GM2009-34 Doppelte seelische heilige Dreieinheit

GM2009-34 Doppelte seelische heilige Dreieinheit

Aus: Das Lebensgeheimnis Schönstatts, II (1952), 154-156. 171 f.

„Christliche Nächstenliebe strebt immer nach der seelischen Zweieinheit, nach dem seelischen Ineinander zwischen Mensch und Mensch, ohne deshalb die Verbindung mit Gott zu verlieren. Sie schließt also immer eine heilige Dreieinheit in sich: Einheit zwischen dem Ich und dem menschlichen Du und zwischen dem menschlichen und dem göttlichen Du. Erreicht sie einen hohen Grad, so kennt sie ein ‚cum‘, ein ‚per‘ und ein ‚in‘ mit dem lebendigen Gegenüber, mit dem persönlichen Du als Symbol und Transparent für das göttliche Du.

In allen Stadien ist bewußt oder unbewußt, keimhaft oder ausgeprägt diese seelische Dreieinheit vorhanden. Niemals löst sie das menschliche Du von seiner Gottbezogenheit, also vom göttlichen Du. Beim Christen, der zum Gebrauch der Vernunft gelangt ist, tut sie das nicht in ihren primitivsten Formen; sie tut es nicht in den höchsten Graden der entichten, selbstlosen Liebe kanonisierbarer Heiligkeit; sie tut es auch nicht in den Zwischenstadien. Es gibt nur einen Ausnahmefall, das ist der Zustand der Sünde, die ja eine Abkehr von Gott in sich schließt und deswegen praktisch die Gottbezogenheit der Seele leugnet.

Primitiv wird christliche Du Liebe nicht deshalb genannt, weil sie das menschliche Du getrennt vom göttlichen sieht, sondern weil bei ihr das Ich, die Ichbezogenheit stark im Vordergrund steht. Die Moral spricht hier vom ‚amor concupiscentiae‘ [Liebe des Begehrens. Andererseits muß aber auch festgehalten werden: Heroisch ist die Liebe des Heiligen nicht deshalb, weil sie das menschliche Du beseitigt hat und nur Gott sieht und umfängt, nicht deshalb, weil sie das menschliche Du zu einem Es entwürdigt und entweiht hat, sondern weil die seelische Dreieinheit eine Akzentverschiebung erfahren hat. Der Ichkrampf ist gelöst, das Ich ist in den Hintergrund getreten, das menschliche und das göttliche Du stehen in eigenartig geheimnisvoller Zweieinheit in einer Weise im Mittelpunkt, daß der Mensch mehr in Gott als Gott im Menschen gesehen und geliebt wird.

Menschen, die diese seelische Dreieinheit im irdischen Bereich nie oder nicht tief genug erlebt haben, werden die Dreieinheit zwischen sich und Maria und Christus nur schwerlich verstehen. Es fehlt ihnen die Erfahrung; es mangelt ihnen der Anknüpfungspunkt, die Assoziationsbrücke. Deshalb wissen sie mit dem Gesetz der Affektübertragung nichts anzufangen. Sehr häufig entbehrt ihr übernatürliches Leben des Reichtums, weil sie in der niederen, in der natürlichen Ordnung seelisch verarmen mußten. Von ihnen gilt im doppelten Sinne das Wort des heiligen Johannes: ‚Wer nicht liebt, der ist im Tode‘ (1 Jo 3,14). (…)

Das rechte Verständnis für die doppelte seelische Dreieinheit, das heißt für die Dreieinheit zwischen dem Ich und dem menschlichen und göttlichen Du und die seelische Dreieinheit zwischen dem Ich, der Gottesmutter und Christus, ist nur dort zu erwarten, wo ein gesunder Glaube und naturgemäßes Denken vorhanden ist. Man darf wohl auch beifügen: Was heute Voraussetzung ist, kann morgen Wirkung werden; das heißt: Wo man sich um die wahre christliche Liebe bemüht, darf man rückwirkend auf die Dauer gesehen auch die Gesundung eines krankhaften Denkens erwarten. Wir erinnern uns wieder an das mehrfach gebrauchte ‚ut finale'[Absicht] und ‚ut consecutivum‘ [Folge]. Ein naturgemäßes Denken hat vier Eigenschaften: es ist organisch, ganzheitlich, zentriert und symbolhaft.“

Aus: Pater Kentenich-Texte zum Thema „Gottesmutter Maria“ – Zusammengestellt von Pater Dr. Herbert King (2009) – http://www.schoenstatt-patres.de/cms-king/index.php

 

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