CS10 CAUSA SECUNDA Text 10

CS10 CAUSA SECUNDA Text 10

Aus: Akademikertagung „Das innerliche Leben“ 1927

Maria ist ein Werkzeug, vom Heiligen Geiste für geistliche Zwecke verwandt. Sie war: 1. ein ausgezeichnetes, 2. ein williges, 3. ein wirksames Werkzeug.

1. Sie war ein ausgezeichnetes Werkzeug. Sie war frei von der Erbsünde. Gratia plena, keine Begierlichkeit in ihr. Zu welchem Zweck? Vom Heiligen Geist war sie erwählt zur objektiven Erlösung, welche sie anbahnen sollte. Ohne ihr Fiat keine Erlösung, so wie die Tatsachen jetzt liegen; dazu nach Ansicht vieler: die allgemeine Gnadenvermittlung. 2. Sie war ein williges Werkzeug. Gott, die causa prima, pflegt die causa secunda nur nach ihrer Eigenart zu benutzen. Der Mensch wird benutzt mit Einschluß seines freien Willens. Wenn der Mensch ihn versagt, kann oder will Gott für gewöhnlich mit dem Menschen nicht arbeiten. Bei der Gottesmutter hat er den freien Willen respektiert. Beherzt und mutig gibt sie ihr Fiat. Ohne dieses Fiat in dieser Ordnung keine Erlösung. 3. Sie war ein wirksames Werkzeug. Wirksam in der objektiven und subjektiven Erlösung. Ihre Wirksamkeit ist nicht so stark, daß es ohne sie eine objektive Erlösung gäbe. Dazu nehmen viele die Gnadenvermittlung an.

Was mag diese Anregung für uns besagen? Man sagt auch von uns, einmal später „geistliche Gefäße“. Vas spirituale… damit wir geistlicher, übernatürlicher werden. Maria, unser Vorbild unserer Geistlichkeit und unsrer Geistigkeit.Wir sind geistige Gefäße in der objektiven Seinsordnung, d.h. Werkzeuge, vom Heiligen Geiste erkoren für übernatürliche Zwecke. Das ist der tiefste Sinn unsres Christen- und Priesterberufes. Das göttliche Leben ist uns in der Taufe gegeben, wird durch jedes Sakrament, jedes gute Werk vermehrt. Auch sind wir in ähnlicher Weise vom Heiligen Geist erkoren wie Maria (Beruf). Zu welchem Zweck? Wir sollen das göttliche Leben weiterleiten in die Menschenseelen. Nicht caritative Betätigung ist der tiefste Sinn unsres Berufes, sondern nur die Sorge für das göttliche Leben. Alles andere, ob Professor spielen oder sonst etwas, ist nur ein Mittel. Wenn der Priesterberuf der meinige ist, dann muß ich mich einsetzen für die Verbreitung des göttlichen Lebens in den Seelen. Damit ist die Ähnlichkeit mit der Gottesmutter gegeben. Ich bin ein geistliches Gefäß. Nun ist aber ordo essendi ordo agendi. Die Seinsordnung ist die Norm der ethischen. Paulus: „Ihr, die ihr Kinder des Lichtes seid, müßt aber auch als Kinder des Lichtes leben.“ Wir müssen also als Geistmenschen leben im Gegensatz zu den Fleischmenschen. Jetzt werden wir uns schon etwas klarer, was für einen Sinn es hat, das göttliche Leben zu leben. Wie oft ruft.St.Paulus: „Wißt ihr nicht, daß ihr ein Tempel des Heiligen Geistes seid?“ Diese Denkungsart muß unsre eigne werden, mit diesen Augen, mit den Augen des Kindes Gottes müssen wir das andre Geschlecht, die Welt anschauen lernen. -(S.3)-

