PVgEq2007 01 Praktischer Vorsehungsglaube als Erkenntnisquelle

PVgEq2007 01 Praktischer Vorsehungsglaube als Erkenntnisquelle

Einführung von P. Dr. Herbert King

Pater Kentenich geht vom traditionellen Vorsehungsglauben der Kirche aus. Ist aber der Meinung, daß dieser in der Vergangenheit, und auch vielfach heute, zu einseitig passiv verstanden wurde. So will er ihn nach der Richtung des Aktiven ergänzen. Der Mensch soll sich bemühen, nicht nur passiv hinzunehmen, was Gott schickt. Durch eine solche Haltung sanktioniert er vorschnell das Bestehende als Gottes Willen. Er soll auch erkennen, was Gott von ihm will, daß er aktiv es tut.

Das bringt dann sofort die Frage mit sich nach der Erkennbarkeit des Willens Gottes für die konkreten Verhältnisse (und nicht nur für die allgemeinen Prinzipien).

Pater Kentenich tritt mit allen Kräften dafür ein, daß die Bekundung des Willens Gottes, wie sie durch die Methode des „praktischen Vorsehungsglaubens als Erkenntnisquelle“ erkannt wird, nicht weniger Gottes Stimme und Bekundung ist, als das, was bei Erscheinungen kund wird.

Außergewöhnliche „übernatürliche“ Erkenntnisquellen hat er eher abgewehrt. Er hält sie zwar für möglich. Doch will er seine Bewegung möglichst nicht in ihren Sog geraten lassen.

Für diese wollte er die Quelle des praktischen Vorsehungsglauben „rein“ erhalten. Ja er spricht von einer „Eifersucht“ für diese Quelle (es mag das biblische Bild vom eifersüchtigen Gott im Hintergrund stehen). Er hat diese Quelle mit „Unnachsichtigkeit und herber Konsequenz“ geschützt. Die Kraft dieser Aussage hat mit Personen aus dem Umkreis Pater Kentenichs zu tun, die anfällig waren für außergewöhnliche Phänomene.

An dieser Stelle ging es ihm um den Stil, den Typ, die Gestalt, den eigentlich urtümlichen Beitrag Schönstatts zum Gestaltwandel der Kirche und der Spiritualität.

Das gilt auch von der Gottesmutter. Sie hat – seiner Ansicht nach – deutlich verschiedene Inhalte „entschleiert“. Sie hat gesprochen. Pater Kentenich hat sie gehört und verstanden. Und zwar eben auf dem Weg des praktischen Vorsehungsglaubens. Nicht auf dem Weg der Erscheinungen, Visionen, Auditionen. Und doch handle es sich dabei nicht weniger um ein Sprechen Marias als bei Visionen und Auditionen. Für dieses Sprechen gibt er Zeugnis. Und, im Glauben an sein Zeugnis, die Schönstätter. Eine solche Aussage ist natürlich ein starkes Stück und hat auch viele Schwierigkeiten mit sich gebracht.

Pater Kentenich liegt an dieser Auffassung nicht nur wegen Schönstatt. Sondern auch, weil er sie für die „gewöhnliche“, die „alltägliche“ hält, die allen gläubigen Menschen zugängliche. Ein mögliches Überhandnehmen der Auffassung, daß im Außergewöhnlichen das eigentliche Sprechen Gottes oder der Gottesmutter geschieht, hat er sehr befürchtet und abgewehrt.

Ebenso kritisiert er die Auffassung, wonach Gott zwar in der Vergangenheit (im Alten und Neuen Testament) gesprochen hat, heute aber nicht mehr. Es sei denn durch Erscheinungen und Außergewöhnliches.

Auch die biblische Offenbarung ist über weite Strecken der Tradition der Kirche zu einseitig als auf dem Fundament von Außergewöhnlichem aufgebaut gesehen worden. So hat in der Vergangenheit auch die wissenschaftliche Erörterung der Glaubensbegründung (Apologetik, Fundamentaltheologie) die Göttlichkeit der Offenbarung in Jesuschristus letztlich ausschließlich durch den Hinweis auf Erscheinungen, Wunder und außergewöhnliche Gnadenzeichen begründet.

Pater Kentenich eröffnet durch seine an der Schönstattgeschichte abgelesenen und durch diese illustrierten Auffassung die Möglichkeit einer adäquateren Glaubensbegründung. Ein Weg, der heute von der Theologie und Katechese insgesamt viel deutlicher begangen wird, als in der Zeit, in der vorliegender Text geschrieben wurde.

Aus:
Praktischer Vorsehungsglaube als Erkenntnisquelle
Kleine Kentenich-Text-Sammlung
Zusammengestellt von Pater Herbert King (März 2007)

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