CS09 CAUSA SECUNDA Text 9

CS09 CAUSA SECUNDA Text 9

Aus: Fortführungskurs für Lehrerinnen 1927

Die Frage „Was ist der Bund?“ können wir beantworten, indem wir den geschichtlichen Weg gehen, dann auch an Hand der Parallele Ingolstadt-Schönstatt. Heute wollen wir nun die Folgerängen ziehen aus der gestern gefundenen Antwort. Der Bund ist ein Werk der Gottesmutter, d.h. sie hat mit ihm in Zukunft manches vor, sie will ihn benützen, um in der heutigen Welt manches zu wirken.

Welche Aufgabe hat Gott bei der Entstehung des Bundes? Bei der wissenschaftlichen Begründung eines Dinges muß ich nach den Ursachen fragen. Es gibt vier Ursachen:

1. die Wirkursache, d.h. wer es gemacht hat,

2. die Zweckursache, d.h. zu welchem Zweck es gemacht wird,

3. die Formatursache, d.h. welche Form das Ding hat,

4. die Materialursache, d.h. aus welchem Stoff es ist.

Was ist die Wirkursache des A.B.? Es gibt eine erste oder Hauptursache und eine Instrumentalursache. Die erste Ursache beim Bund ist Gott, der große, gütige. Zweite Ursache ist die Gottesmutter, und zwar immer in Abhängigkeit von Gott. Die Instrumentalursache zerfällt wieder in eine moralische und eine physische Wirkursache. Die Gottesmutter ist die moralische Wirkursache; denn durch ihren Einfluß und ihre machtvolle Fürbitte bei Gott hat sie erfleht, daß der A.B. ins Leben gerufen wurde. Ohne ihre Fürbitte wäre er nicht entstanden. Also ist er ein Werk der Gottesmutter zu nennen.

Was ist im Bund die Zweckursache? Zu welchem Zwecke ist er gegründet worden? Sein Zweck ist ein apostolischer, nämlich die sittlich-religiöse Welterneuerung.

Materialursache sind lebendige Menschen.

Formalursache, d.h. wie müssen die Menschen beschaffen sein? Es müssen Menschen von besonderer Eigenart sein. Sie müssen den marianischen, den apostolischen, den Gemeinschaftsgeist haben, den marianisch-apostolischen Gemeinschaftsgeist haben. Wie hat sich der Gemeinschaftsgeist in der Congregatio militaris ausgewirkt? In der Bildung von Gruppen und Abteilungen, in den Bindungen und dem Kontrollsystem. Diese Form hat der A.B. übernommen.

Aus all dem geht hervor, daß nicht alle Menschen Materialursache sein können. Man muß Beruf zum A.B. haben, wie man sonst vom Beruf zum Ordens- und Priesterstand spricht. -(S.5)

Wenn ich aber Eroberer im Dienste der Gottesmutter bin, dann ist die Gottesmutter mir gegenüber schwach; sie braucht mich. Wenn ich das ritterliche Moment in mir wecken will, darf ich nur an die Lehre von der Causa secunda denken. Gott hat sich von uns abhängig gemacht. Gott hat sich von uns abhängig gemacht. Er kann die Welt nicht regieren ohne unsere Mitwirkung. Ich weiß: Der Vater will meine Kinder haben, ich muß sie für ihn erobern. Die Mütterlichkeit verlangt als Gegenwirkung starke Opferkraft, sonst wird sie sentimental. Der Mensch hat durchweg eine Mischung von beiden Leidenschaften, eine davon ist aber vorherrschend. Gegensätze ziehen sich stark an. Die Freundin hat meist entgegengesetzte Elemente entwickelt. Wenn ich herrisch bin, muß ich die Gesellschaft solcher suchen, die die gleichen Eigenschaften haben und andererseits auch mit Sinnlichen verkehren, daß ich ausgeglichen werde. In der Gruppe sind meist beide Hauptleidenschaften vertreten. Wenn ich mich daher der Atmosphäre des Gruppenlebens richtig hingebe, kann ich abgeschliffen werden. -(S.26)-

maschinenschriftlich, 32 Seiten A4, S.5; S.26 *

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