GwdK2010/11-1-01 Kirche in pluralistischer Gesellschaft

GwdK2010/11-1-01 Kirche in pluralistischer Gesellschaft

Vortrag vom 2. Dezember 1965

Ich habe sagen dürfen: Wer nachkonziliarisch fruchtbar arbeiten will, der muß zweitens dafür sorgen, daß die Familie, also die Diözese als Familie, eine zeitaufgeschlossene Familie wird. Was das Wort „zeitaufgeschlossen“ bedeutet, läßt sich kaum mit wenigen Worten sagen.
Ich hebe nur einen Punkt hervor: Wer die heutige Zeit kennt, wer versucht hat, in ihr, für sie zu arbeiten, der horcht besonders stark auf, wenn er das Wort hört pluralistische Gesellschaftsordnung. Das klingt natürlich ungeheuer modern; das klingt wohl auch so, als wenn nunmehr Fesseln; Mauern gefallen wären. Aber man darf nicht übersehen, wie viele neue Fesseln für morgen zu erwarten sind. Der Ausdruck, der Lebensvorgang, der damit bezeichnet wird, setzt voraus, daß alle Mauern nun gefallen und am Fallen sind, setzt voraus, daß wir morgen oder übermorgen kaum noch ein katholisches Lager haben. Das setzt voraus nicht nur, daß Völker und Nationen ineinander fließen, ineinander wirbeln, setzt auch voraus, daß die verschiedenen religiösen Bekenntnisse, ob christliche oder nichtchristliche Bekenntnisse, durcheinander sich mischen.
Was das bedeutet? Wir kennen die menschliche Natur. Wir wissen auch, daß die menschliche Natur total abhängig ist von einer Atmosphäre, vom Schutz der Atmosphäre. Fällt morgen, übermorgen ‑, Mauern fallen ‑ wie schwer muß es dann sein, überhaupt katholisch zu bleiben! Wie schwer mag es dann sein, religiös zu bleiben, den Glauben als Wurzel des Baumes, des katholischen und religiösen Baumes, zu wahren und zu bewahren!

 

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