GdL-1965-04 Unser christliches Leben – ein Versteck- und Findespiel

GdL-1965-04 Unser christliches Leben – ein Versteck- und Findespiel

Aus: Pater Josef Kentenich, „Aus dem Glauben leben“, Band 17

GdL-1965-04 Unser christliches Leben – ein Versteck- und Findespiel

Wenn ich das göttliche Leben lebe, wenn die Rechtfertigung in mir Wirklichkeit geworden ist, die Teilnahme an der göttlichen Natur, kann ich (ja) gar nicht anders, dann muss ich ständig kreisen um Gott und um das Göttliche, dann muss ich in allen Lagen meines Lebens kreisen um den lieben Gott, so wie er ständig sich mit mir beschäftigt …

Christliches Leben, mein christliches Leben: ein einziges großes Liebesspiel zwischen dem Vatergott und dem Vaterkind! Ein einziges großes Liebesspiel. Genauer gesagt, ein Versteckspiel und ein Suchspiel. Der liebe Gott versteckt sich und sucht mich, und ich suche den lieben Gott, und ich verstecke mich vor dem lieben Gott …

Um bei dem Wort Liebesspiel noch mal ein wenig stehen zu bleiben, das verstehen wir sehr gut, wenn eine Mutter zum Beispiel mit dem Kind spielt, es gleichsam so in die Hand nimmt und dann zum Fenster hinaus(hält). Das Kind sieht dann da unten den Abgrund, und auf der anderen Seite, dann drängt es zur Mutter hin. Weshalb? Das ist ein Spiel! Genauso macht es der liebe Gott mit uns. Ein Such- und ein Versteckspiel. Ja, das müssen wir: wir müssen einmal unser christliches Leben ganz ausführlich unter dem Gesichtspunkt sehen. Dann merken wir erst, von welcher Bedeutung die Zweieinheit ist zwischen diesen beiden Ereignissen: Kreuz und Auferstehung, Untergang und Auferstehung; auch in unserem Leben; jetzt schon, nicht erst am Ende unseres Lebens!

Und wir können das sehr gut verstehen, wenn da jemand meint, ich sollte doch noch lange bei dem Gegenstand stehen bleiben. Das wäre ja doch das Meisterstück des Lebens, wenn wir das fertig brächten, in unserem Kreuz und Leid sogar mit Inbrunst, mit einer gewissen Freude immer wieder die Auferstehung zu erleben. Das ist ja auch Auferstehung! Was ist das etwas Großes, wenn der Mensch dem Heiland sein Kreuz freudig nachträgt und sich sagen darf: Auferstehen! Das bessere Ich, das Gotteskind in mir wird jetzt wach, steht auf. Weshalb (steht es) auf? Weil es ja mit dem Heiland am Kreuz hängen darf, steht es auch jetzt mit ihm auf. (…)

Ich weiß es nicht, ob wir den „Engel des Herrn“, wie er Ostern gebetet wird, auch gerne beten: Freu dich, du Himmelskönigin, denn der, den du zu tragen gewürdigt warst, der ist auferstanden! Alleluja, alleluja! Ich meine, ich darf jetzt mich auffassen als ein Abbild der Gottesmutter. Freu dich! Der, den du zu tragen gewürdigt warst – durch die Teilnahme am göttlichen Leben tragen wir ja den dreifaltigen Gott in geheimnisvoller Weise in uns – der, den du, den ich, den wir alle zu tragen gewürdigt sind, ist auferstanden. Ja, deswegen freu dich! Alleluja, alleluja! Amen.

Predigt vom Weißen Sonntag 1965

Aus: Pater Josef Kentenich, „Aus dem Glauben leben“, Band 17

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