Der Bund wird so geleitet vom Werkzeuggedanken. Ist das seither auseinandergesetzte nicht eine Form des Werkzeuggedankens? Ich bin in der Hand Gottes ein physisches Werkzeug. Meine Aufgabe ist nun, diese meine Seinsordnung anzuerkennen, mich nicht isoliert von Gott zu betrachten, sondern nur immer in Verbindung mit der causa prima. Erfasse ich das, ist der Wandel mit Gott leicht. Nun auch Werkzeug in der Hand der Mutter Gottes? In der Hand der Mutter Gottes sind wir nur causa instrumentalis moralis. Maria als Fürbitterin wirkt für die Kirche, gebraucht als Werkzeug. Das kann ich annehmen ohne die allgemeine Gnadenvermittlung annehmen zu müssen. Ich brauche nur anzunehmen, daß mein bündlerisches Sein mir von Maria erfleht wurde. Daß das so ist, setzen wir hier voraus. Wenn wir ein echt bündlerisches Sein haben, dann werden die gehörten Gedanken von selbst in uns marianisch umgestaltet. Die Gottesmutter war ihrem ganzen Wesen nach die personifizierte Abhängigkeit von Gott und auch Anhänglichkeit an Gott.

Eine weitere Willensäußerung geschieht durch die Räte. Wann ist ein Rat da? Wenn Gott gleichsam sagt: Tust du das, machst du mir eine Freude; tust du das nicht, strafe ich dich nicht dafür, höchstens durch Entziehung der Gnade, die du sonst bekommen hättest. Hier muß sich der große Edelmut zeigen. Wir sind gewohnt, immer nur nach der Sünde zu fragen. Ist sie nicht da, fühlen wir uns erleichtert und froh.•Mit dieser Einstellung müssen wir aufräumen, ganz und gar. Wenn ich natürlich wirklich auf den Werkzeuggedanken eingestellt bin, werde ich auf den leisesten Wink der causa principalis reagieren. Unsre Frage darf nicht immer sein: Ist Strafe darauf gesetzt oder nicht? Sondern wir müssen uns fragen: Was wünscht Gott? Rat ist z.B. die Hausordnung, dann die inneren Einsprechungen. Darauf müssen wir viel mehr Rücksicht nehmen. Wenn Gott die einzige Größe unsres Lebens sein soll. Zu Allem bin ich bereit, was du, o Gott, wünschest. Übertretung des Rates ist keine Sünde. Die Moralisten unterscheiden oft: per se et per accidens. Auf die Auslegung dieser Unterscheidung kommt alles an. Viele legen sie aus, daß praktisch immer eine Sünde herauskommt. Wozu dann diese Unterscheidung? Sie sagen, es ist immer ein unedles Motiv da, wenn ich etwas besseres unterlasse. Dann bin ich per accidens Träger gewesen und das ist Sünde. Wir und andre Moralisten sagen: per accidens ist die Nichtbefolgung eines Rates nur dann Sünde, wenn das Motiv, aus dem heraus ich handle, an sich schon angekränkelt ist, daß es an sich schon Sünde wäre. Andernfalls kommen wir zu einer richtigen Sklavenmoral. Wo ist dann noch Freiheit und Spielraum für die Freiheit der Kinder Gottes? Standpunkt für uns Bündler ist: Das Höchste erstreben, was sich erstreben läßt. Die Gottesgelehrten sagen (im Gegensatz zu dem heiligen Alfons von Liguori), daß die Berufung nur ein Rat sei. Weil ein Rat da ist, bin ich per •se nicht verpflichtet zu folgen, außer in dem einen Fall, ich würde mit Sicherheit erkennen, ich ginge sonst zu Grunde. Doch haben wir je diese Sicherheit? Wenn ich allerdings Werkzeug sein will, muß ich alle Willensäußerungen Gottes, auch diese, mit ganzer Seele umfassen und zwar gern und freudig. „0 Gott, du warst in mir (auch deine Räte und Einsprechungen)…“ –(S. 17)-

