CmL1996 III 5 Anwendung auf die christliche Ehe

CmL1996 III 5 Anwendung auf die christliche Ehe

J. Kentenich, aus: Vortrag für Ehepaare in Milwaukee, USA, 27.3.1961

Von welchem Standpunkt ist Paulus ausgegangen, wenn er christliche Fragen oder Fragen der Lebensgestaltung beantworten wollte? Immer (von dem): Wir sind Kinder Gottes und Glieder Christi. Was schickt sich für ein Gotteskind, und was schickt sich für ein Glied Christi? Mag es sich dabei um die Freiheit handeln oder auch um alle Fragen des Geschlechtslebens, er hat sie immer gelöst von dem einen Punkte aus: Wir sind Gotteskinder, Glieder Christi.

Es wäre nun ein Leichtes, noch einmal zu examinieren. Gerade vom Standpunkte aus, daß wir Glieder Christi sind, müßten wir uns von Paulus eine ganze Ehemoral neu entwerfen lassen. Ich will heute abend wenigstens das eine oder andere Wort dazu sagen, will es aber nicht ausführen, damit wir nachher bei praktischen Fragen stehenbleiben können.Sie erinnern sich daran: Wann sind wir Glieder Christi geworden? Durch die heilige Taufe. Was heißt das, Glieder Christi sein? Das sind lauter Dinge, die wir heute fast alle vergessen haben. Glied Christi sein, das heißt hineingezogen werden in den Tod und in die Auferstehung Christi, oder anders ausgedrückt, hineingezogen sein in das sterbende und das auferstandene Heilandsleben (vgl. Röm 6,1-11). Das gilt für die Taufe, gilt auch für jedes Sakrament in erneuter Weise. Das heißt, durch jedes Sakrament wird diese Teilnahme am sterbenden und am auferstandenen Heilandsleben vertieft. Und Paulus lehrt dann, daß das in ganz besonderer Weise durch die Ehe geschieht. Ja, die ganze Ehemoral und -aszetik leitet er ab von dem Gedanken: Durch die Ehe werden wir in einzigartiger Weise Glieder des sterbenden und des verklärten, auferstandenen Heilands.

Wie der Heiland für die Kirche gestorben ist – das ist sein großer Gedankengang -, so muß der Mann für seine Frau sterben (vgl. Eph 5,25). Das heißt konkret, die Liebe zu seiner Frau muß eine selbstlose Liebe sein; die Ichsucht muß dabei sterben. Das heißt allgemeingültig: Die Liebe Christi zu seiner Braut, der Kirche, muß das Ideal sein für den Mann und für die Frau. Sehen Sie, Christus gibt sich seiner Kirche selbstlos hin, gibt sein Blut für sie her. Und die Kirche ist verpflichtet, sich dem Bräutigam selbstlos hinzugeben.Verstehen Sie, wie Paulus gerade von dem Gedanken der Christusgliedschaft aus alles, was zur Ehe gehört, neu verklärt und neu begründet?

Wenn ich deswegen frage: Was ist der Sinn der Ehe?, dann kann ich zwei Antworten geben. Das ist (allgemein) das Einssein der beiden Partner in selbstlos-opfernder Liebe. Wenn ich aber an die christliche Ehe denke, dann ist das ein Einssein der beiden Partner in Christus, in Gott. Das heißt praktisch, das Band der Liebe, das Mann und Frau verbindet, muß das Band der selbstlosen, opferreichen Liebe sein: genauso wie Christus sich selbstlos für die Kirche opfert und die Kirche selbstlos sich Christus hingibt.

Wenn Sie sich zurückerinnern an all das, was wir anfangs grundsätzlich miteinander besprochen haben, dann klingt vielleicht noch in den Ohren das Wort wider: Die Ehe ist eine einzigartige Hochschule heroischer Liebe. Deswegen, wenn wir das so sehen, wie es sich praktisch auswirkt: Anfangs ist das meist ichsüchtige Liebe. Langsam muß die selbstsüchtige Liebe sich läutern bis zum höchsten Grade der selbstlosen gegenseitigen Liebe. Die meisten Ehen zerbrechen daran, daß sie über den ersten Grad der Liebe nicht hinauskommen.

Erschienen in:
Joseph Kentenich
Christus mein Leben
Ausgewählte Texte zum Christus-Jahr 1997
Herausgegeben von Günther M Boll, M. Pia Buesge, Peter Wolf
Patris-Verlag Vallendar-Schönstatt
www.patris-verlag.de

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