GwdK2010/11-5-01 Maria und die Kirche

GwdK2010/11-5-01 Maria und die Kirche

Verschiedene Vorträge (1964 / 1965)

Sie ist also leibliche Mutter und geistige Braut, und als geistige Braut ist sie die Mitschöpferin der Christen, Mitschöpferin der Kirche. Wir pflegen dafür viel einfacher und verständlicher zu sagen: Was ist die Gottesmutter gewesen, was ist ihre letztgesehene, ‑betrachtete Stellung im Heilsplan Gottes? Die amtliche Dauerhelferin und Dauergefährtin des Heilandes beim ganzen Erlösungswerk. Doch lassen wir das, greifen wir tiefer. Wenn die Gottesmutter Mutter der Kirche ist, und das ist sie ja offensichtlich, dann muß sie schöpferisch mitbeteiligt gewesen sein an dem Werden und Wachsen der Kirche, an der Existenz der Kirche. Und das ist sie. Sie ist schöpferisch tätig an der Existenz der Kirche in allen Etappen. Erstens schöpferisch tätig bei der Zeugung der Kirche, zweitens schöpferisch tätig bei der Geburt der Kirche, drittens schöpferisch tätig bei der vollendeten Ausstattung der Kirche. Das würde also praktisch heißen‑ wir wollen ja nichts verwischen ‑, die Gottesmutter ist auch schöpferisch mitbeteiligt bei der objektiven Erlösung, nicht nur bei der subjektiven. Das ist ja der große Unterschied zwischen der Stellung der Kirche und der Stellung der Gottesmutter. Ich habe anfangs ja das schöne Wort wiederholt: die Kirche empfängt im Heiligen Geist nicht nur von der Fülle Christi, sondern auch von der Fülle der lieben Gottesmutter. Die Gottesmutter überragt also alles Geschöpfliche, auch alles gnadenhaft Geschöpfliche, in einer eigenartigen Weise. [Predigt vom 27. Dezember 1964. In: Aus dem Glauben leben, Band 16, 21 f.]

Wie sieht ihre Mutterfunktion dieser Kirche gegenüber aus? Die Gottesmutter ist zweifellos das vollkommenste Glied der Kirche. Das ist wohl allseitig anerkannt worden als Tradition, Erbgut, das die Kirche immer wohl festgehalten, zum Teil auch vom Protestantismus übernommen worden ist. Ist sie aber auch die Mutter der Kirche? Das heißt: Ist sie Mutter im eigentlichen Sinne und ist sie Muster der Kirche? (…) Die Gottesmutter, das Muster der Kirche. Was will das heißen? Die Gottesmutter, sie ist zwar Mutter der Kirche, aber auch die Kirche ist Mutter. Sie ist also Mutter der Kirche, so wie die Kirche Mutter ist. Und wenn sie Mutter der Kirche ist, dann ist sie eben nicht nur Muster dieser Kirche, sondern auch Mutter mit der Erzeugungsmacht und ‑gewalt dieser Kirche. Wenn Sie diese drei Gesichtspunkte, (diese) drei Ausdrücke festhalten, dann werden Sie nach vielen Richtungen Klarheit haben, Klarheit bekommen. (…) So wie die Gottesmutter Mutter in einem eigentlichen Sinne der einzelnen Gläubigen (ist), so ist sie auch Mutter der Kirche insgesamt. Hier mögen wir unterscheiden: eine Zeugung der Kirche, eine Geburt der Kirche und eine gewisse Abrundung und Vollendung der Kirche. [Vorträge, I (1965), 109 f.]

Welche Funktion, welche Funktion hat nun die Gottesmutter gegenüber der Kirche selber? (…) Das ist und bleibt halt ewiger Plan des ewigen Gottes, daß die Kirche nicht existieren kann, daß auch die heutige Kirche nicht geboren werden, nicht neu erzeugt, nicht vollendet werden kann ohne die Gottesmutter. (…)

Soll Christus neu geboren werden in den Christen, soll die Kirche, auch die heutige Kirche, neu geboren werden, dann kann es nur geschehen aus dem Heiligen Geiste, aber in Verbindung mit der Jungfrau Maria. [Vorträge, I, (1965, 112 f.]

Veröffentlicht:
Joseph Kentenich
Aus dem Glauben leben
Band 16, Predigten in Milwaukee 27.12.1964
Patris Verlag GmbH
ISBN: 978-3-87620-138-2
Zum Online-Angebot des Verlags

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