EK2004-37 – Brüderlichkeit ohne Väterlichkeit ist widersinnig

EK2004-37 – Brüderlichkeit ohne Väterlichkeit ist widersinnig

Aus: J. Kentenich, Exerzitien für Schönstattpriester in der Marienau, 11.-16.12.1966.

Im einzelnen geht es um das Volk Gottes. In der früheren Auffassung hat sich die Kirche stark – gewiss vielleicht zu stark, mag sein – in der hierarchischen Doppelgliederung des Oben und Unten gesehen. Alles das geschah natürlich unter dem Einfluss der konstantinischen Wende. Das geht also weit zurück.

Das heißt aber nicht, es gäbe kein oben und kein unten. Die Gefahr besteht heute darin, dass wir das Oben streichen und nur das Unten sehen. Früher hat man nur das Oben gesehen und das Unten nicht. Deswegen hat sich die Laienwelt auch so unwürdig behandelt gefühlt.

Wir sollen dafür sorgen, dass ein stärkerer demokratischer Zug in das Verhältnis mit dem Bischof, in das Verhältnis mit der eigenen Gemeinde hineinkommt. Sie müssen verstehen, dass da Ausdrücke geformt werden, die das etwas überspitzt sagen. Das Demokratische muss deswegen so geübt werden, weil wir alle untereinander Brüder sind. Das Grundverhältnis zueinander, so wird heute betont, darf nicht mehr bleiben: auf der einen Seite ein paternelles und auf der anderen Seite ein mehr kindliches oder sohnhaftes. Da sind auf einmal die Gegensätze da. Alles, was oben ist, wird schnell weggemäht.

Demgegenüber sagen wir: Brüderlichkeit ohne Väterlichkeit ist widersinnig. Wenn wir alle untereinander Brüder sind, dann muss doch ein Vater da sein, der der Erzeuger ist. Auch als Pfarrer müssen wir wieder mehr hinunter zu der Gemeinschaft. Aber deswegen ist das Ideal der Paternitas nicht vorbei. Der hl. Paulus sagt uns, was Paternitas ist: das Vatersein in der Gemeinde. Er geht sogar noch ein Stück weiter, er nennt den Priester auch die Mutter der Gemeinde, wenn er sagt, er habe bei der Erzeugung der Gemeinde in Christus Geburtswehen durchgekostet. Für uns gilt also: ja nicht schnell weg vom Alten! Wenn wir organisch denken, müssen wir immer sagen: was war, festhalten, was kommt, neu betonen.

Heute ist so viel von der Partnerschaft die Rede. So wie wir den Ausdruck Paternitas aufgefasst haben, liegt darin eine viel stärkere Nähe als in dem, was mit dem Wort Partnerschaft ausgesagt ist. Wir haben ja immer das Vatersein betont, ganz gleich, ob es sich um Papst, Bischof oder Priester handelt. Aber diese wesentlichen Dinge werden heute total vergessen.

Auf der Oktoberwoche haben wir herausgestellt: Paternitas ist unlösliche Solidarität. Also in gar keinem Falle darf es eine diktatorische Paternitas sein. Vielmehr heißt das: wir haben zu erziehen; und erziehen heißt erzeugen. Wir dürfen eine Erzeugungsaktion tätigen. In Anlehnung an die alte Definition des Boethius müsste man, einfältig ausgedrückt, so sagen: Erziehen heißt: lebendige Fühlung halten (Alban Stolz).

Was man heute will, das ist alles im Alten enthalten. Glauben Sie, Schönstatt wäre so geworden, wie es geworden ist, ohne dass eine ungeheure Zeugungskraft wirksam gewesen wäre? Es waren ja überhaupt keine Rechte da!

Wir wollen also Patres unserer Gemeinden bleiben. Das verstehen wir nun so, dass ich den Lebensstrom, der in mir lebendig ist, weiterleite. Ich muss Leben erzeugen, das Leben wird ja nur durch das Leben erzeugt. Ich darf also nicht nur bei den Ideen bleiben und nicht nur den Ideenstrom weiterleiten. Ich treffe dabei aber auch auf Leben, und dieses Leben nehme ich dabei in mich auf.

Aus:
Peter Wolf (Hrsg.)
Erneuerte Kirche in der Sicht Josef Kentenichs
Ausgewählte Texte
Patris-Verlag, Vallendar-Schönstatt
www.patris-verlag.de

 

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