GwdK2010/11-7-18 Eine fehlbare und sündige Kirche (um Verzeihung bitten)

GwdK2010/11-7-18 Eine fehlbare und sündige Kirche (um Verzeihung bitten)

10. Februar 1968, Erster Vortrag.

Und mit der Unsündlichkeit, ja das hat man wohl immer gesagt. Denken Sie nur an den alten Beweis, den wir früher auch alle wohl gelernt haben: Einer der tragfähigsten Beweise für die Göttlichkeit des Christentums – was ist das? Die Schwäche der Hirten, die Schwäche der Hierarchie. Was ist aber hier gemeint? Persönliche Schuld. Aber zugeben, daß die Kirche auch in sündiger Weise gefehlt durch Bestimmungen, die sie erlassen, – wer hat gewagt, so etwas zu sagen, so etwas zu denken! Sicher, im Hintergrunde hat man sich damit auseinandergesetzt, aber die allgemeine Meinung: die Kirche ist im wesentlichen unfehlbar. (…)

Wissen Sie, was die Bestimmungen angeht, ich erinnere mich gut, wie eine von den unseren, eine von unseren Schwestern bei dem Privatsekretär von Ottaviani einmal geltend machte, es hätte die Kirche mir doch schrecklich Unrecht getan, wär doch endlich am Platze, daß das wieder gutgemacht würde. Antwort: Das tut die Kirche nicht. Was tut die? Die tut nachher, als wenn nichts gewesen wäre. Verstehen Sie, das sind ja Dinge – wenn Sie jetzt zurückschauen und denken an all das, auch was man etwa sagt von Zwingli, wie man die alle behandelt hat. Nun ist ja an sich offiziell ein Akt der Sühne geleistet durch den Papst, also wo er Sühne leistet, zugestanden, was die Kirche selber gefehlt hätte.

Sehen Sie, noch einmal: Was versteht man heute noch nicht? Was ist also neu am Werden unter dem besagten Gesichtspunkte unter „Unfehlbarkeit“? Für unseren Zweck darf ich unterscheiden: Unfehlbarkeit im weiteren Sinne des Wortes und Unfehlbarkeit im engeren und engsten Sinne des Wortes.

Aber im weiteren Sinne des Wortes, was wir uns da vergegenwärtigen müssen? Eigentlich das, was ich eben schon gesagt habe: Der Heiland hat sich mit seiner sündigen Braut vermählt, und der Heiland sorgt unfehlbar dafür, daß diese sündige Braut ihr Ziel erreicht; sorgt dafür, daß wir ihn in der Kirche finden und von der Kirche uns alles in ausnehmender Weise schenken lassen, was für unser ewiges Seelenheil vorbereitet und gedacht ist.(…)

Nun ein Wort über die Sündigkeit der Kirche, nicht wahr, Sündigkeit in dem Grade oder in der Art, wie ich das eben dargestellt habe. Wie darf ich das dann darstellen, wie darf ich das dann auffassen? Ich meine, es wäre nicht gewagt, zu sagen: Dadurch, daß man praktisch jahrhundertelang die Kirche in bekanntem Sinne als unsündig aufgefaßt, hätte man der Kirche mehr geschadet, als man es heute tut, wenn man die Sündhaftigkeit der Kirche übertreibt.

Müssen Sie überlegen, ob das stimmt. Eine Reform der Kirche ist natürlich unmöglich, wenn die Kirche sich selber als unsündlich, als unfehlbar – so in dem Sinne, wie ich das eben dargestellt habe – hält. Darum, wir haben ja ansonsten schon des öfteren gesprochen von den Runzeln der Kirche, auch im ersten Exerzitienkurs dargestellt, wie es Historiker gibt, die vielfach nichts anderes kennen, wenn sie die Kirchengeschichte dozieren, als die Runzeln der Braut Christ. Gegensatz. Gerade weil an sich auf der anderen Seite alles glorifiziert wird, deswegen auf dieser Seite auch auf der ganzen Linie nur die Runzeln und Schwächen. Wir müssen nach der Richtung ehrlich bleiben, auch ehrlich uns selber gegenüber bleiben. Nun hat ja die Kirche im Papst Sühne geleistet. Was wir uns aber im besagten Zusammenhange einprägen sollten und müßten, das ist halt der Gedanke: Die Reformbedürftigkeit der Kirche sollten wir immer im Auge haben und behalten und dann überlegen: Wie können wir die Hindernisse entfernen, damit der Heilige Geist überall das Ruder in die Hand nimmt? Was können wir dafür tun, damit das Wort wahr wird: „Bisher hab ich am Steuer selbst gesessen… Laß, Vater, endlich ganz die Kehr mich finden!“

Sehen Sie, das sind ja alles Ausdrücke, die das wiedergeben, was die Kirche durch das Konzil en masse will und was die nachkonziliare Kirche auch auf der ganzen Linie zu verwirklichen trachten will und muß.

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