GwdK2010/11-6-16 In allen Bereichen der Welt

GwdK2010/11-6-16 In allen Bereichen der Welt

Vorträge 1963, 11, 11 ff.

Und wie viele Strömungen gibt es heute außerhalb unserer Familie, von denen wir wenig berührt sind! Wir mußten uns ja gleichsam in eine Enklave zurückziehen, damit wir nicht innerlich verworren und verwirrt würden, damit wir nicht nachher dasäßen, unserer ganzen Eigenart beraubt. Wenn wir einmal uns besitzen, dann heißt es: geöffnet sein für alles, was heute in der Zeit herumgeistert; dieweilen wir ja wohl auch möchten, daß die Familie als Werkzeug in der Hand der Gottesmutter überall Führerposten übernimmt, ob es sich dabei um die Wirtschaft, ob es sich dabei um Politik handelt, um was es auch immer sich handeln mag. Nicht so, als wollten wir überall Politik und Wirtschaftslehre „verzapfen“, aber wir müssen doch Menschen großziehen, die über alle diese Dinge Bescheid wissen, ob es sich um wirtschaftliche oder um politische Fragen handelt. Wo wir innerlich erzogen, geformt sind, so wie der liebe Gott uns gesehen, haben wir den Boden auch vorbereitet, um zu all diesen Fragen Stellung zu nehmen.

Und doppelt, wo wir unsere Laien zusammengreifen wollen, zusammenraffen wollen, wo wir die Laien formen und gestalten wollen, müssen wir sie auch laienmäßig hineinführen in ihre Laienaufgabe. Und wenn der Laie an sich die Hand der Kirche ist, die hinausreicht und hinausgreift in alle modernen Fragen – ob es sich um Politik oder was auch immer handeln mag -, dann ist das für uns selbstverständlich: was die Kirche schlechthin zu tun hat, das wollen wir unseren Laien gegenüber per eminentiam tun.

Damit haben wir natürlich auch einen Hinweis auf die Beantwortung der Frage, inwiefern wir politisch sind, inwiefern wir wirtschaftlich sind. Ja, zutiefst wohl in dem Sinne, daß wir uns dazu erziehen, überall Gott zu gehören und Gottes Interesse in der Welt zu verteidigen. Wir können uns natürlich nicht einen und einigen, sagen wir, auf ein einziges politisches System. In den Dingen müssen wir den einzelnen Freiheit lassen. Insofern sind wir keine politische Gemeinschaft. Freilich, indirekt sind wir das sicher. Genauso, wie der Katholizismus indirekt auch eine politische Gemeinschaft ist, insofern er Grundsätze formuliert, Menschen formt, die dann in ihrer Weise – freilich mit voller Freiheit, persönlicher Freiheit – nach all diesen Richtungen hineingreifen in das Räderwerk der heutigen Zeit.

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