CS14 CAUSA SECUNDA Text 14

CS14 CAUSA SECUNDA Text 14

Aus: Priesterexerzitien „Unsere Sendung“ 1931

Ich will Antwort geben auf die Frage: Was ist die Kirche? Zunächst eine historische, dann eine metaphysische. Die Metaphysik ist notwendig, wenn wir eine Grundhaltung schaffen wollen. Aus dieser Grundlage folgt von selber, was das praktische Leben verlangt.

Historische Antwort: Im Laufe der Jahrhunderte eine Rechts- und Liebeskirche. Beides muß die Kirche immer gleichzeitig sein. Sie muß das Autoritative in sich verkörpern, das Sakramentale und das Mystische. Das muß ich im Fingerspitzengefühl haben, was gerade mehr betont werden muß. In den ersten christlichen Jahrhunderten hat sich das Morgenland kaum damit abgegeben. Das Abendland hat sich schon sehr früh damit beschäftigt. So finden wir in den ersten Jahrhunderten die Kirche als Organ der Lehrverkündigung, als die große Lebenseinheit der Gläubigen. Unter anderm eine gewisse Höhenlage haben wir bei Augustinus. Von ihm wesentlich folgende Gedanken über die Kirche: Er sucht vor allem das objektive Amt und den objektiven Charakter herauszuarbeiten. Er sieht die Kirche wesentlich als eine Gnadengemeinschaft. Deswegen sein Lieblingsgedanke: das corpus Christi mysticum… Das Vollendete finden wir wohl beim heiligen Thomas. Er bringt es meisterhaft fertig, die drei zu einer Einheit zu verbinden. Er findet in seiner Zeit ein ganz blühendes kirchliches Leben vor. Seine Größe liegt darin, daß er alle Teile zu einer Einheit verband.

Zwei Prinzipien stellt er ein:

Causa prima: Gott, die Ursache der Gnade.

Causa secunda: da finden wir die tiefere Aufgabe vom instrumentum coniunctum. Das ist die menschliche Natur des Gottmenschen. Instrumentum separatum: die Sakramente als äußere Zeichen. Wenn das auch eine Überlegung ist, die wir wieder vergessen können, auf jeden Fall müssen wir Klarheit haben über die drei. Nach Thomas erfolgt bald eine Zersetzung des kirchlichen Lebens. Da merken wir, wie wahrscheinlich nach dem Gesetze „Extreme berühren sich“, durch die Reformation ein Extrem betont wird. Sie lehnen ab das Autoritative und Sakramentale. Nun gehen wir wieder zwei Jahrhunderte weiter.

Im 18. Jahrhundert, nachdem man so richtig stark das eine betont, kam das Gegengewicht. Man betont wieder das Mysterium, das Sakramentale. Sailer macht einen Vorstoß mit seiner Schule, Günther mit seinem Vitalprinzip, dem Heiligen Geist. Er ist auch das Totalitätsprinzip, das alles in sich vereinigt (Möhler)…

Damit haben Sie historisch die Antwort: wer ist die Kirche? Was mögen wir nun dann zu antworten haben, wenn wir nach der metaphysischen Antwort fragen? Von Möhler sind uns hauptsächlich zwei Definitionen überliefert. Die eine: Die Kirche ist die unter den Menschen in menschlicher Weise sich ständig fortsetzende Menschwerdung. Das müssen wir nachher untersuchen, weil das den Kern trifft. Hier ist die innige Beziehung zu Christus zum Ausdruck gebracht. Eine gewisse causalitas exemplaris. Christus ist aber auch die causa efficiens der Kirche. Das ist ein wenig zum Ausdruck gebracht. Das sind die beiden Gedanken, die ich gern herausarbeiten möchte.

maschinenschriftlich, 49 Seiten 44, 5.14 *

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