GwdK2010/11-7-13 Pilgernde Kirche

GwdK2010/11-7-13 Pilgernde Kirche

Vortrag vom 8. Dezember 1965.

Für uns ist es von besonderer Bedeutung, daß das Konzil bei der Selbstdarstellung sehr gerne den Ausdruck gebraucht: die jetzige Kirche erlebt sich als die pilgernde Kirche, nicht die in sich fertige, nicht als die in sich abgeschlossene Kirche, sondern als die pilgernde Kirche. Wenn sie am Pilgern ist, was will das bedeuten? Dann hat sie rechts und links am Pilgerwege, am Pilgerwesen ihrer Existenz, am Pilgerwege ihrer historischen Existenz Elemente verschiedenster Art in sich aufzunehmen, hat dafür zu sorgen, daß diese Elemente ihr Antlitz, ihr zeitbedingtes Antlitz wesentlich mitprägen. Eine pilgernde Kirche.

Weiter, wie sieht das Antlitz aus? Wie sieht die Kirche heute sich selber? Wenn ich in Form von Bildern sprechen darf: Wir sind daran gewöhnt, waren daran gewöhnt, die Kirche aufzufassen wie einen unerschütterlichen Felsen. Auf Felsen ist die Kirche aufgebaut. Tu es Petrus, et super hanc petram aedificabo ecclesiam meam. Die Kirche ist also auch Fels. Aber wir wollen und wir dürfen ja die Kirche selber tut das, deutet das Bild des Felsen wesentlich anders als früher. Früher wurden die Völker eingeladen, ihrerseits den Weg zu suchen, zu finden zu diesem Felsen. Heute will dieser Felsen sich ständig bewegen. Wenn ich das wenig gebräuchliche Bild nun formulieren darf, dann müßte ich so sagen: Dieser Felsen ist ein pilgernder Felsen. Er pilgert hindurch durch die Nationen, er pilgert hindurch durch die Zeiten und sucht selber Menschen, Seelen, ja lockt sie an, wartet also nicht, bis sie von selber kommen.

Dafür wohl viel lieber das andere Bild, so wird es wenigstens gerne gebraucht: die Kirche ein Schiff. Mit dem Begriffe Schiff ist ja die Beweglichkeit verbunden; ein Schiff, hindurch durch Wogen und Wellen, und mögen die Wellen haushoch sein, und mögen die Wellen vielfach das Schiff gefährden, so daß die Not besteht, jederzeit die Gefahr, daß es in den Abgrund hinuntergerissen wird. Bild der Kirche. So sieht die Kirche sich selber, so erlebt die Kirche sich selber.

Ob wir den großen Unterschied verstehen zwischen gestern und ehegestern und heute und morgen? Von hier aus wird es Ihnen viel leichter, auch die Diskussion zu verstehen, die um das Bild der Kirche herumgeweht und gewittert hat.

Ferner, suchen wir andere Bilder. Es ist ja die erste Eigenschaft der Kirche, die wir heute vor uns haben: das ist eine pilgernde Kirche, das ist ein pilgernder Fels, das ist ein Schiff, mitten hinein und hinausgeschickt auf hohe See, das ist gegenüber früherer Auffassung eine überaus dynamische Kirche. Weg also, oder wenigstens wo es sich um die Akzentuierung handelt: nicht so stark die Statik, sondern auch, sondern vielmehr die dynamische Kraft und Macht, die Dynamik der Kirche will heute betont werden. So sieht diese Kirche aus. Ein neues Bild der Kirche.

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