CS18 CAUSA SECUNDA Text 18

CS18 CAUSA SECUNDA Text 18

Aus: Priester-Exerzitien: „Marianisch-priesterliche Lebensweisheit“ 1933/1934

3. Vorbild der heiligen Mitarbeit.

Ein Grundgesetz im Reiche Gottes lautet: Gott hat uns ohne uns erschaffen, aber er will uns nicht ohne uns heilig und selig machen. Wir müssen also auch mitarbeiten. Ein anderes Gesetz lautet: Deus operatur per secundas secundum naturarum harum causarum. Vom freien Geschöpf verlangt er also freie Mitarbeit. Und hier liegt auch rein psychologisch und theologisch der Grund, weshalb mit einer heiligen Hoffnung noch Furcht verbunden sein kann: nicht wegen Gott, sondern wegen der Möglichkeit eines Mangels an Mitarbeit. – Ob die Gottesmutter diese Mitarbeit geleistet hat? Wir sind gewohnt anzunehmen: bei ihr war es anders als bei uns; sie hatte ja kein (ungeordnetes) Triebleben. Aber vergessen wir nicht, daß das göttliche Leben eine doppelte Aufgabe hat: eine Funktion nach unten und eine Funktion nach oben! – So steht Maria vor mit als die Mater sanctae spei. Wunderbar in ihrer Sehnsucht, in ihrem Vertrauen und ihrer Mitarbeit.

Mater sanctae spei heißt aber auch: Sie ist der

2) Grund unserer heiligen Hoffnung.

Wir sagten oft: die heilige Hoffnung gründet in Gott. Nun sagen wir: auch die Gottesmutter ist ein Grund für unsere Hoffnung. Wie oft rufen wir so zum Himmel: Du unsere Hoffnung … Es ist noch nie erhört worden .. Servus Mariae nunquam peribit! Wo liegt denn der Grund? Rein theoretisch in dem

a) wunderbaren Gesetz der Weltregierung Gottes: Deus operatur per causas secundas. Er hat seine MachGüte und Treue Zweitursachen mitgeteilt und wirkt durch sie. So hat Gott die Gottesmutter auserwählt als außerordentliche Verkörperung seiner Barmherzigkeit. Hier haben wir den vollendeten Abglanz der Barmherzigkeit Gottes. Die Gottesmutter ist also der Grund unserer Hoffnung wegen Gott, Gott ist der letzte Grund. – Tiefer:

b) Weshalb hat Gott die Gottesmutter so benutzt? Ich gebe wieder drei Gründe an, die aber ganz tief in der Dognatikfundiert sind. Gott hat Maria so benutzt, weil Maria

1, Mutter Gottes ist. Deswegen mußte Gott sie in besonderer Weise an sich ziehen, und Gott ist die Barmherzigkeit, Macht und Treue. Und wenn er dann schon einem Geschöpfe etwas mitgeben wollte von seiner Barmherzigkeit, Macht und Treue, was lag dann näher, als daß er sie in überreichem Maße seiner Mutter schenkte.

2, Mutter des Erlösers: Der Erlöser wieder die personifizierte Barmherzigkeit, Macht und Treue Gottes. Und Maria als seine Mutter so eng mit ihm verbunden. Wiederum: Wenn schon …, was lag dann näher…!

3, Mutter der Erlösten: Erst seit dem 12. Jahrhundert tritt dieser Gedanke stark ins öffentliche Bewußtsein der Kirche. In den ersten vier Jahrhunderten steht Maria als Königin neben Christus dem König, dann als die große Advokatin. Und neuerdings ein starker Zug, der sie stärker fassen will als die Mutter. Der Titel „unsere Mutter“ ist noch nicht dogmatisch genügend geklärt. Erst wenn wir das Dogma von der allgemeinen Gnadenvermittlung hätten, wäre er geklärt. Aber wir dürfen sagen: Weil Maria unsere Mutter ist, ist in ihr die große Barmherzigkeit, Macht und Treue Gottes uns gegenüber in einzigartiger Weise anschaulich gemacht worden.

vervielfältigt/Wachs, 185 Seiten A5 quer, S.111-113 *

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