GdL-1965-11 Organ für den Glauben

GdL-1965-11 Organ für den Glauben

Ansprache bei der Feier des 80. Geburtstages in Rom

Wir können uns das gut vorstellen, wie das war: Die Gottesmutter, (d.h.) die Königin hat zu sorgen, daß der Glaube im Reiche ihres Gemahls immer unerschütterlich festgehalten wird. Bitte: Wer die Geschichte einigermaßen kennt, was heißt das? Was hat die Gottesmutter uns von Anfang an einen Glauben, und zwar den Vorsehungsglauben in einer Weise gegeben, daß wir sagen müssen: Der Vorsehungsglaube in all seinen Schattierungen und Verzweigungen ist eigentlich die klassischste Weltauffassung Schönstatts geworden! Und (das) in einer Zeit, wo alle Welt klagt, angefangen vom Papst bis hinab zu all den ungezählt vielen Priestern, die in der praktischen Seelsorge stehen! Klage: Der heutige Mensch hat kein Organ mehr für den Glauben! Ursache: (Man) will die Königin nicht mehr! Das ist Aufgabe der Königin, auch im Reiche ihres Sohnes, für einen unerschütterlichen, im Jenseits verwurzelten Glauben (zu sorgen), vor allem dem lebendigen Gott, dem Gott des Lebens gegenüber, (dem Gott) des Vorsehungsglaubens. Bitte, prüfen Sie! In wieviel Situationen waren wir, (in) gefährlichen Situationen, wo alle fürchten mußten: Matthäus am letzten! (Es) ist jetzt alles geglückt! Und es wird uns auch alles glücken, wenn wir nur treu bleiben! Es sind so allerlei Gedichtlein, die ich damals 1919, als so die ersten Kurse gehalten wurden, so gerne wiederholt habe:

Die groß geschaut und groß gebaut,
die ruhen in den Särgen;
auf ihren Gräbern kriechen wir
als ein Geschlecht von Zwergen.

Nein, wir wollen keine Zwerge sein! Sicher, wir wollen keine großen Männer sein im Sinne der Welt, aber große Männer und große Frauen, in denen der heroische Vorsehungsglaube die Tragkraft des ganzen Lebens, der Eigenseele und der Gemeinschaftsseele ist. Prüfen Sie, wie der Vorsehungsglaube uns auch durch alle Schlachten jetzt hindurchgeführt hat! Was ihr ererbt von euren Vätern habt, erwerbt es, um es zu besitzen!

Feier des 80. Geburtstages in Rom im Generalat der Mainzer Vorsehungsschwestern. Ansprache am Vormittag 1965, 16. 11. (B)

in: Propheta locutus est, Band I, S. 9-32, Seite 21f.

 

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