Zur Zeit Christi war der Begriff Gottes der des größten Gesetzeslehrers, der ähnlich wie die Pharisäer sich um die Vorschriften und Tüfteleien kümmert und sonst nichts zu tun hat. In diese Gottesauffassung leuchtet Christus mit seinem Vatergott hinein. Immer wieder betont er das bei jeder Gelegenheit. Er spricht selbst immer nur mit dem Vater, „meinem und eurem Vater“, lehrt die Jünger das „Vater unser“. Er ist Vater seinem Wesen, seiner Gesinnung nach. Wie wird der Heiland poetisch, wenn er anfängt, die väterlichen Gesinnungen Gottes gegen seine Kinder zu schildern: Schauet die Lilien des Feldes, die Sperlinge… Bittet, und ihr werdet empfangen. Ja, ihr braucht gar nicht zu bitten, der Vater weiß es schon, was euch fehlt… Stellen wir uns vor, wir würden zum ersten Male diese Worte hören, welch eine Offenbarung der Vaterliebe wären sie für uns. Wir haben einen Vater mit Vatergesinnung und Vaterliebe. Die Hölle soll nur dazu da sein, uns dem Vater fügsamer, treuer zu machen. Wie weiß dieser Vater zu lohnen über Verdienst. Denen, die in der letzten Stunde kommen, gibt er den gleichen Lohn. Er läßt seine Sonne aufgehen über den Guten und den Bösen. Das ist das Neue, Große, das der Gottmensch zu bringen kam. Das ist unsere Weltauffassung, nicht der Pessimismus. Welche Freude an der Natur müssen wir da empfinden. Wald, Feld, alles hat die göttliche Vorsehung uns bereitgestellt. Haben wir nicht einen alttestamentlichen Gottesbegriff? Immer Furcht und Sünde, das ist der Gottesbegriff des Alten Testamentes. Unser Gott ist ein Gott der Liebe. Die Zukunft also ist ein Werk der Vorsehung Gottes. Deshalb keine Angst vor den Weihen, dem Priestertum. Das Maß unseres Vertrauens ist das Maß für die Gnade Gottes. Was können wir doch innerlich ruhig, gelassen, abgeklärt sein, obwohl das Triebleben in Aufregung und Durcheinander ist, wenn wir den Vatergott in uns ganz erfassen.

Wie stellt sich die heutige Welt zum Vatergott? Gottvergessenheit, Gottlosigkeit geht heute durch die Welt. Ja, man haßt ihn sogar, weil seine Wesenheit die Größe des Menschen mindern könnte. Wir haben ihn gemordet, ruft Nietzsche und seine Schule. Das ist ein Zeichen unsrer Zeit. Muß da nicht der Gedanke „Geheiligt werde dein Name“ uns ganz tief erfassen? Kommt diese Gottlosigkeit auch bei uns vor? Wenn wir damit zu tun haben, ist es Seelenkrankheit, um die wir uns am besten gar nicht künmern, um sie zu vertreiben. Wieviel Gottvergessenheit! Wir können ihn vergessen mit dem Verstande, dem Willen und dem Herzen. Man vergißt das Verhältnis der causa secunda zur causa prima und umgekehrt. Man vergißt, daß der Vatergott durch seine Tätigkeit mein Leben in der Hand hält. Unsere Vorfahren haben diesen Gedanken scharf im Leben durchgeführt. Wo ist heute dieser Geist? Wir müssen uns bemühen, unserm Volke den Vatergott wieder nahe zu bringen. Wir sehen fast nur mehr das Wirken der causa secunda, sehen aber nicht mehr hinter allem den Vatergott. Woher diese Gottvergessenheit? Niemand kommt zum Vater außer durch den Sohn. Seine Lehre vergessen wir, wenn nicht mit dem Verstande, so doch mit dem Herzen und Gemüt. -(S. 25)-

maschinenschriftlich, 30 Seiten A4, S.3; S.17, S.25 *

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