CS69 CAUSA SECUNDA TEXT 69

CS69 CAUSA SECUNDA TEXT 69

Aus: OKTOBERWOCHE 1967

Wir wollen uns daran erinnern, wie tief die großen Gesetzmäßigkeiten des Grundverhältnisses zwischen Erst- und Zweitursachen in unserem Denken eingewurzelt sind. Ungezählt viele Male sind uns diese Gesetze eingeprägt worden. Wir sollten sie uns immer vor Augen halten; denn gerade in der heutigen Zeit, die alles durcheinanderwirft, alles mechanisiert, analysiert, sind diese Gesetze von einzigartiger Bedeutung.

Was ich sagen will, kann nur kurz skizziert werden. Die Zweitursache hat der Erstursache gegenüber eine dreifache Funktion: Sie ist Ausdruck des Verhältnisses zur Erstursache, zum Vatergott. Sie will auch ein Mittel sein, um die Liebe zur Erstursache, zum Vatergott zu erreichen. Und sie ist ein dauernder Schutz für dieses Grundverhältnis zum Vatergott. Allerdings setzt das voraus, daß sich alles nach dem Gesetz der organischen Obertragung und der organischen Weiterleitung vollzieht. – Die Antwort ist natürlich nur für diejenigen trächtig und beweisend, die das Gesetz in der ganzen Tiefe verstehen. -(S. 60)

Darf ich rasch daran erinnern, wie häufig wir von der Theologie des Glaubens gesprochen haben? Ein Lieblingsgedanke! Wir werden uns nach dem Wunsch des Heiligen Vaters im Lauf des Jahres noch öfter damit beschäftigen. Glauben im biblischen Sinn besagt nicht nur Hingabe des Verstandes, sondern Totalhingabe der ganzen Persönlichkeit an den lebendigen, an den unendlichen Gott.

Glaubensgeist schenkt uns deswegen eine geheimnisvolle Voreinstellung für Gott. Es gibt heute mehr denn je ungezählt viele Ereignisse, bei denen man sagen kann, wo die Ursache dafür ist. Wie häufig können wir Zweitursachen nennen! Der Glaubensgeist sieht aber hinter allen Zweitursachen den lebendigen Gott. Sympathie für Gott! Der Geist des Glaubens gibt uns diese Sympathie. Er ist ein göttlicher Instinkt, der uns immer wieder heimweist, der uns hinter allen und in allen Situationen den lebendigen Gott, den Vatergott, sehen läßt, der uns drängt zur totalen Hingabe an ihn. „Was irdisch war im Denken, zu menschlich im Verschenken, wollt Gott nach oben lenken und ganz in sich versenken…“ Dieser Glaubensgeist gibt uns ferner eine gewisse Kunst, überall Partei zu ergreifen für den lieben Gott.

Leider kann ich über diese Dinge, obwohl sie so aktuell sind, jetzt nicht sprechen. Mir kommt es hier auf die Philosophie des Glaubens an… Die Philosophie des Glaubens gibt uns die grundsätzliche Antwort: Wir glauben auf Autorität hin!

Letzte Autorität ist natürlich immer der lebendige Gott. Wie aber spricht der lebendige Gott zu mir? Durch Zweitursachen! Die offizielle Zweitursache, das normale Organ Göttes, ist die Kirche. Der Heilige Geist spricht durch die Kirche. Die Kirche ist aber kein abstraktes Gebilde. Wenn wir uns in besonderer Weise Kirche im Kleinen nennen, wer ist dann Autorität für unseren Glauben? Wer gibt uns die Gewähr dafür, daß der liebe Gott dahinter steckt?

Im Sinne der Kirchenlehrer darf ich den eben skizzierten Gedankengang irgendwo andershin verlagern. Früher sprach man vom sensus communis, das heißt, wenn die Gemeinschaft der Heiligen, die Kirche, etwas für wahr hält, dann ist das ein Beweis, daß der liebe Gott mit seiner Autorität dahinter steht. -(S. 62f)

vervielfältigt/Offset, 223 Seiten A5, S. 60; S. 62f

 

Back