auch zum Teile aus den Konzilsbestimmungen und -beratungen, wie stark in der kommenden Kirche bischöfliche Autorität unterstrichen worden ist. Bischöfliche Autorität – fast möchten wir sagen: (der) Papst hat ein Großteil seiner eigenen Rechte nun stärker auf die Schultern des Episkopates gelegt. Wenn wir nun sagen: Einschaltung, nicht nur Gleichschaltung, dann heißt das: In unserer eigenen Tätigkeit, (in der) Erfüllung unserer Sendung, wollen wir stärker eingeschaltet werden, weiter, stärker als bisher, in die Abhängigkeit von der Hierarchie. Also genau das Gegenteil von dem, was heute vielfach in der Kirche da und dort gelehrt und gekündet wird. Nicht Freiheit, die ich meine, sondern Freiheit, die Gott meint. Freiheit!

Ich darf daran erinnern, will das auch später unseren Schönstattpriestern eigens näher bringen, dass ich im Namen der Familie dem Bischof von Münster versprochen (habe), wir wollten als Gesamtfamilie – also nicht nur wir als Priester, sondern auch wir als Laien, alle Gliederungen – mit die Verantwortung dafür tragen, dass die Diözese wirklich eine Familie wird, also dass das Ideal, das Kirchenideal, in der Diözese Münster auf der ganzen Linie auch besser und tiefer geschaut, gesehen, erfasst wird als eine Gottesfamilie. Aber in dieser Gottesfamilie verlangt das Wesen, (der) Charakter der Familie auch einen Paterfamilias: dass also der Bischof buchstäblich der Paterfamilias der ganzen Diözese, nicht nur der Priester, sondern auch der Laien wird. An sich Worte, die so schnell dahergesagt werden. Aber vergessen wir bitte nicht: das heißt praktisch, jede Diözese müsste nun in sich das Ideal verkörpern, das die Kirche nun von sich selber gemalt hat. Das Ideal kennzeichnet (die) Kirche (als) eine große Familie. Großfamilie ist natürlich nur denkbar, wenn die Großfamilie nun aufgegliedert ist in Kleinfamilien.

Wie das halt heute ist: Heute kann man kaum irgend eine Botschaft künden, ohne dass Gegenströmung geweckt wird, wenn auch das Konzil so klar gesprochen (hat). Nehmen wir Gegenströmungen, die sagen: Das ist nichts mit dem Familiencharakter der Kirche! Familiencharakter setzt voraus eine kleine Gemeinschaft. (Die) Kirche ist viel zu groß, kann keine Familie sein!

Antwort darauf: Das ist klar, dass die Kirche als Ganzes nicht Familie sein kann, keine Großfamilie sein kann, wenn sie nicht zusammengesetzt ist aus Kleinfamilien. Und die Kleinfamilie, das ist zunächst die Diözese vom kirchlichen Standpunkte aus. Kleinfamilie – wenn die Familie in der Diözese als Ideal verwirklicht werden will oder kann oder soll, dann geht die Gedankenlinie weiter nach unten, dann müssen wir dafür wieder sorgen, dass jede natürliche Familie nun auch wirklich Familie wird. Ein ungeheuer großes Programm, soziologisch geschautes Programm für die Erneuerung der Familie!

Aus:
Peter Wolf (Hrsg.)
Erneuerte Kirche in der Sicht Josef Kentenichs
Ausgewählte Texte
Patris-Verlag, Vallendar-Schönstatt
www.patris-verlag.de

 

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